Mentalität eines Startups ist geblieben

Matthias Domes

Macher der Woche vom 13. Januar 2023

Bei einem Vierteljahrhundert Chemnitzer Unternehmensgeschichte dürfen kommende Woche einige Gratulanten zusammenkommen, die Matthias Domes die Hand schütteln wollen. Mit seinem Software-Unternehmen domeba feiert der gebürtige Karl-Marx-Städter nicht nur 25-jähriges Jubiläum, sondern darf sich auch als Pionier der Chemnitzer IT-Landschaft sehen. Eine Erfolgsgeschichte aus Chemnitz, von der der Gründer geträumt, mit der er aber nicht geplant habe.


Der Erfolg von IT-Unternehmen lässt sich am besten am Kundenstamm beurteilen. Wer zählt zu Ihrem?
Matthias Domes:
Wir sind mittlerweile international tätig. Es benutzen über zwei Millionen Nutzer aus über 300 Unternehmen unsere Software. Dazu gehören sowohl große weltweitagierende Unternehmen wie Paulaner, Henkel, Siemens, der Nahrungsmittelkonzern Mars, Coca-Cola, Unilever und Procter & Gamble als auch Unternehmen, die aus Chemnitz kommen, wie die Versorger envia und eins, aber auch Schäfers Backstuben und das Bauunternehmen Hüttner.

Die domeba GmbH ist spezialisiert auf Software-Lösungen. Kernprodukt ist das Compliance-Management-System iManSys. Es bietet Lösungen für die Bereiche Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit, Qualität und Umweltmanagement. Denn wer mit seinem Unternehmen erfolgreich sein will, muss sich an Regeln und Vorschriften halten. Dabei unterstützt sie ein Compliance-Management-System. Fehlt eine systematische Organisation, werden Verstöße von nationalen und internationalen Gesetzen, Vorschriften und Richtlinien grundsätzlich dem Unternehmen und seinem Leiter zugerechnet. Und das kann existenzgefährdend werden.

Wie kann man sich Programme vorstellen, die bei der Einhaltung von Regeln und Vorschriften unterstützen?
Vorschriften können von außen vorgegeben werden, zum Beispiel in Form von Gesetzen oder Richtlinien. Es kann sich aber auch um unternehmensinterne Vorgaben oder Leitlinien handeln, wie etwa Verhaltenskodizes oder Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung. In jedem Falle hilft es, für die komplexen Regelwerke eine Systematik zu entwickeln, die dabei hilft, diese Vorschriften und Regeln einzuhalten. Mit unserer Software-Lösung können die Anwender sämtliche Aufgaben, Pflichten, Verantwortlichkeiten und Vorschriften erfassen. Darüber hinaus können Änderungen im Regelwerk erkannt und dokumentiert sowie Handlungsnotwendigkeiten abgeleitet werden. Klingt erstmal etwas sperrig, im Kern geht es aber darum, Aufgaben und Informationen im Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Stellen zu verteilen und Ergebnisse zu dokumentieren.

Sie erwähnten, dass Sie mit großen Unternehmen zusammenarbeiten. Gibt es für Sie Konkurrenz in Deutschland?
Wir sind einer der führenden Anbieter in Deutschland auf diesem Gebiet. Natürlich stellen wir uns auch dem Wettbewerb. Was uns einzigartig macht, ist unser Nutzeransatz: Wir wollen, dass jeder Beschäftigte im Unternehmen mit unserer Software arbeiten kann. Daher passen wir uns mit der Software auch an die Prozesse im jeweiligen Unternehmen an und nicht andersherum.

Angefangen haben Matthias Domes und seine damalige Freundin und heutige Ehefrau 1998 im Sinne eines Startups als klassische Internetagentur – zu einer Zeit, als das Internet in den Kinderschuhen steckte. „Als wir das Unternehmen gründeten, war ich Student der Elektrotechnik und Informationstechnik im ersten Semester. Wir erkannten das Potential des Internets, hatten unsere Visionen, was damit alles möglich sein muss“, so der heute 45-Jährige. Dann hat ein Kölner Unternehmen eine Unterweisungssoftware gesucht, die es bis dahin nicht gab. Fündig wurde er bei der domeba in Chemnitz. „Das haben wir gemacht und gemeinsam etwas entwickelt. Ab da begann der Siegeszug im Compliance Management“, erzählt der Geschäftsführer nicht ohne Stolz.

Seit 2018 hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ca. 90 mehr als verdoppelt. Gibt es bei Ihnen keinen Fachkräftemangel? Wie begeistern Sie die Mitarbeiter von Ihrem Unternehmen?
Wir sind im Wettbewerb um die klugen Köpfe gut aufgestellt. Deshalb habe ich keine Angst. Unser Altersdurchschnitt liegt um die 35 Jahre. Wir holen uns genügend Nachwuchs ins Unternehmen und setzen auf eine gute Mischung: von jungen, wilden, dynamischen, noch-nicht-festgefahrenen Denkmustern in Kombination mit erfahrenen Köpfen. Mein erster Mitarbeiter, den ich eingestellt habe, ist noch heute im Unternehmen. Das hat auch eine gewisse Kontinuität. Die domeba-Kultur ist geprägt von gegenseitiger Unterstützung. Neueinsteiger bekommen Paten im Unternehmen zur Seite gestellt, die als Ansprechpartner bei der Einarbeitung fungieren. Zudem legen wir gemeinsam die Ziele im Unternehmen fest und daran messen sich die Mitarbeitenden selbst. Mitarbeiter zu fördern und zu fordern, ist unser Erfolgsrezept. So entwickeln sich unsere Leute zu echten Leistungsträgern. Wir haben an vielen Stellen gezeigt, dass wir das bringen. Wir zeigen uns authentisch, wie wir eben sind. Wir bauen nicht irgendein künstliches Image auf oder geben uns besonders trendy. Wir sind wie wir sind. Wenn neue Mitarbeitende zu einem Schnuppertag vorbeikommen, dann merken sie: das passt einfach. Anfangs denken viele, dass Compliance, Gesundheitsschutz und Pflichtenmanagement trockene Themen sind. Dass sich dahinter ein sehr spannendes Aufgabenfeld versteckt, wird allen schnell klar. Und so erleben unsere Beschäftigten ihre Aufgaben auch als sehr sinnstiftend: Mit unseren Lösungen werden die Risiken in Unternehmen verringert. Das treibt einen an. Ein Unternehmen, für das wir arbeiten, berichtete, dass es die Unfallzahlen um 30 Prozent senken konnte, ein anderes hat sie sogar halbiert.

Stellen Sie viele Abgänger von der TU Chemnitz ein oder woher kommen Ihre Mitarbeitende?
Wir rekrutieren relativ breit. Natürlich spielt der Hochschulstandort eine große Rolle. Das ist ein großer Vorteil, von dem wir profitieren. Viele haben hier studiert, wie auch ich. Aber auch die Hochschulen in Mittweida und Zwickau gehören zu unserem Einzugsgebiet. Zudem bilden wir selbst aus. Jeder zehnte Mitarbeitende ist bei uns als Azubi in der Ausbildung. Es kommen aber auch Fachkräfte von anderen Unternehmen zu uns. Außerdem konnten wir einige Rückkehrer anziehen, mit dem was wir tun.

Zukünftig will Matthias Domes das Geschäft weiter internationalisieren. „Wir haben Auslandsaktivitäten in der Schweiz – eine Tochtergesellschaft, eine Niederlassung in Dänemark, in Österreich sind wir schon erfolgreich unterwegs und nun strecken wir jetzt die Fühler Richtung Polen und Frankreich aus.“

Sie sprechen immer von wir. Wer gehört dazu?
Ich habe das Unternehmen mit meiner damaligen Freundin gegründet. In der Zwischenzeit ist sie meine Frau geworden. Wir sind also ein klassisches Familienunternehmen. Ich bin besonders stolz, dass wir das ohne einen einzigen Euro Fremdkapital oder externe Kredite geschafft haben. Was aber nicht heißt, dass wir nicht genauso flexibel oder innovativ sind, wie heutige Startups. Wir denken frisch, wir denken dynamisch, wir probieren auch Dinge aus. Und wenn sie nicht funktionieren, legen wir sie zur Seite und probieren an anderer Stelle weiter. Wir haben uns die Mentalität eines Startups behalten. Außerdem ist Erfolg bei uns eine Teamleistung. Jeder Mitarbeitende zählt und wird sich bei domeba weiterentwickeln - fachlich oder als Manager mit mehr Verantwortung. Unsere Führungskräfte kommen überwiegend aus den eigenen Reihen, wir fördern und fordern.

Chemnitz hat viele aufstrebende Software-Unternehmen, wie Baselabs, Staffbase, alteingesessenen wie community4you und Sie. Und es kommen immer wieder welche nach. Müssen Sie ein bisschen lächeln, wenn Sie als Chemnitzer Software-Urgestein die Jungen sehen und den vermutlich steinigen Weg, den sie noch vor sich haben?
Ich freue mich, wenn sich Chemnitz immer stärker als relevanter Standort für Softwareunternehmer etabliert und bekannt wird. Letztlich wird dadurch die Aufmerksamkeit für das „Gold des 21. Jahrhunderts" sowohl für Ausbildung, Studium als auch für Zuzug in die Region erhöht. Der Anteil von Wertschöpfung durch IT/Software wird immer höher und wichtiger. Sie sprechen mit dem steinigen Weg einen wichtigen Punkt an. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen, die für ein Unternehmen existenziell wichtig ist. Wenn wir rückblickend die 25 Jahre betrachten, dann haben wir drei wesentliche Krisen überstanden. In den frühen 2000er Jahren die geplatzte Dotcom-Blase, 2008 die Finanzkrise, und seit knapp drei Jahren die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, die hohen Energiekosten sowie die steigende Inflation, die ich pauschal als dritte Krise zusammenfasse. Durch diese Zeiten sind wir gut gekommen und konnten sogar wachsen.

Unternehmen wie domeba leisten einen wichtigen Beitrag zur florierenden Wirtschaft in Chemnitz. Sie geben hochqualifizierten Mitarbeitenden ein berufliches Zuhause, sorgen dafür, dass junge Fachkräfte hierbleiben und nicht abwandern. Diese Unternehmen tragen dazu bei, dass die Region solide dasteht. Durch ihre Unterstützung schaffen sie auch die notwendige Basis für das reichhaltige Kunst-, Kultur- und Freizeitangebot in Chemnitz. Domeba beispielsweise fördert Sport, Kultur und Umweltprojekte in Chemnitz. Im Sechsruthenwald in Chemnitz-Glösa, unweit des Firmensitzes, pflanzten die Mitarbeitenden beispielsweise über 6.000 Bäume. Zudem freuen sich die Basketballer NINERS und die Chemnitzer Filmnächte über die finanzielle Unterstützung des Unternehmens.

Woher kommt diese Leidenschaft gegenüber der Stadt?
Viele Mitarbeitende, wie auch ich, sind in dieser Stadt aufgewachsen. Wenn man hier seine Kindheit verbracht hat, seine Ausbildung bekommen hat und von Anfang an konsequent auf den Standort gesetzt hat, ist man stark mit der Stadt verbunden. Wir wollen unseren Beitrag für Chemnitz leisten, die Stadt weiter voran zu bringen. Das junge, grüne, gesunde Chemnitz – diesen drei Schlagworten haben wir uns verschrieben.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 25 Jahren? Sie haben sicherlich vor 25 Jahren mit diesem heutigen Erfolg nicht gerechnet?
(lacht) Ich habe mir den Erfolg gewünscht, davon geträumt und darauf hingearbeitet, aber nicht damit geplant. Wir sind ein Familienunternehmen und wollen das auch in 25 Jahren bleiben. Meine Frau und ich haben drei Kinder und es besteht der Wille, das Unternehmen an die nachfolgende Generation zu übergeben und so aufzustellen, dass es als gesundes, stabiles, dynamisches, fehlertolerantes Unternehmen im Sinne, wie wir es gegründet, aufgebaut und betrieben haben, weiterläuft. Wir werden auch in den nächsten 25 Jahren mit unseren Softwarelösungen die Arbeitswelt sicherer, einfacher und nachhaltiger machen. Domeba wird größer, internationaler und bekannter werden.

Was wünschen Sie sich für die Kulturhauptstadt 2025?
Die Kulturhauptstadt ist eine große Chance, mit dem Klischee des überalternden Chemnitz aufzuräumen. Wenn ich auf einige Veranstaltungen zurückblicke, beispielsweise das Kosmos, sehe ich uns da auf einem guten Weg und wünsche mir, dass dieser fortgesetzt wird. Die Geschichte der Stadt hat uns einiges an positiven Dingen beschert: Eines der ersten Parkhäuser ist in Chemnitz gewesen. Eine der ersten Dampfmaschinen kam aus der Stadt, die Industrialisierung in Deutschland ist von Chemnitz ausgegangen. Und diese Geschichten sollen auch im Kulturhauptstadtjahr fortgeschrieben werden. Die Voraussetzungen sind da. Wenn ich mir die Kultur anschaue, dann sehe ich berühmte Bands, die aus Chemnitz kommen. Ich sehe eine über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannte Museumslandschaft, ich sehe Festivals, Kulturveranstaltungen, Sportevents, die überregional ausstrahlen. Das finde ich gut. Das muss unbedingt erhalten bleiben. Das Kulturhauptstadtjahr sollte in diesem Sinne als Chance genutzt werden, die eigene Mentalität weiterzuentwickeln. Wir sollten das Entstandene nutzen, auch über 2025 hinaus eine lebendige Kulturszene aufrechtzuerhalten und weiter zu fördern. Hier muss unbedingt nachhaltig gedacht werden. Das macht was mit den Menschen.

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