Industriegeschichte

"Sächsisches Manchester"

Bereits 1859 beschrieb Berthold Sigismund Chemnitz als "das sächsische Manchester":

"... in Chemnitz sowohl als in der Umgegend walten die Fabrikgebäude vor, von denen nur einige der jüngsten das Bestreben offenbaren, neben der Zweckmäßigkeit auch die Schönheit zu berücksichtigen."

Den Vergleich mit der englischen Industriemetropole legten die Vielzahl der Schornsteine der Fabriken und Gießereien, die damit verbundene Rauch- und Schmutzentwicklung sowie die miserablen sozialen Verhältnisse nahe.

Der Begriff "sächsisches Manchester" widerspiegelt aber auch den Stolz auf die Leistungen der einheimischen Industrie, besonders des Maschinenbaus, die die Vormacht der englischen Konkurrenten mehr und mehr zu brechen vermochte. Gerade in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gelang dem Maschinen- und Lokomotivbauer Richard Hartmann und dem Werkzeugmaschinenbauer Johann Zimmermann der Durchbruch auf internationalem Parkett - auf den Weltausstellungen erhielten sie mehrfach Preismedaillen für ihre Maschinen, die den englischen in keiner Weise mehr nachstanden.

Textilindustrie

Textilherstellung im 18. Jahrhundert

 

Baumwollweberei und Kattundruckerei waren im 18. Jahrhundert die Säulen der Chemnitzer Wirtschaft.

Die 5000 Einwohner lebten vorrangig von der Barchent- und Kanevasproduktion. Stetige Zunahme der Beschäftigten in der Weberei ist dafür Beleg:
 

  • 1712: 185 Meister und 146 Gesellen
  • 1720: 254 Meister
  • 1726: 319 Meister einschließlich Witwen, sowie 345 Gesellen
  • 1730: 400 Meister und 400 Gesellen

Mit der Zunahme der Zahl der Beschäftigten in der Weberei ging auch eine Steigerung des Produktionsvolumens einher. Wurden im Jahre 1699 noch 18 957 Stück Gewebe hergestellt, so waren es 1731 bereits 41 218 Stück, wobei ein Teil aus der Umgebung der Stadt stammte.

Hinzu kamen im gleichen Jahr noch 31 729 Ballen Stoffe eingeführte und teilweise in der Stadt gestempelte Stoffballen, so dass 1731 72 947 Stück Gewebe verschiedener Art aus Chemnitz auf den Markt kamen. Der für Wäsche- und Futterstoffe verwendete Barchent, ein einseitig auf der Rückseite gerauhtes, vorwiegend aus Baumwolle bestehendes Gewebe, wurde in Chemnitz seit 1675 in doppelter Breite hergestellt.

Dieser Doppelbarchent, "Vierziger" genannt, war 40 Ellen (etwa 22,5 Meter) lang. Je nach Qualitätsanforderung wurden gebleichtes Leinengarn und rohe smyrnaische Baumwolle verarbeitet bzw. Flachsgarn und Baumwolle oder für die billigste Ware nur Baumwolle verwendet. Kanevas, eine feine und glatte Ware, wurde entsprechend dem Verwendungszweck aus Flachs-, Hanf- oder Baumwollgarn gewebt.

Kanevas stellte man in Chemnitz ebenfalls seit 1675 her, und zwar zunächst in einer Länge von 24 Ellen (etwa 14,1 Meter), später von 22 1/2 Ellen. Die Breite betrug eine Dreiviertelelle (etwa 0,4 Meter). Die Begutachtung der Waren erfolgte nach strengen Maßstäben. Außerdem entwickelte sich in Chemnitz und Umgebung die Strumpfwirkerei zum bedeutenden Erwerbszweig.

Besonders wichtig wurde die Kattundruckerei. 1770 führte der Bleicher und Kolorist Georg Schlüssel die auf geschlossene Etablissements angewiesene Kattundruckerei als Vorläuferin fabrikmäßiger Produktion ein. Dem folgte 1771 die Kattundruckerei Pflugbeil und Co., gekoppelt mit einem Verlag für Webwaren, die ca. 20 Jahre später etwa 1200 Personen beschäftigte und 1799 erste Versuche zum Einsatz von Maschinen unternahm.

Übrigens ...

Das Bleichprivileg von 1357

Bedeutend für die Entwicklung der Textilherstellung in Chemnitz war das 1357 ausgestellte Bleichprivileg, wodurch die Landesbleiche an den Ufern des Chemnitzflusses errichtet wurde.

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