Justin Sonder

Justin Sonder bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft am 21. April 2017

Justin Sonder wurde am 18. Oktober 1925 in Chemnitz als Sohn einer Hausfrau und eines Kaufmanns und Weinvertreters geboren. Bereits in seiner Kindheit war er mit wachsendem Antisemitismus konfrontiert, erlebte in Chemnitz die Pogromnacht am 9. November 1938. Später erlernte den Beruf des Kochs und musste von Herbst 1941 bis Februar 1943 Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb in Chemnitz leisten. Am 27. Februar 1943 wurde Justin Sonder verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort überlebte er unvorstellbare Zustände, Hunger, Schläge, Zwangsarbeit und insgesamt 17 Selektionen. In mehreren Todesmärschen gelangte Justin Sonder schließlich im April 1945 ins fränkische Wetterfeld, wo er am 23. April 1945 durch die amerikanische Armee befreit wurde. Am 19. Juni 1945 kehrt Justin Sonder gemeinsam mit seinem Vater in seine Heimatstadt zurück, wo er seitdem lebt.

Justin Sonder erhielt im Jahr 2008 den Ehrenpreis des Chemnitzer Friedenspreises. Als mit Christian Wulff im Januar 2011 erstmals ein Bundespräsident in Auschwitz sprach, zählte Justin Sonder zu den Mitgliedern seiner Delegation. Im Jahr 2015 erhielt Justin Sonder die Ehrenmedaille des Internationalen Auschwitz-Komitees. Damit gehört der Chemnitzer zu weltweit rund 400 in dieser Form Ausgezeichneten. Die Ehrung wird an jene verliehen, die sich als Überlebende nach ihrer Zeit im Konzentrationslager nicht in Schweigen zurückgezogen, sondern ihre Stimme erhoben haben, um Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten.

Justin Sonder ist ein gefragter Gesprächspartner, der von Schulen und Vereinen eingeladen wird. Er berichtet seinen Zuhörern von den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte. Damit leistet er einen wertvollen und unbezahlbaren Beitrag zur Mahn- und Erinnerungskultur.

Seit 1997 absolvierte Justin Sonder insgesamt mehr als 500 Veranstaltungen mit Tausenden Schülerinnen und Schülern. In seinen Vorträgen erzählt Justin Sonder von grauenhaften Erlebnissen, erwähnt aber auch, wie ihm ein Chemnitzer Fleischermeister, Butterhändler und Friseur geholfen haben. Trotz des erlittenen Leids hat er seine Mitmenschlichkeit nicht verloren. Er bringt Schülerinnen und Schülern bei, Licht im Schatten zu sehen und Handlungsalternativen zu erkennen. Mit seinen Vorträgen über seine Zeit in Auschwitz macht er Geschichte lebendig und greifbar. Seine Botschaft an die Jüngeren ist damit umso beeindruckender: Die nachfolgenden Generationen, für die Frieden und Demokratie immer eine Selbstverständlichkeit schienen, müssen immer wieder aufs Neue dafür sorgen, dass sich ein Menschheitsverbrechen wie das des Nationalsozialismus nicht wiederholen kann.

Im Alter von 90 Jahren reiste Justin Sonder Anfang des Jahres 2016 nach Detmold, um im möglicherweise letzten großen Auschwitz-Prozess, in dem er auch als Nebenkläger auftrat, gegen einen ehemaligen Wachmann des Vernichtungslagers auszusagen. Mit seiner Aussage half er, für späte Gerechtigkeit zu sorgen.

Die Stadt Chemnitz verlieh am 21. April 2017 im Rahmen eines Festaktes die Ehrenbürgerschaft an Justin Sonder in Anerkennung seines unermüdlichen Engagements, mit dem er als einer der wenigen Auschwitz-Überlebenden und als einer der letzten Zeitzeugen überhaupt die Erinnerung an die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes wachhält.

Justin Sonder verstarb am 3. November 2020 im Alter von 95 Jahren.

 

Interview mit Justin Sonder

Justin Sonder im

"In dieser Stadt soll Frieden herrschen"

Schon oft hat er seine Lebensgeschichte erzählt. Seit 30 Jahren geht Justin Sonder in Schulen und berichtet von den schlimmsten Tagen seines Lebens im KZ Auschwitz.

Als einer der wenigen Auschwitz-Überlebenden kämpft er gegen das Vergessen. Zwei Bücher dokumentieren seine Erlebnisse. 

Anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft war er "Macher der Woche":

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