Rede

anlässlich des Festaktes zur Eröffnung des "smac - Staatliches Archäologiemuseum Chemnitz" am 15. Mai 2014

 

Es gilt das gesprochene Wort.



Sehr geehrte Bundesministerin
Sehr geehrter Herr Staatssekretär
sehr geehrter Ministerpräsident,
sehr geehrte Mitglieder des sächsischen Landtages,
sehr geehrte Mitglieder des Chemnitzer Stadtrates,
sehr geehrter Prof. Rind
sehr geehrte Frau Dr. Wolfram,
sehr geehrte Familie Schocken,
sehr geehrte Familie Mendelsohn,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

pure Lust!
 
…so erlebt die Architekturelite des Landes 1930 den Blick auf dieses Gebäude, in dem wir uns heute befinden.
 
Die damalige Ausgabe der Wasmuth Monatshefte für Baukunst und Städtebau schwärmt:
„Mit seinem neuen Kaufhaus Schocken in Chemnitz hat Erich Mendelsohn einen neuen Gipfel seines Schaffens erreicht.“
 
 
 
Der Autor, Werner Hegemann, ist in diesem Architekturmagazin natürlich um einen sachlichen Ton bemüht.
Er versucht sich mit trockener Fachterminologie zu beruhigen: „Stützenanordnung, Erkerbau, Waagerechten, Senkrechten, rücktretenden Geschossen“.
 
Vergebens…
Immer wieder bricht eine unverstellte, beinahe unsachliche Begeisterung durch:
„Kühnheit der Konstruktion“, „unvergleichlich schönes Warenhaus“, „feenhafte Wirkung“. Das Kaufhaus Schocken für Erich Mendelsohn ein „kaum zu überbietender Triumph“.
 
Mendelsohn hatte bis dahin bereits zwei bedeutende Kaufhäuser für die Familie Schocken entworfen.
In Stuttgart und Nürnberg. Beide sind mittlerweile abgerissen.
 
Das Chemnitzer Kaufhaus Schocken ist damit nicht nur das größte und architektonisch anspruchsvollste Dokument der so inspirierenden Verbindung der Familie Schocken mit dem Architekten Mendelsohn.
Sondern auch das einzig erhaltene.
 

Das Konzept Warenhaus ist noch gar nicht so alt. Es entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Warenhäuser waren Prestigeobjekte florierender Städte und Ausdruck wachsenden Wohlstands.

Als in seiner Art herausragendes Architekturzeugnis sagt das damalige Kaufhaus Schocken viel über Chemnitz im Jahr 1930 aus.
 
Acht Jahre später sagt es mehr noch über Deutschland im Jahr 1938 aus.
Die Familie Schocken ist enteignet, die jüdischen Bürger vertrieben, verfolgt, gequält, in Vernichtungslager deportiert.
 

 

 

Dabei waren es zum Beispiel jüdische Kaufmannsfamilien, die Handel und Verkauf revolutionierten und – nicht nur – diesen Wirtschaftszweig in Deutschland aufgebaut haben.

Salman Schocken gab um 1930 Vorträge und veröffentlichte Schriften zur Theorie des Warenhauses.
 
In dieser Zeit waren große Unternehmen untrennbar mit Namen und Persönlichkeiten verknüpft. So wie Tietz und Schocken.
So erinnert sich der Autor und Regisseur Eberhard Görner wie viele andere in einem Interview an seine Kindheit:
 

„Schocken ist Teil meiner Kindheit. Vor diesem Namen habe ich großen Respekt gehabt.

Wenn wir damals nach Chemnitz gefahren sind, dann gingen wir nicht in das HO-Kaufhaus, sondern zu Schocken.“
 
Dieses Haus wird immer das „Schocken“ bleiben. Ein so starker Bau bleibt immer eigenständig.
 
Es bedurfte schon etwas Herausragendem, um diesem Haus einen angemessenen neuen Inhalt zu geben.
Mit dem Landesmuseum für Archäologie ist dies gelungen.
 

Dank dafür an den Freistaat und dessen Entscheidung für Chemnitz.

Und Dank an den Bund für seinen Anteil an der Realisierung.
Beides war Grundlage dafür, dass sich Gebäude und Museum hier ab heute gegenseitig die Ehre geben. Form und Inhalt eindrucksvoll zueinander finden.

 


 

Meine Damen und Herren,
bis sich aber beide wirklich gefunden haben, war es ein langer, ein sehr langer Weg.
Die Geschichte dieses Weges hätte aufgrund seiner Dauer und der Vielzahl von Wendungen, Irrungen und Wirrungen, Protagonisten und Antagonisten einen eigenen Bereich in dieser Ausstellung verdient.
 
Aber nein, 300.000 Jahre Geschichte mit archäologischen Zeitzeugen – inspirierend in Szene gesetzt – sind natürlich das neue Lebenselixier dieses Hauses. Eine neue Aura hat Platz genommen und lässt die Zeitzeugen und Zeugnisse erzählen und die Besucher ergreifen.
 
Mein Dank gilt allen, die dieses Haus wollten, dafür kämpften, stritten, konzipierten, bauten, bezahlten.
 
Der Start in eine starke Zukunft ist geglückt.
Eine Zukunft, die in Ihren Händen, sehr geehrte Frau Dr. Wolfram, bestens aufgehoben ist.
 
Vielen Dank.