Grußwort

zum Festakt anlässlich der Eröffnung des Museum Gunzenhauser am 1. Dezember 2007


Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr geehrter Herr Dr. Gunzenhauser, Sehr geehrter Prinz von Hohenzollern, Sehr geehrte Frau Staatsministerin, Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Sächsischen Landtages, Sehr geehrte Repräsentanten der Partnerstädte Akron, Tampere und Wolgograd, Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Sehr geehrte Förderer der Sparkasse, Sehr geehrte Frau Mössinger, Werte Festversammlung. Es ist mir eine große Freude, Sie an diesem für die Geschichte der Stadt so herausragenden Tag begrüßen zu dürfen.

Dass Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, heute hier bei uns sind, ist uns eine große Ehre, es beglückt und bestärkt.

Die heutige Eröffnung des Museum Gunzenhauser ist das Ergebnis einer Jahrhundert­entscheidung für Chemnitz.

 

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Den Auftakt der Moderne gibt Picasso im Jahr 1907. Die Moderne, eine Epoche, die aus der Chemnitzer Perspektive eine wirtschaftliche, geistige und kulturelle Blütezeit darstellt. Sie prägt das Gesicht, den Takt und das Selbstverständnis dieser Stadt bis heute.

Bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatten zahlreiche kunstsinnige und mäzenatisch eingestellte Unternehmer wie die Familie Vogel mit ihren Aufträgen an Max Klinger, die Familie Esche mit Henry van de Velde entsprechende Weichen gestellt.

Dieser aufblühende Kunstsinn manifestierte sich ab 1909 exemplarisch im eindrucksvollen König-Albert-Museum mit einer reichen Kunstsammlung. Der Bestand ist im Verlauf der zurückliegenden einhundert Jahre, historisch bedingt, nicht frei von Brüchen. Umso wertvoller war gerade in der jüngeren Geschichte jedes einzelne mäzenatische Engagement für die Kunstsammlungen, die dank der Stiftung des Chemnitzers Hartmut Koch z. B. um das gesamte grafische Werk von Wolfgang Mattheuer bereichert wurde.

 

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
nicht selbstverständlich und gerade deshalb so besonders erfreulich ist die Bereitschaft von Stiftern aus den alten Bundesländern, einzelne Kunstwerke oder ganze Konvolute, wie es zuletzt das Ehepaar Flügge aus Düsseldorf zeigte, nach Chemnitz zu geben. Fast unmöglich schien es jedoch, eine der ganz großen Sammlungen mit Kunst der Klassischen Moderne in die Stadt zu holen.

Um derart ausgestattete und beseelte Sammler entbrennt in der Regel ein erbitterter Streit, in dem Chemnitz zunächst chancenlos schien.

Die resolute Entscheidung von Herrn Dr. Alfred Gunzenhauser ist nicht hoch genug zu schätzen, in Chemnitz vom begnadeten Sammler zum großzügigen Stifter zu werden, Chemnitz als Standort seiner Sammlung zu wählen.

Sie machen uns, hoch verehrter Herr Dr. Gunzenhauser, Sie machen uns Chemnitzern und unseren Gästen ein großartiges, unschätzbares Geschenk. 

 

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Sammlung Gunzenhauser besteht aus fast 2.500 Kunstwerken. Schwerpunkt sind die Werke der klassischen Moderne. Erhebend ist die Liste der vertretenen Künstler wie Dix, Corinth, Heckel, Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Pechstein, Schmidt-Rottluff, Beckmann, Gabriele Münter, Altenbourg, Grützke und Warhol. Bemerkenswert die zahlreichen Gemälde von Nolde, Jawlensky und Felixmüller. Sehr verehrter Herr Dr. Alfred Gunzenhauser, im Namen der Stadt und ihrer Bürgerschaft möchte ich Ihnen meinen tiefen und großen Dank für Ihre großzügige Stiftung aussprechen. Lieber Herr Dr. Gunzenhauser, den Wunsch, Ihrer wunderbaren Sammlung ein entsprechendes Gebäude zu schaffen, konnten wir glücklicherweise mit Hilfe öffentlicher und privater Förderer erfüllen.

Allen voran ist das die Sparkasse Chemnitz, die gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung maßgeblich zur Wirklichkeitwerdung der Chemnitzer Träume beitrug. Herrn Holtmann, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, und Herrn Grimm, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Chemnitz, bin ich dafür verbunden. Ebenso meinem Amtsvorgänger, Herrn Dr. Peter Seifert, und dem Chemnitzer Stadtrat, ohne deren Anschub, ohne deren Mut und Entscheidungskraft das Museum nicht denkbar und nicht tragbar ist. Nur mit dieser Leidenschaft sind utopisch anmutende Pläne zu verwirklichen. Ich danke daher unserer Generaldirektorin, Frau Ingrid Mössinger, dass sie Herrn Dr. Gunzenhauser davon überzeugen konnte, seine kostbare Sammlung nach Chemnitz zu geben. Ich danke Ihnen für diesen historischen Meilenstein

 

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wer als Autor die Wahrheit sucht, muss gegenwärtig sein. Nicht in seinen Stoffen, nicht in seinen Figuren - wohl aber in seinem Blick auf die Welt. Unbestechliche Betrachtung ist der Schlüssel, der die Tür zur Erkenntnis öffnet.

So ist dies auch bei Amos Oz - ohne Zweifel einer der herausragendsten Schriftsteller unserer Zeit. In seinen Werken verschmelzen Beobachtungsgabe und das Gespür für die politische Kultur mit brillanter Sprache. Schicht für Schicht trägt Amos Oz das Offensichtliche ab, um das Wesentliche zu finden. Wie Stefan Heym spiegelt er dabei häufig die große Welt im Kleinen. Betrachtet Beziehungen oder Familien, um zu zeigen, dass politische Verhältnisse oder soziale Konflikte ähnlichen Mustern folgen.

"Hölle wie Paradies kann man in jedem Zimmer finden", schreibt Amos Oz. "Hinter jeder Tür. Unter jeder Ehebettdecke. Das ist so: Ein wenig Bosheit - und der Mensch bereitet den Menschen die Hölle. Ein wenig Mitgefühl, ein wenig Großzügigkeit - und der Mensch bereitet dem Menschen das Paradies."[1] 

 

 

Meine Damen und Herren,
der Sparkassen-Bau von Fred Otto, 1930 vollendet und vom renommierten Berliner Architekten Volker Staab einfühlsam zum Museum umgebaut, ist eine Hommage an Herrn Dr. Gunzenhauser und seine wertvolle Sammlung.

Die architektonische Umwandlung ist so gelungen, weil sie der Kunst gegenüber zwar eine dienende, aber keine unterwürfige Haltung einnimmt. Dem Architekten Volker Staab bin ich für diese Leistung herzlich dankbar. Ein schöner Rahmen hebt immer noch auch die beste Kunst. 1907 begann die Epoche der Moderne. Heute, 100 Jahre danach, ist Chemnitz auf dem besten Wege, durch die Tatkraft vieler als wirtschaftlich starke Stadt mit einem inspirierenden geistig-kulturellen Leben zu blühen. Das Museum Gunzenhauser steht als Symbol für eine persönliche und zugleich für unsere gemeinsame deutsch-deutsche Geschichte. Herr Dr. Gunzenhauser aus München und sein Museum in Chemnitz - angesichts dieser bewussten Verbindung spüren wir, welch einigende Kraft ein gemeinsamer Traum entfaltet. Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, heißt es bei Friedrich Schiller [1]. Was dies bedeutet, lässt sich im Museum Gunzenhauser auf wundervolle Weise sehen, fühlen und erleben.

 

 

[1] Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen, in einer Reihe von Briefen. Zweiter Brief, zuerst erschienen in: Die Horen, 1795