„Wir lassen keinen im Regen stehen“
Juliane Schreiber & Christof Schaffer
Kennt ihr das? Man steht früh auf, das Wetter ist schön und man denkt: „Heute fahr ich mal mit dem Rad.“ Auf dem Weg in den Keller freut man sich darüber, endlich mal wieder was für die Gesundheit und Fitness zu tun. Und gerade als man das Fahrrad aus dem Keller holen will, stellt man fest: „Ach ja, ich hab ja einen Platten.“ Also Keller zu, und ab zu Bus oder Bahn. – Doch das muss nicht sein! In der Fahrradselbsthilfewerkstatt Dr. Radinger in der Bernsdorfer Straße 41 wird einem geholfen. Egal ob Platten, kaputter Dynamo oder fehlende Klingel. Juliane Schreiber und Christof Schaffer stehen jeden Dienstag mit Rat und Tat zur Seite. Kennt ihr das? Man steht früh auf, das Wetter ist schön und man denkt: „Heute fahr ich mal mit dem Rad.“ Auf dem Weg in den Keller freut man sich darüber, endlich mal wieder was für die Gesundheit und Fitness zu tun. Und gerade als man das Fahrrad aus dem Keller holen will, stellt man fest: „Ach ja, ich hab ja einen Platten.“ Also Keller zu, und ab zu Bus oder Bahn. – Doch das muss nicht sein! In der Fahrradselbsthilfewerkstatt Dr. Radinger in der Bernsdorfer Straße 41 wird einem geholfen. Egal ob Platten, kaputter Dynamo oder fehlende Klingel. Juliane Schreiber und Christof Schaffer stehen jeden Dienstag mit Rat und Tat zur Seite.
Wie hat sich die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt entwickelt?
Juliane Schreiber: Ursprünglich entstand die Werkstatt im ehemaligen besetzten Haus in der Reitbahnstraße. Da war die Selbsthilfewerkstatt schon immer, aber ich glaube eher inoffiziell. In der Uni-Mensa hatte ich damals zufällig einen Flyer gefunden und bin auf die Werkstatt aufmerksam. Dadurch habe ich den damaligen Betreiber kennengelernt. Irgendwann mussten die aus dem Haus in der „Reba“ raus und sind hier eingezogen.
Christof Schaffer: Organisatorisch läuft die Werkstatt über den Studentenrat (StuRa) der TU, früher lief das über das Referat Verkehr. Inzwischen sind wir unser eigenes Referat. Dazu sind wir aber auch eher gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Der StuRa unterstützt uns mit ein bisschen Geld und finanziert uns die Räumlichkeiten.
Wenn ihr nicht so viel Geld bekommt, müssen die Radfahrenden, die hierher kommen, dann etwas bezahlen?
Juliane Schreiber: Wir haben eine Spendenbox. Natürlich ist das immer nur ein Hinweis, aber keine Pflicht. Dennoch ist eine Spende immer gern gesehen.
Christof Schaffer: Wir sind ja auch sparsam. Wir bekommen das Geld vom StuRa hauptsächlich für Werkzeuge und Gebrauchsmaterial. Das was eben regelmäßig am Fahrrad ausgetauscht werden muss, wegen Abnutzung und Verschleiß, das bekommen wir so finanziert. Es gibt keine festen Preise. Wenn jemand etwas bezahlen möchte, kann er das Geld gern in die Spendenbox werfen. Das hilft uns natürlich immer.
Repariert ihr die Fahrräder dann, oder sollen diejenigen das schon selber machen?
Juliane Schreiber: Der Grundgedanke ist schon, dass jeder sein Fahrrad selbst repariert. Aber wir lassen hier niemanden im Regen stehen.
Christof Schaffer: Wir sind eigentlich nur dazu da, um Anleitung zu geben. Natürlich greifen wir auch mal mit zu, wenn es knifflig wird, aber prinzipiell ist es eine Selbsthilfe, wie es der Name schon sagt. Wir gehen den Leuten zur Hand, aber eigentlich sollen sie es allein schaffen.
Juliane Schreiber: Aufgrund des Andrangs, den wir jede Woche hier haben, ist das Reparieren schon mit etwas Wartezeit verbunden.
Wie viele Leute kommen denn so?
Juliane Schreiber: Wir zählen schon gar nicht mehr.
Christof Schaffer: Das ist eigentlich ganz unterschiedlich, entsprechend der Witterung und der Jahreszeit natürlich. Aber es dauert nicht lange, dann ist der Raum hier erst mal voll. Und voll heißt, dass fünf Radfahrer mit ihren Rädern in der Werkstatt stehen. Wir sind mittendrin und versuchen, überall ein bisschen mit einzugreifen. Und dann dauert es gar nicht lang, dann stehen im Vorraum noch Leute und draußen vor der Tür. Das ist für uns inzwischen auch schwierig zu organisieren - also weder mit den Räumlichkeiten noch mit der Personalstärke.
Ihr seid also offen für Leute, die gern mithelfen möchten?
Juliane Schreiber: Grundsätzlich ja, allerdings ist das Platzproblem dann immer noch nicht geklärt. Es bringt eben nichts, noch mehr Helfer einzustellen, wenn hier gar kein Platz ist und auch die Werkzeuge gar nicht ausreichen. Wir haben ja nicht alles in zehnfacher Ausführung.
Christof Schaffer: Auf der anderen Seite können uns weitere Helfer auch entlasten. So dass man sich die Arbeit und die Wochen aufteilen kann. Zurzeit sind wir wirklich jede Woche Dienstag hier und betreiben die Werkstatt.
Sind eure „Kunden“ eher Studenten, oder kommen auch andere?
Christof Schaffer: Inzwischen sind die Studenten sogar eher die Minderheit. Letztes Jahr hatten wir einen Aktionstag mit dem sächsischen Flüchtlingsrat. Dort haben wir Fahrräder rausgegeben, die Flüchtlinge und Asylbewerber nutzen konnten. Das hat sich sehr schnell herum gesprochen und so sind wir inzwischen weniger Anlaufstelle für Studenten, als mehr für Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber.
Kann man jetzt bei euch Fahrräder abgeben, die ihr hier für Flüchtlinge sammelt und ihr gebt die dann weiter?
Juliane Schreiber: Ja, hier kommen sehr oft Flüchtlinge vorbei und wollen nicht nur Fahrräder reparieren, sondern wollen gern eins haben, um mobil zu sein. Also wenn irgendjemand ein altes Fahrrad im Keller hat, das nicht mehr gebraucht wird, dann kann das sehr gern bei uns abgegeben werden.
Inzwischen ist es kurz vor 16 Uhr und so langsam ist der Andrang zur Fahrradwerkstatt spürbar. Die Beiden versuchen auch bei den Flüchtlingen Anleitung zu geben und zu erklären, wie man was am besten reparieren kann. Das gelingt zwar nicht immer, doch am Ende ist das Fahrrad gebaut und funktionstüchtig. „Manchmal machen wir es dann aber doch selber.“ sagt Christof und erzählt, dass vor allem die Sprachbarriere oft ziemlich groß ist. Doch eine gewisse Zusammenarbeit kommt eigentlich immer zustande.
Vielleicht kommen ja auch zur Europäischen Mobilitätswoche Flüchtlinge, die Hilfe brauchen. Ihr habt am Freitag dort einen Stand. Was bringt ihr alles mit?
Juliane Schreiber: Wir werden so eine Art Werkstatt-Station anbieten, wo man mal schnell seine Luft aufpumpen, oder kleine schnelle Reparaturen machen kann. Und die Mobi-Woche ist natürlich eine Möglichkeit, um uns ein bisschen bekannter zu machen.
Christof Schaffer: Sozusagen eine mobile Feldwerkstatt. Mal sehen, ob es einen großen Anklang findet. Wir haben so etwas schon mal auf dem Sonnenberg gemacht, das wurde ziemlich gut angenommen.
Wie wichtig ist es euch denn Fahrrad zu fahren?
Juliane Schreiber: Sehr wichtig! Eigentlich ist das Fahrrad mein Hauptfortbewegungsmittel. Vor Ewigkeiten war mein Fahrrad mal kaputt und, warum auch immer, habe ich es eine Weile nicht geschafft, es zu reparieren. Ich fühlte mich dann irgendwie amputiert. Ich konnte einfach nicht weg. Ich wusste gar nicht, wie ich mich ohne Fahrrad fortbewegen sollte. Ich bin kein Freund von Busfahren und ich laufe auch nicht gern. Dann war es schon komisch, so ohne Fahrrad.
Christof Schaffer: Für mich steht die Alternative Bus immer, aber dennoch fahre ich sehr gern mit meinem Rad. Man ist mit dem Rad auch einfach flexibler, man muss sich nach keinem Fahrplan richten. Kann fahren wann und wohin man möchte. Das Fahrrad wartet eben immer!
Sind denn die Chemnitzer typische Radfahrer?
Christof Schaffer: Naja, ich denke da gibt es schon noch Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Städten. Es gibt deutsche Städte, da fahren Unmengen an Radfahrern. Das ist hier noch nicht so auffällig. Auf der anderen Seite fährt man hier wesentlich entspannter. Wenn man sich auskennt und seine Ecken weiß, dann kommt man auch gut voran. Eine wunderbare Strecke ist entlang des Kappelbachs – vom Falkeplatz bis raus nach Mittelbach oder Grüna.
Juliane Schreiber: Oder nach Sigmar kann man sehr gut fahren. Den Kaßberg raus, zum Clubkino oder nach Rabenstein. Da gibt es schöne Radwege. Allerdings muss ich sagen, dass in der Stadt noch einiges getan werden kann, um das Fahren angenehmer und attraktiver zu gestalten. Man benötigt manchmal ein dickes Fell um sich auf den vielen Straßen ohne Radwege zu behaupten.
Christof Schaffer: Wenn man in Chemnitz Radfahren möchte dann braucht man schon ein kleines bisschen Fitness. Topografisch ist es eben nicht für jeden was. Da bietet es sich an, regelmäßig zu fahren, um nicht aus der Übung zu kommen. Wobei es auch Täler gibt, in denen man schön fahren kann. Zum Beispiel entlang der Bernsdorfer Straße oder der Augustusburger Straße.
Nun ist die Fahrradwerkstatt ja eher ein alternatives Projekt. Gibt es da noch andere Projekte oder auch Veranstaltungen in Chemnitz, die ihr empfehlen könnt und seid ihr miteinander vernetzt?
Juliane Schreiber: Als erstes fällt mir die „Zukunft“ an der Leipziger Straße ein.
Christof Schaffer: Ich denke da an den Sonnenberg. Dort gibt es ein Repair-Café in dem man auch andere Sachen, außer Fahrräder reparieren kann. Es gibt auch verschiedene Workshops dort und so weiter. Es gab mal die Anfänge einer Vernetzung, aber viel ist daraus nicht geworden. Naja kulturell ist in Chemnitz ja auch eigentlich immer was los. Egal was man machen will, irgendwas findet man immer. Das muss nun auch nicht zwangsläufig alternativ sein.
Juliane Schreiber: Ich finde es gibt in der Stadt sehr schöne Veranstaltungen, die man weiter empfehlen kann. Gerade das „Küchwaldrauschen“ und das „Fuego a la isla“ sind sehr schöne Festivals.
Muss man den Chemnitzern Mut machen?
Christof Schaffer: Vielleicht nicht Mut, aber so ein bisschen mehr Begeisterung, Ansporn, Offenheit. Sich einfach mal schneller Sachen gegenüber öffnen.
Juliane Schreiber: Wenn es neue Ideen oder Projekte gibt, dann habe ich teilweise den Eindruck, dass einige sehr träge darauf reagieren. Man braucht da oft einen langen Atem. Gerade wenn es mit finanziellen Faktoren zusammenhängt, bedarf es nicht nur Geduld, sondern auch das nötige Kleingeld, um die Dürrezeit zu überbrücken. Aber wenn die dann überstanden ist und die Leute Vertrauen gewonnen haben, dann kann das sehr gut funktionieren.