Ein Garten für Mensch und Natur
Am Rand des Rabensteiner Waldes haben Anja Herrmann und Maik Irmscher seit 2021 einen Garten geschaffen, der mehr als nur ein erholsamer Rückzugsort ist. Was als kleines Projekt begann, ist ein Beispiel dafür, wie Leben und Gärtnern im Einklang mit der Natur funktioniert.
Warum hat es Sie hierher verschlagen?
Anja Herrmann: Wir haben als Kontrast zur Stadtwohnung ein grünes Wohnzimmer für die Seele gesucht. Wir hatten auch Lust, gemeinsam ein längerfristiges Projekt zu entwickeln, etwas zu gestalten, zu werkeln. Da wir uns aber nicht im großen Kleingartenverein mit den ganzen Pflichten gesehen haben, haben wir uns hier beworben und Glück gehabt, denn die Lage am Wald ist genial.
Was hat Sie allgemein zum Gärtnern bzw. naturnahen Gärtnern motiviert?
Anja Herrmann: Zum einen finden wir hier natürlich Raum und Zeit zur Erholung. Wir gucken fünf Minuten ins Grüne und der Reset-Button ist gedrückt, der Puls geht runter.
Maik Irmscher: Ja, genau, als Ausgleich zum stressigen Job ist es auch schön, etwas entspannt mit den Händen zu machen oder einfach nur zu beobachten. Zum anderen ist das Artensterben ja medial so präsent, dass wir uns zunächst hilflos gefühlt haben. Dann aber haben wir uns gefragt, was wir beitragen können, wie wir hier Schutz für Pflanzen und Tiere bieten können? So entstand das Bild von einem lebendigen Refugium, wo es an jeder Ecke kreucht und fleucht, Insekten summen und Vögel brüten. Und wir können einfach nur schauen und staunen.
Was haben Sie vorgefunden und wie sind Sie gestartet?
Anja Herrmann: Am Anfang war hier nur Rasen und Rhododendron. Und wir hatten auch keine Ahnung vom naturnahen Gärtnern, aber ich persönlich habe eine klare ästhetische Vision. In Ergänzung dazu ist Maik der Macher, mit viel Lust zum Umsetzen. Mit viel Lesen und von anderen lernen tauchten wir Schritt für Schritt tiefer in die Materie ein. Instagram und Facebook-Gruppen boten uns Inspiration, während Bücher wie »Die Wildnis im Garten« der Butterfly Brothers grundlegende ökologische Prinzipien vermittelt haben. Anfangs passierten auch Fehler, wie die unbedachte Auswahl von Pflanzen mit gefüllten Blüten, die für eine ökologische Vielfalt wenig wertvoll sind. Doch mit der Zeit und der Hilfe von Apps zur Pflanzenbestimmung haben wir diese korrigiert und heimische und insektenfreundliche Pflanzen ihren Platz gegeben.
Maik Irmscher: Und wir haben dann auch gemerkt, dass ein naturnaher Garten viel weniger Arbeit verlangt, denn es reicht zum Beispiel, nur Wege im Rasen zu mähen und den Rest über den Winter stehen oder liegen zu lassen. Dann haben wir nach und nach verschiedene Kleinstlebensräume geschaffen wie Staudenbeete, Trockenmauern, ein Sandarium, eine Benjeshecke, eine Wasserstelle, eine kleine Blühfläche und einen Totholzhaufen. Diese bieten einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren Lebensraum, Nistmöglichkeiten und Rückzugsorte.
Anja Herrmann: Mit Steinplattenwegen haben wir das Gelände gegliedert, so dass sie beim Durchschreiten unterschiedliche Sichtachsen bieten. Und einen Grundsatz haben wir verfolgt: nicht alles, was man errichtet, muss neu sein. So haben wir viel recycelt oder die Naturmaterialien, die eh anfallen, genutzt, wie etwa beim Bau der Pergola für den Essbereich oder kleiner ästhetischer Akzente.
Maik Irmscher: Alle Projekte sind mit der Zeit gewachsen, also über die letzten fünf Jahre. Und wir konnten auch richtig beobachten, wie die Tierwelt hier mit eingezogen ist.
Sie haben im Zuge der bundesweiten Kampagne »Tausende Gärten – tausende Arten« eine Naturgarten-Prämierung erhalten. Warum haben Sie bei dem Auszeichnungsverfahren mitgemacht?
Anja Herrmann: Das Zertifikat war uns gar nicht wichtig. Aber wir wollten mit dem Schild sichtbar machen, dass es eben auch diese Art des Gärtnerns gibt, die für die Natur einen wichtigen Beitrag leistet. Vielleicht bewirkt es ja wirklich, dass daraufhin eine Person sich oder uns die Frage stellt, was man tun kann. Auch war der Osten bei den Positivbeispielen wenig repräsentiert. Da wollten wir zeigen, dass es auch hier Aktive gibt.
Maik Irmscher: Zudem konnten wir durch die Vor-Ort-Besichtigung der Gutachterinnen und Gutachter noch einmal mit Experten sprechen. Und schließlich bietet es die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, sich dabei neue Ideen zu holen oder einfach einen schönen Tag im Grünen zu verbringen.
Was würden Sie anderen für ein naturnahes Gärtnern mitgeben?
Anja Herrmann: Es ist wichtig, einfach anzufangen. Und dann reicht es, sich Schritt für Schritt mit ökologisch wirksamen Ansätzen zu beschäftigen und umzusetzen.
Maik Irmscher: Das kann eine schöne und sinnvolle Beschäftigung für die Freizeit sein. Vor allem dann auch das Beobachten der Ergebnisse: die Entwicklung der Pflanzen im Jahresverlauf, der Vogel, der badet, die Ringelnatter, die plötzlich da ist. Das ist jedes Mal pure Freude.