Stolpersteine in Chemnitz

Arthur, Charlotte, Fritz-Edgar, Liesel Anita Becker

Arthur Becker 
Geboren: 4. Juli 1893
Gestorben: 1. Februar 1988

Charlotte Becker, geb. Frank
Geboren: 31. Januar 1901
Gestorben: 26. Mai 2001

Fritz-Edgar Becker 
Geboren: 1. Juli 1922
Gestorben: 11. November 2002

Liesel Anita Becker, verh. Sabloff 
Geboren: 13. November 1925
 

Verlegeort:

Goetheplatz 3

 

 

Stolperstein-Verlegung am:

5. November 2026

 

Lebensweg

Die Sepia-Aufnahme ist ein Familienfoto der Familie Becker mit Arthur und Charlotte Becker mit ihren Kindern Fritz-Edgar und Liesel. Charlotte Becker sitzt an einer Kaffeetafel, von beiden Seiten haben ihre Kinder den Arm um ihre Schultern gelegt und sie hält ihre Kinder ebenfalls in ihren Armen. Sie lächelt fröhlich in die Kamera. Arthur Becker ist rechts im Bild zu sehen, er steht neben seinem Sohn und hat den Arm um ihn gelegt. Sie sind festlich gekleidet. Auf dem Tisch am rechten unteren Bildrand ist eine Vase mit Blumen zu erkennen sowie ein Kaffeeservice.
Die Eheleute Becker mit ihren Kindern. Foto: Sammlung Liesel Sabloff

Die Brüder Eduard und Adolph Becker waren die Begründer einer der erfolgreichsten und bekanntesten Handschuhfabriken in Chemnitz. Die Firma Gebr. Becker bestand von Sommer 1883 bis Ende 1934, als sie in die Eduard Becker Söhne Aktiengesellschaft überführt wurde.

Eduard Becker war mit Karolina Mann verheiratet. Die Eheleute hatten vier Kinder: Lily (geb. 1888), Karl Christian (geb. 1890), Arthur (geb. 1893) und Richard (geb. 1899). Der jüngste Sohn starb bereits im Alter von elf Monaten und wurde ohne Namensnennung auf dem Israelitischen Friedhof in Altendorf beigesetzt.

Arthur Becker, der das Realgymnasium in Chemnitz mit Erfolg absolviert hatte, nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und kehrte im November 1917 von der
Front zurück. In den Folgejahren beteiligte er sich als Kassierer aktiv an der Arbeit des Jüdischen Jugendbundes. Außerdem war er ein leidenschaftlicher Tennisspieler. Als solcher unterstützte er den jüdischen “Tennis-Club 1926 e. V.”. 

Die Sepia-Aufnahme zeigt die Geschwister Becker als Kinder. Fritz-Edgar liegt auf dem Bauch auf einer Wiese, seine Schwester sitzt auf seinem Rücken, die beiden lächeln in die Kamera. Fritz-Edgar trägt eine Latzhose und darunter ein helles Polohemd sowie Kniestrümpfe und Halbschuhe. Seine Schwester trägt eine kurze Hose und ein ärmelloses Oberteil, sie ist barfuß.
Liesel und Fritz-Edgar Becker. Foto: Sammlung Liesel Sabloff

Nach dem Tod des Vaters im Juli 1918 wurde Arthur Becker Teilhaber der Familienfirma. Im Jahr 1921 vermählte sich der damals 28-jährige Jungunternehmer mit der aus Leipzig stammenden Kaufmannstochter Charlotte Clara  Frank. Ihre Kinder Fritz-Edgar und Liesel Anita wurden in der Staatlichen Frauenklinik in Chemnitz geboren. Noch vor der Geburt ihrer Tochter zog das Ehepaar in das Haus am Goetheplatz 3, das bis dahin im Besitz der angesehenen Fabrikantenfamilie Hilscher war.

Arthur Becker wurde im Jahr 1932 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Eduard Becker Soehne Aktiengesellschaft gewählt. Darüber hinaus gehörte er unter anderem dem Aufsichtsrat der Bachmann & Ladewig Aktiengesellschaft an. Außerdem besaß er Anteile an der Maschinenfabrik Kappel GmbH.
Die Eheleute Becker waren am Kulturleben der Stadt sehr interessiert. Arthur Becker war Mitglied des Chemnitzer Vereins “Kunsthütte”. Außerdem besaß er einige Kunstwerke. Lotte Becker besuchte regelmäßig Aufführungen des Schauspieltheaters in Chemnitz. In einem “Merkbuch für das Theater” hielt sie ihre Eindrücke fest.

Nach der Ermordung des Rechtsanwaltes Dr. Arthur Weiner, der dem Aufsichtsrat der Eduard Becker AG angehörte, entschlossen sich die Brüder Becker im Spätsommer 1933, das Land zu verlassen. Arthur Becker lebte fortan mit seiner Familie in dem Villendorf Bloemendaal in Holland. Angesichts des drohenden Kriegsausbruchs emigrierten die Eheleute und ihre Kinder im April 1939 nach Kanada und lebten zunächst einige Jahre in Montreal. Dort wurde Arthur Becker Geschäftspartner eines einheimischen Handschuh- und Strumpffabrikanten. Von dort verschickte der Fabrikant Care-Pakete an Freunde in Europa.

In den 1950er-Jahren siedelten Arthur und Charlotte Becker in die USA über. Die Eheleute lebten bis zu ihrem Tode in der Stadt Hollywood (Florida). Arthur
Becker starb fast 95-jährig im Februar 1988, Charlotte Becker verstarb nur wenige Monate nach ihrem 100. Geburtstag, den sie noch im Kreis ihrer Kinder und
Enkel feiern konnte. Ende 1999 hatten ihre Kinder ein umfangreiches Konvolut von Erinnerungsstücken zur Geschichte der Familie Becker sowie der Handschuhfabrik Gebrüder Becker (1908 bis 1999) an das Jüdische Museum in Berlin geschenkt.

Fritz-Edgar, der sich im Exil Fred nannte, wohnte weiterhin in Kanada. Im Jahr 1996 erteilte er der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz den Auftrag, die Grabstätte der Familie Eduard Becker auf dem Jüdischen Friedhof restaurieren zu lassen. Fred Becker lebte bis zu seinem Tode in Toronto.

Das Foto zeigt ein Gemälde von Liesel Sabloff als ältere Frau. Ihr dunkles Haar trägt sie eher kurz. Das Gemälde zeigt sie sitzend mit einem schwarzen Kleid und einem Jäckchen darüber.
Liesel Sabloff im Jahr 2015. Foto: Sammlung Liesel Sabloff

Liesel ging im Mai 1947 die Ehe mit Ernest B. Sabloff ein. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor: Daniel, Lynn und Nancy. Im Jahr 1983 siedelten die Eheleute
in die USA über. In Santa Cruz (Kalifornien) fanden sie eine neue Heimat. Ernie Sabloff starb am 29. Januar 1998. Im Jahr 2001 nahm Liesel Sabloff als Ehrengast der Stadt an den 10. Tagen der jüdischen Kultur in Chemnitz teil. Im Jahr 2022 veröffentlichte Liesel Sabloff unter dem Titel “Liesel: A Century Observed” ihre Erinnerungen, in denen sie unter anderem über ihre Rückkehr nach Chemnitz in den Jahren 1992 und 2001 berichtete. Seit einigen Jahren lebt sie in einer Seniorenresidenz und begrüßt die Verlegung der Stolpersteine zum Gedenken an ihre Familie.

Stolpersteine in Chemnitz

Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.

Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

mehr