Die Interventionsflächen, das zentrale Stadtentwicklungsprojekt für die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, präsentiert sich am Samstag beim Programmschaufenster in der Stadthalle den Chemnitzerinnen und Chemnitzern sowie den Gästen mit einem eigenen Stand. Akteur:innen laden zur Interaktion ein.
In dem Interventionsflächen-Programm werden insgesamt 30 Orte einer Transformation unterzogen. Die Projekte sind dabei vielfältig und reichen von der Umgestaltung historischer Gebäude bis hin zur Schaffung neuer öffentlicher Plätze: Die traditionsreiche Hartmannfabrik wurde zum Informations- und Besuchszentrum für die Kulturhauptstadt Europas im Festjahr umgebaut. Am renaturierten Pleißenbach entsteht ein neuer Stadtteilpark auf einem ehemaligen Bahngelände. Und auf dem Festplatz Euba finden Weihnachtsmärkte und Dorffeste statt.
Für diese Bauprojekte stehen rund 30 Millionen Euro aus dem Gesamtbudget der Kulturhauptstadt Europas zur Verfügung. Darüber hinaus rechnet die Stadt Chemnitz mit weiteren Mitteln aus Fachförderprogrammen in Höhe von über 30 Millionen Euro. Dadurch ergibt sich ein Investitionsvolumen von voraussichtlich mehr als 60 Millionen Euro.
„Die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 ist nicht nur ein Veranstaltungsprogramm mit über 1.000 Events, sondern ein einzigartiges Stadtentwicklungsprojekt“, sagt Baubürgermeister Michael Stötzer. „In 30 Projekten wurden Brachen aufgeräumt, vergessene Ecken wiederentdeckt und lang gehegte Wünsche erfüllt. Damit bringen wir die Kulturhauptstadt in die Nachbarschaften der Chemnitzerinnen und Chemnitzer und schaffen Orte der Begegnung und des Austauschs.“
Zeitlicher Rahmen
Die bauliche Umsetzung erstreckt sich über vier Jahre mit unterschiedlichen Bauphasen und -zeiten. Das erste abgeschlossene Projekt war der neue Marktbrunnen, der im April 2022 mit einem großen Fest in Betrieb genommen wurde. Bis zum zweiten Quartal 2025 werden weitere Projekte und Bauabschnitte, beispielsweise in der Stadtwirtschaft und am Pleißenbach, fertiggestellt.
Informationen zu den einzelnen Projekten
Orte des Aufbruchs
Die „Orte des Aufbruchs“ umfassen vier Projekte, die leerstehende Gebäude in neue, lebendige Nutzungen überführen. Industriehallen, Gewerbehöfe und ein Künstler-Wohnhaus werden ertüchtigt und in Ateliers, Kreativhöfe, Museen und Veranstaltungsorte umgewandelt. Diese neuen Räume bieten attraktive Standorte u. a. für Start-ups und die Kreativwirtschaft. Durch die Schaffung dieser Orte entstehen neue Partnerschaften, die die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Chemnitz fördern. Ebenso sollen sie sich zu touristischen Anziehungspunkten entwickeln.
• Hartmannfabrik
Im Mai 2024 wurde die Hartmannfabrik nach umfangreicher Sanierung eröffnet. Sie beherbergt die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH und ist als Besuchs- und Informationszentrum Anlaufpunkt für Gäste aus nah und fern. Nach langem Leerstand wurde die denkmalgeschützte Produktionshalle von 1864 in einer erfolgreichen Public-Private-Partnership durch die Unternehmerfamilie Pfeifer saniert, unterstützt durch Mittel von Bund, Freistaat und Stadt. Einst als Produktionsstätte für Werkzeugmaschinen und Teil des weltweit erfolgreichen Maschinenbauunternehmens des Chemnitzer „Lokomotiven-Königs“ Richard Hartmann erbaut, ist sie heute wieder ein Ort für Kreativität und Innovation.
• Stadtwirtschaft
Auf dem Gelände der ehemaligen Stadtreinigungs-Anlage, die vor etwa 140 Jahren im Chemnitzer Arbeiterviertel Sonnenberg errichtet wurde, entsteht durch niedrigschwellige Sanierung bis 2025 ein kultureller, kreativer Inkubator, ein Makerhub – „Die Stadtwirtschaft“. Gemeinschaftsräume, Stadtteillager, Kiezkantine und Höfe ergänzen den Ort. Bereits 2018 sind die ersten Kreativen ins „Haus D“ an der Jakobstraße 46 eingezogen, die offenen Werkstätten der Stadtfabrikanten und das Bandcamp gehen in Betrieb. Die Nutzer:innen entwickeln den Ort gemeinsam mit der Stadt Chemnitz als Community und sollen auch
mitentscheiden. Die Stadtwirtschaft ist der Makerhub des Projektes Makers, Business & Arts der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025.
• Garagen-Campus
Der ehemalige Betriebshof der Chemnitzer Verkehrs-AG im Stadtteil Kappel bietet auf geschichtsträchtigen 30.000 Quadratmetern viel unentdecktes Gestaltungspotenzial: Für die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 entsteht seit Sommer 2021 der sogenannte Garagen-Campus. Aktuell laufen auf dem Areal finale Baumaßnahmen, um Projekt-, Veranstaltungs- und Kreativräume des ersten Bauabschnitts im Frühjahr 2025 fertigzustellen.
• Karl-Schmidt-Rottluff-Ensemble
Karl Schmidt-Rottluff wurde 1884 in Rottluff (heute Chemnitz) geboren. Er ist Mitbegründer der Künstlergruppe Brücke und wichtiger Vertreter des Expressionismus in Deutschland. Nach langjährigen Initiativen und Vorplanungen hat die Stadt Chemnitz beschlossen, das ehemalige Elternhaus Karl Schmidt-Rottluffs an der Limbacher Straße 382 in ein Künstlerhaus umzugestalten. Zusammen mit der benachbarten Mühle, in der Karl Schmidt-Rottluff seine Kindheit verbrachte, wird das Haus zu einem weiteren Hotspot des Expressionismus in Chemnitz ausgebaut. Die Kunstsammlungen Chemnitz werden das Karl Schmidt-Rottluff Hauses betrieben.
Stadt am Fluss
„Stadt am Fluss“ ist ein Infrastrukturprojekt, dem von der Chemnitzer Stadtbevölkerung eine hohe Priorität zugesprochen wurde. Entlang der Chemnitz und ihrer Zuflüsse entstehen lebendige Orte, die die Stadt und den Fluss auf neue Weise verbinden und in Szene setzen.
• Chemnitzfluss
o Flussbad Altchemnitz
Der Bereich am ehemaligen Flussbad Altchemnitz wurde naturnah umgestaltet. Eine neue Fußgängerbrücke verbindet den Stadtpark mit den Siedlungen östlich der Chemnitz. Markante Holzdecks laden zum Sonnenbaden und Entspannen ein, während schattenspendende Bäume gemütliche Aufenthaltsplätze schaffen.
o Eisenbahnviadukt
Das historische Eisenbahnviadukt, von der Deutschen Bahn AG zum Abriss vorgesehen, konnte dank bürgerschaftlichem Engagement bewahrt werden und steht heute als Symbol für den Einsatz der Chemnitzerinnen und Chemnitzer. Der Bereich unter dem Viadukt wird
als Eingang zum Stadtpark neugestaltet, mit einem Radweg, Parkwegen und einem kleinen Platz mit Sitzskulpturen aus alten Brückenelementen. Die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2025 geplant.
o Nordpark und Helgoland
Im Nordpark laden Sonnenliegen mit kleinen Tischen zum Verweilen ein, während eine neu gepflanzte Trauerweide und frischer Rasen das Bild abrunden. Am gegenüberliegenden Flussufer entstand nahe der ehemaligen Kleingartenanlage Helgoland eine neue Wegverbindung zwischen Eckstraße und Müllerstraße. Große Steine in der Böschung ermöglichen den Zugang zum Wasser, Baumstämme und Findlinge dienen als Sitzgelegenheiten.
• Stadtteilpark am Pleißenbach
Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Altendorf entsteht ein neuer Grünzug, der mit 2,4 Hektar Fläche die größte Interventionsfläche ist. Der renaturierte Pleißenbach wurde zu einem naturnahen Fließgewässer umgestaltet und bietet zugleich Hochwasserschutz. Eine 59 Meter lange Brücke überspannt den wieder zugänglich gemachten Teil des Pleißenbachs und verbindet künftig den Premiumradweg mit der Limbacher Straße. Historische Relikte wie Prellböcke, Stellschienen und Kilometersteine erhalten den Charakter des ehemaligen Güterbahnhofs. Die Fertigstellung des aktuellen Bauabschnitts ist für das zweite Quartal 2025 geplant, weitere Bauabschnitte sollen folgen.
• Grünzug Kappelbach: Spiel- und Rastplatz „Am Feldschlößchen“
Auf der ehemals verwilderten Fläche „Am Feldschlößchen“ entstand ein Fahrradrastplatz mit Spiel- und Fitnessbereich. Ein Unterstand mit Fitnessgeräten, eine rollstuhlgerechte Sitzgruppe und Fahrradstellplätze laden zu Bewegung und Entspannung ein. Ein großes Spielgerät für Kinder greift die Nähe zum Straßenbahnmuseum auf.
Öffentliche Plätze
Die „Öffentlichen Plätze“ sind Ergebnis einer intensiven Beteiligung der Menschen in den Stadtteilen und Ortschaften. Die Akteur:innen aus den Stadtgebieten haben zusammen mit ihrer Bürgerschaft einen öffentlichen Ort ausgewählt, der im Zuge der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 umgestaltet werden sollte. Jedes der acht Gebiete der Bürgerplattformen und jede der acht eingemeindeten Ortschaften hat dafür jeweils maximal 325.000 Euro erhalten.
Einige ausgewählte Beispiele verdeutlichen die Vielfalt der Ideen: Auf einer ehemaligen Brachfläche entstand der neue Bürgerpark Gablenz, während im Park Morgenleite der erste Chemnitzer Wasserspielplatz für Kinder zur Erfrischung einlädt. In Grüna können sich Besucher auf einem Pumptrack sportlich betätigen, und eine historische Eisenbahnbrücke wurde zum Blickfang des neuen Rastplatzes am Chemnitztalradweg. Ein Aufzug in der Grundschule Wittgensdorf ermöglicht erstmals allen Menschen den Besuch der langjährigen Veranstaltungsreihe „Große Kunst am kleinen Ort“. Im Frühjahr 2025 öffnet im Küchwaldpark ein zentraler Empfangspavillon. Der Kulturpfad Höhenweg 2025 bietet Wanderern zudem einzigartige Ausblicke auf Chemnitz und die benachbarten Erzgebirgsgemeinden.
Baubürgermeister Michael Stötzer: „Eines haben diese Projekte gemeinsam: Ihnen ging eine rege Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, Vereine und zahlreicher weiterer Akteure in den Stadtteilen und Ortschaften voraus. Dass die Idee wunderbar funktioniert, davon konnte ich mich bei einigen Eröffnungen in den vergangenen Monaten überzeugen: Die künftigen Nutzerinnen und Nutzer nahmen in den Stadt- und Ortsteilen mit großer Freude „ihre“ Interventionsfläche in Besitz – mit zahllosen Ideen, wie die neuen Orte zu lebendigen Orten der Begegnung und des Austauschs werden.“
Einzelprojekte
• Schillerplatz
Der zentral gelegene Schillerplatz, 1861 als erste Parkanlage der Stadt angelegt, wurde denkmalgerecht neugestaltet und verbindet historische Elemente mit modernen Nutzungsansprüchen. Als Teil des Purple Path präsentiert er seit Ende 2024 ein Kunstwerk von Osmar Osten. Bereits im Juli 2023 wurde der beliebte Klapperbrunnen von Johannes Belz wieder in Betrieb genommen.
• Sportforum
Im Sportforum wurden Veranstaltungsflächen ergänzt und neue Funktionsgebäude errichtet. Die Sanierung des 27 Meter hohen Marathonturms war eine besondere Herausforderung: Ein inneres Stahlskelett wurde eingebaut, und das Dach erneuert. Im denkmalgeschützten Empfangssaal unter restaurierter Holzdecke finden Ehrungen statt. Ein acht Meter hoher Erdwall schützt das Hauptstadion vor Wind und bewahrt seinen historischen Anblick. Die sanierten Arkaden sollen eine Freiluftausstellung zur Chemnitzer Sportgeschichte beherbergen.
• Neubewertung beim Schauspielhaus
Die vorgesehene Sanierung des Schauspielhauses muss neu bewertet werden. Es wurde festgestellt, dass das zur Verfügung gestellte Budget von 16 Millionen Euro, inklusive in Aussicht gestellter Fördermittel, nicht ausreichend ist. Daher sind weitergehende Untersuchungen und Entscheidungen erforderlich, um dem Schauspiel der Theater Chemnitz eine nachhaltige Perspektive zu sichern. Während des Kulturhauptstadtjahres wird das Schauspiel im Ausweichquartier im Spinnbau an der Altchemnitzer Straße verbleiben. Für das Festival „Theater der Welt“ 2026, eines der ersten Legacy-Projekte der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, stehen in der Stadt weitere attraktive Spielorte zur Verfügung.
Übersicht der Kategorien und Projekte
Orte des Aufbruchs
• Hartmannfabrik
• Stadtwirtschaft
• Garagen-Campus
• Karl-Schmidt-Rottluff-Ensemble
Stadt am Fluss
• Chemnitzfluss
o Flussbad Altchemnitz
o Eisenbahnviadukt
o Nordpark
o Helgoland
• Stadtteilpark am Pleißenbach
• Grünzug Kappelbach: Spiel- und Rastplatz „Am Feldschlößchen“
Öffentliche Plätze
• Marktbrunnen „Manifold“
• Veranstaltungsfläche Vettersstraße
• Bürgerpark Gablenz
• Küchwaldpavillon
• Rastplatz am Chemnitztalradweg
• Lessingplatz
• Park Morgenleite
• Kulturpfad Höhenweg 2025
• Frei-Otto-Park
• Jugendclub Einsiedel Club E
• Festplatz Euba
• Freizeitareal Bergstraße
• Kulturpark am Wasserschloß Klaffenbach
• Lohse-Uhlig-Steig
• „Mittelpunkt“ Mittelbach
• Vereinszentrum „Arthur Lange“ Röhrsdorf
• Aufzug Veranstaltungsraum Grundschule Wittgensdorf
Einzelprojekte
• Schillerplatz
• Sportforum
• Schauspielhaus
Weitere Informationen zu allen 30 Interventionsflächen unter https://www.chemnitz.de/de/unsere-stadt/stadtentwicklung/interventionsflaechen
Im Pressebereich von Chemnitz 2025 unter https://chemnitz2025.de/informieren/presse/ stehen druckfähige Fotos zum Download bereit.
Zudem informiert eine 60-seitige Broschüre über die Interventionsflächen. Sie ist im Pressezentrum im Carlowitz Congresscenter, beim Programmschaufenster in der Stadthalle sowie ab kommender Woche (KW 4) an den städtischen Auslagestellen erhältlich