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Pressestelle Stadt Chemnitz
Pressemitteilung: 603

Die älteste Insektenplage der Erdgeschichte

Museum für Naturkunde Chemnitz: Bedeutende Entdeckung in wissenschaftlicher Kooperation

Im Bild sind zwei Fotops nebeneinander zu sehen. Im linken Bild ist ein fossiles Blatt zu sehen, ein grauer stein, in dem sich ein dunkelgraues Blatt abzeichnet. In der Mitte des Blattes sind weiße Ablagerungenzu erkennen, die auf einen Insektenbefall deuten lassen. Im rechten Bild ist ein grünes Blatt zum Vergleich abgebildet, in der Mitte des Blattes ist ein ähnlicher weißer Insektenbefall zu erkennen.
Bild links: die ältesten bekannten Blattminen (Asteronomus maeandriformis) der Erdgeschichte aus dem Perm von Thüringen. Bild rechts: Blattminen der Minierfliege Liriomyza an einer Gänsedistel. Foto: Michael Laaß
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Ein Team von Wissenschaftler:innen der Naturkundemuseen Chemnitz, Berlin, Münster und Osnabrück, der TU Bergakademie Freiberg und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konnte mithilfe modernster Untersuchungsmethoden nachweisen, dass es Blattminen schon mehr als 40 Millionen Jahre früher gab als bislang angenommen. 
Der Erstautor der dazu vorliegenden Publikation ist Michael Laaß, wissenschaftlicher Volontär am Museum für Naturkunde Chemnitz. Die Publikation ist Teil seiner Doktorarbeit, die er kürzlich an der TU Bergakademie Freiberg eingereicht hat.

Für die Untersuchungen standen den Forscher:innen die reichhaltigen paläobotanischen Sammlungen der Naturkundemuseen Berlin, Schleusingen und der Bergakademie Freiberg zur Verfügung, die sich als wahre Schatzkammern für die Wissenschaft erwiesen: In diesen befanden sich zahlreiche außergewöhnlich gut erhaltene Exemplare der fraglichen Fraßspuren Asteronomus maeandriformis an Blättchen des Farnsamers Autunia conferta, die aus ca. 295 Millionen Jahre alten Ablagerungen aus dem Erdzeitalter Perm des kleinen ehemaligen Steinkohlenreviers in Crock in Thüringen stammen. 

Die perfekt erhaltenen pflanzlichen Fossilien ließen zweifelsfrei den Schluss zu, dass Insektenlarven die Fraßgänge geschützt im Inneren der Blätter erzeugten. Darüber hinaus gelang es, die zu den Fraßgängen gehörenden Eiablagen zu identifizieren, die in einigen Fällen sogar noch Reste von Insekteneiern enthielten. Spektakulär ist zudem die Häufigkeit dieser Fossilien: Insgesamt waren mehr als 80 Prozent aller Autunia-Pflanzen aus Crock einem Befall mit Blattminen ausgesetzt, was zu Recht als älteste Insektenplage der Erdgeschichte bezeichnet werden kann. Warum genau die Autunia-Pflanzen der Lokalität Crock massenhaft befallen wurden, bleibt rätselhaft. Jedoch trat das Phänomen zu einer Zeit globalen Wandels auf, in dessen Zuge die tropischen Landökosysteme schrittweise trockener wurden. 

Ob Landwirt:in, Gärtner:in oder Spaziergänger:in – jedem und jeder sind wahrscheinlich schon einmal die verschlungenen Fraßgänge von Insektenlarven im Inneren von Blättern aufgefallen, die auch als Blattminen bekannt sind. Ein Leben inmitten pflanzlichen Gewebes hat viele Vorteile: Gut geschützt vor Feinden, Austrocknung und störenden Umwelteinflüssen steht den Larven wie der „Made im Speck“ ein fast unerschöpflicher Nahrungsvorrat zur Verfügung. Blattminen werden heutzutage ausschließlich von Insekten wie Käfern, Zweiflüglern, Wespen und Schmetterlingen erzeugt, die eine vollständige Umwandlung (Metamorphose) durchlaufen und daher als holometabole Insekten bezeichnet werden. Sie sind sehr anpassungsfähig und entwickelten im Laufe der Evolution schlanke, madenartige Larven ohne Körperanhänge, die optimal an ein Leben im Inneren pflanzlicher Gewebe angepasst sind. 

Bislang war unklar, wann diese Erfolgsstrategie bei den Insekten entstand. Die bisher ältesten sicheren Nachweise von Blattminen stammten aus der Trias, dem frühen Erdmittelalter. 

 

Originalpublikation:

Laaß, M., Luthardt, L., Trümper, S., Leipner, A., Hauschke, N. & Rößler, R. 2025: Host-specific leaf-mining behaviour of holometabolous insect larvae in the early Permian. Scientific reports 15: 31241. 
https://doi.org/10.1038/s41598-025-15413-x