Stolpersteine in Chemnitz

Johannes Rose

Johannes Rose 
Geboren: 14. Dezember 1908
Gestorben: 6. Mai 1962

Verlegeort:

Rosa-Luxemburg-Straße 13

 

 

Stolperstein-Verlegung am:

5. November 2026

 

Lebensweg

Portrait eines Mannes in einem dunkelblauen Poloshirt der Feuerwehr Chemnitz und einer rahmenlosen Brille. Der Mann steht rechts im Bild. Hinter ihm befindet sich eine Glasvitrine mit verschiedenen Gegenständen in sich, zum Beispiel Teelichte, ein Kochtopf und ein Gaskocher.
Johannes Rose wurde von den Nationalsozialisten verfolgt, weil er in eine Roma-Familie geboren wurde. Foto: Sammlung Falk Bersch

Johannes Rose wurde in Görlitz in eine Roma-Familie geboren. Seine Eltern waren Wilhelm Rose und Sophie Pohl. Mit Fritz hatte er noch einen fünf Jahre älteren Bruder. Die Brüder waren deutscher Nationalität und katholischer Religion. Nach Beendigung der Schulzeit erlernte Hans, wie Johannes auch genannt wurde, den Beruf eines Vieh- und Pferdekaufmanns. 1926 lebte er in Breslau und dort gab es erste Kontakte zu den Bibelforschern (ab 1931 Zeugen Jehovas), denen er sich später anschloss.

Ende 1931 verlegte Johannes Rose seinen Wohnsitz nach Chemnitz. »Da es in diesen Jahren mit dem Pferdehandel aussichtslos war«, besuchte er hier, wie er später die berufliche Veränderung begründete, bis Anfang 1933 die Sächsische Höhere Fachschule für extil-Industrie. Nach erfolgreichem Abschluss erhielt er für die Textilbranche das Großgewerbe, das er bis etwa Herbst 1934 ausübte. Sein Geschäft befand sich in der Vorstadt Bernsdorf, im Mietshaus Grenadierstraße 13 (heute Rosa-Luxemburg-Straße). Am 8. August 1934 heiratete er Theresia Wallus. Seine Ehefrau wurde von den Nationalsozialisten als »Arierin« betrachtet und ließ sich 1942 von ihm scheiden.

Johannes Rose wurde 1934 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Am 11. Juni 1938 erfolgte im Rahmen der sogenannten Aktion »Arbeitsscheu Reich« wegen seiner Roma-Zugehörigkeit die Verhaftung durch die Gestapo. Bis zum 17. November 1938 befand er sich in Chemnitz in Polizeihaft, dann wurde er zusammen mit seinem Bruder Fritz in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.

Auch in Chemnitz hatte er regen Kontakt zu den von den Nationalsozialisten verbotenen und verfolgten Zeugen Jehovas und sich an deren Widerstandsaktionen beteiligt. In Sachsenhausen schloss er sich den Zeugen Jehovas nun endgültig an und wurde im KZ heimlich getauft. Neben Sachsenhausen befand er sich noch in den Außenlagern Fallersleben und Lichterfelde. In Lichterfelde war er Blockältester und wurde von einem Mithäftling als »ein bildungsbeflissener, strebsamer Mensch« bezeichnet, »ehrlich und aufgeschlossen, ein Mann von Haltung und Charakter«. 

Im Frühjahr 1945 gelangte Johannes Rose auf dem Todesmarsch in einerGruppe von 230 Zeugen Jehovas von Sachsenhausen nach Schwerin. Dort heiratete er am 28. Juli 1945 Trude Schwonbeck. Das Ehepaar zog nach Chemnitz und fand in der Dittesstraße 14 eine Wohnung. Johannes Rose war wieder als selbstständiger Viehkaufmann tätig. Sein am 26. April 1946 gestellter Antrag auf Anerkennung als »Opfer des Faschismus« wurde von den Behörden abgelehnt. Eine Bleistiftnotiz auf dem Antrag lautete: »Er wurde wegen Schiebergeschäften 1946 mit einer Geldstrafe geahndet«. Dies bewirkte, dass die Eheleute ihren Wohnsitz wieder nach Schwerin verlegten, wo Johannes Rose ein gutgehendes
Fuhrunternehmen gründete. 

Am 11. Februar 1948 erhielt er hier seinen Ausweis als »Opfer des Faschismus«. Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas in der DDR floh er mit seiner Familie am 14. September 1950 nach Westberlin und entkam so nur knapp seiner Verhaftung. Nur wenige Tage später wurde er vom VdN-Landesausschuss Mecklenburg als »Opfer des Faschismus« aberkannt. Grund war seine Religionszugehörigkeit, weswegen er auch am 27. April 1951 in Abwesenheit »wegen Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen, Verbrechen nach Artikel 6 der Verfassung und Kontrollratsdirektive 38, Abschn. II, Artikel III A III« von der Großen Strafkammer des Landgerichts Schwerin zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Johannes Rose gehörte zu den 24 Überlebenden einer 180 Personen zählenden Großfamilie. 156 seiner Verwandten wurden von den Nationalsozialisten
ermordet – die meisten in Auschwitz, wie seine Stiefmutter und seine vier Halbgeschwister. Wilhelm Rose, sein Vater, hatte unter falschem Namen längere Zeit unerkannt in Berlin
gelebt. Ein unbedachter Brief verriet jedoch seine wahre Identität, was die Folge hatte, dass er auf offener Straße von Nazischergen zusammengeschlagen wurde. Kurz darauf starb er am 8. September 1942 in einem Krankenhaus. 

Der Kampf um eine »Wiedergutmachung in Westberlin brachte für Johannes Rose, seine Ehefrau und seine vier Kinder weitere Sorgen. Das Antragsverfahren war aufwendig und die zustehenden finanziellen Entschädigungszahlungen wurden nur schleppend geleistet. Auch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, so dass er 1954 sein drei Jahre zuvor gegründetes Textilgeschäft in Berlin-Kreuzberg aufgeben musste und die Familie verarmte. 

1962 verstarb Johannes Rose 53-jährig aufgrund eines Herzinfarktes.

Stolpersteine in Chemnitz

Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.

Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

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