Stolpersteine in Chemnitz
Carl Lewin, Charlotte Lewin, Hermann Lewin, Johanna Kramrich, Eva Grünberg
Carl Lewin
Geboren: 1. Mai 1881
Gestorben: 2. November 1946
Charlotte Lewin, geb. Hirsch
Geboren: 8. April 1891
Gestorben: 23. September 1972
Hermann Lewin
Geboren: 30. Juli 1912
Gestorben: 11. November 2002
Johanna Kramrich, geb. Lewin
Geboren: 27. April 1915
Gestorben: 1989
Eva (Chava) Grünberg, geb. Lewin
Geboren: 22. Juli 1920
Gestorben: 13. August 2008
Verlegeort:
Stefan-Heym-Platz 1
Stolperstein-Verlegung am:
5. November 2026
Lebensweg
Als ein Kaufhaus der Gebrüder Schocken 1928 in Stuttgart eröffnet wurde, hatte der Freiberger Geschäftsführer Carl Lewin gehofft, dahin versetzt zu werden, denn schon in der Vergangenheit hatten die Schockenbrüder auf erfahrene Führungskräfte gesetzt. Das Stuttgart Haus übernahm jedoch der Auer Geschäftsführer Michael Weinmann. Carl Lewin, der seit Juli 1910 für den Konzern tätig war, bekam zwei Jahre später seiner Chance. Simon Schocken wählte ihn aus, die Leitung des planten Kaufhauses in Chemnitz zu übernehmen.
Was ist über Lewins Werdegang bekannt? Er wurde in Kolmar in der ehemaligen Provinz Posen als Sohn der Kaufmannseheleute Hermann Lewin (1843-1900) und Johanna Hirsch (1845-1916) geboren.
Carl begann mit 13 Jahren eine Lehre bei einer Firma in Stolpen. Nach der Lehrzeit arbeitete er für verschiedene Handelsfirmen in Deutschland. Einige Jahre lang war er sogar für ein Warenhaus in Chemnitz tätig, was der Grund für seine spätere Berufung hierher war. In seinen Erinnerungen schrieb er dazu:
„So kam ich, nachdem ich ca. elf Monate [in Landsberg an der Warthe] tätig war, im September 1904 zu H. & C. Tietz nach Chemnitz. Auch hier bewährte sich wieder die gute Schule, die ich durchgemacht hatte, denn es dauerte nicht lange und ich war Einkäufer für sämtliche Textilabteilungen des Hauses. Ich lernte hier sehr viel in den anderen Branchen hinzu, musste ich doch sehr oft die Verkäufer der anderen Abteilungen vertreten und zum Einkauf fahren, da diese sehr oft wechselten.
Der Geschäftsführer – gemeint war Hermann Fürstenheim - war ein sehr ungerechter Chef, denn er bezahlte mich und die anderen Herren sehr schlecht. So suchte ich mir, nachdem ich dort zweieinhalb Jahre war, eine andere Stellung und fand im Februar 1907 eine solche als Geschäftsführer bei der Firma Warenhaus Ury Gebrüder in Leipzig“, was sich als goldrichtige Entscheidung für seinen weiteren Werdegang erwies.
Auf Empfehlung der Brüder Schocken wurde Carl Lewin 1910 Geschäftsführer des Kaufhauses Hirsch in Geestemünde. Durch Vermittlung der Familie Schocken heiratete er im Oktober 1911 Charlotte, die Tochter der Kaufhauseigentümer. Emma Hirsch, seine Schwiegermutter, war eine Schwester der Brüder Schocken. Dadurch entstand eine enge Beziehung zur Familie Schocken. Außerdem erwarb er Teile des Schockenkonzerns.
Die Eheleute hatten drei Kinder: Hermann, Johanna und Eva. Nach drei Jahren verlegten die Eheleute im März 1914 ihren Wohnsitz nach Sachsen, um die Geschäftsführung des neuen Kaufhauses in Freiberg zu übernehmen.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges stellte sich Carl Lewin als Reservist eines Schlesischen Regiments seiner patriotischen Pflicht. Der Kavallerist kehrte erst im Dezember 1918 in die Muldestadt zurück und war wieder als Geschäftsführer des Kaufhauses tätig. Bis Anfang 1930 war er der Garant für dessen erfolgreiche Entwicklung.
Im Mai 1930 folgte Lewin erneut dem Ruf der Familie Schocken. Er übernahm die Leitung des neuen Kaufhauses in Chemnitz. Die Familie wohnte auf dem Kaßberg, und zwar im Haus Reichsstraße 15, das dem ehemaligen Gemeindevorsteher Georg Mecklenburg gehörte.
Am 1. Juli 1935 feierte Lewin sein 25-jähriges Geschäftsjubiläum bei der Firma Schocken. Einen Monat später jedoch trat er aus dem Geschäft aus. Schon vorher hatte ihn der Personalchef Ludwig Kratochvil (1893-1939), ein Nichtjude und Nationalsozialist, davor gewarnt, länger in Deutschland zu bleiben. Als der „Judenboykott“ am 1. April 1933 verhängt worden war, empfahl er ihm, solange in die Tschechei zu gehen, damit ihm nichts passiere. Er garantierte für die Sicherheit des Kaufhauses und seiner Angestellten in der Zeit des Boykotts. Tatsächlich hielt der Personalchef sein Versprechen.
Im September 1935 zog die Familie nach Berlin. 1936 floh sie nach England und 1937 weiter nach Meran (Südtirol). Im September 1938 emigrierte die Familie nach Haifa, Palästina. Im September 1946 starb Carl Lewin dort nach längerem Nierenleiden. Seine Witwe überlebte ihn um 26 Jahre. Die Eheleute fanden auf einem Friedhof in Haifa ihre letzte Ruhestätte.
Stolpersteine in Chemnitz
Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.
Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.
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