Stolpersteine in Chemnitz

Dr. Emanuel, Liselotte, Margarete Firnbacher und Frieda Horn

Dr. Emanuel Firnbacher 
Geboren: 10. November 1898
Gestorben: 31. März 1981

Liselotte Firnbacher, geb. Bing
Geboren: 8. April 1908
Gestorben: 13. November 1959

Margarete Firnbacher, verh. Ritzmann
Geboren: 26. Mai 1929
Gestorben: 17. Juni 1999

Frieda Horn, geb. Rosenthal 
Geboren: 4. April 1886
Gestorben: 11. Juli 1935

Verlegeort:

Georg-Landgraf-Straße 24

 

 

Stolperstein-Verlegung am:

5. November 2026

 

Lebensweg

Dr. Emanuel Firnbacher ist in Sepia-getaucht zu sehen. Er sitzt mit dem Rücken nach links und schaut in die Kamera. Er trägt einen Anzug und hat kurze, frisierte Haare.
Dr. Emanuel Firnbacher Foto: Familienbesitz der Familie Firnbacher

Der Arzt Dr. Emanuel Firnbacher hatte sich im März 1928 als Assistenzarzt in Chemnitz niedergelassen. Was ist über den Arzt bekannt, der nicht einmal acht Jahre in der Stadt lebte?

Emanuel Firnbacher wurde in der Gemeinde Goßmannsdorf am Main (Unterfranken) geboren. Seine Eltern waren die Viehhändlereheleute Josef Firnbacher und Berta Rau. Er besuchte zunächst die Realschule in Straubing und später die Oberrealschule in Regensburg. Am 15. Mai 1917 meldete er sich als »Einjähriger« freiwillig zum Militärdienst und wurde vier Monate später an die Front versetzt. Mit dem Waffenstillstand wurde er demobilisiert. Im Februar 1919 kehrte er nach Straubing zurück und besuchte den Kriegskurs A
an der Oberrealschule in Regensburg. Mitte April 1919 trat er dem Freikorps Straubing bei und erhielt am 15. Juli 1919 die Hochschulreife.

Emanuel Firnbacher studierte anschließend fünf Semester Medizin an der Universität München, wo er im Februar 1922 die ärztliche Vorprüfung bestand. Von den klinischen Semestern absolvierte er zwei in Würzburg, wo er die ärztliche Prüfung ablegte und im Dezember 1924 zum Dr. med. promoviert wurde. Im Januar 1926 erhielt er in München die Approbation. Dr. Emanuel Firnbacher begann im März 1928 seine medizinische Laufbahn in Chemnitz. Er war zunächst als Assistenzarzt im Stadtkrankenhaus am Küchwald tätig. Am 1. März 1930 ließ er sich als Facharzt für innere Krankheiten in Chemnitz nieder. Seine Praxis befand sich anfangs im Haus Stollberger Straße 2a. Zu ihr gehörte auch ein Röntgenlaboratorium.

Schwarz-Weiß-Foto von Liselotte Firnbacher. Im Sitzen hat sie die Hände auf ihrem rechten Bein abgelegt und trägt ein weites, langes Kleid. Sie lächelt in die Kamera und trägt ihre Haare kurz.
Liselotte Firnbacher Foto: Familienbesitz der Familie Firnbacher

Am 2. August 1928 ging Emanuel Firnbacher in Würzburg die Ehe mit der zehn Jahre jüngeren Arzttochter Liselotte Bing ein. Die Eheleute wohnten in dem Haus Hohenzollernstraße 18. Zu ihren Nachbarn gehörte unter anderem die Familie Michael Degens. Margarete, ihre einzige Tochter, erblickte in der Staatlichen Frauenklinik in Chemnitz das Licht der Welt. Im Erdgeschoss des Hauses Wittelsbacher Straße 24 fand die Familie eine standesgemäße Wohnung. Mit der Machtergreifung der NSDAP am 30. Januar 1933 war eine baldige Verschlechterung der rechtlichen Situation vieler jüdischer Ärzte verbunden, was bis zum Verlust der Approbation gehen konnte. Ende März 1933 wurde Firnbachers Praxis in dem vom »Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand« herausgegebenen »Verzeichnis der jüdischen Geschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte« in Chemnitz gelistet. Nichtjüdische Patienten sollten dadurch von einem Besuch der Praxis abgehalten werden.

In diesen eher wirren Zeiten verlegte Frieda Horn, die Mutter von Liselotte Firnbacher-Bing, ihren Wohnsitz im März 1935 von Würzburg nach Chemnitz. Sigmund Horn, ihr zweiter Ehemann, war wenige Wochen zuvor verstorben. Bei ihren nächsten Verwandten hoffte sie, im Kampf gegen ihre unheilbare Krankheit neue Kräfte zu finden. Dennoch verschlimmerte sich ihr Zustand binnen weniger Wochen. Frieda Horn starb am 11. Juli 1935 in der Wohnung ihres Schwiegersohnes und wurde auf dem Israelitischen Friedhof im Ortsteil Altendorf zur letzten Ruhe gebettet. 

Nach der Verabschiedung der Nürnberger Rassegesetze im September 1935 und einer bedrohlichen Auseinandersetzung mit der lokalen Ärztevereinigung beschlossen Liselotte und Emanuel Firnbacher, aus Deutschland zu fliehen. Emanuel Firnbacher wurde gewarnt, er würde inhaftiert werden, daher floh die Familie im Oktober 1935 nach Karlsbad. Emanuel Firnbacher war einem Zusammenbruch nahe und konnte bei einem befreundeten Arzt, der dort ein Kurhaus betrieb, unterkommen. Von dort aus suchte er nach einer Möglichkeit, ins weitere Ausland zu fliehen. Die Wahl fiel letztlich auf Palästina. Er organisierte die weitere Flucht mit dem Zug nach Triest. Von dort ging es mit dem Passagierschiff »Tel Aviv« weiter. Die Familie erreichte schließlich am 7. Februar 1936 die Stadt Haifa.

Auf einem Schwarz-Weiß-Foto ist Tochter Margarete Firnbacher zu sehen. Sie trägt ihre Haare in hochgesteckten, geflochtenen Zöpfen und blickt unbegeistert in die Kamera. Sie ist etwa 4 Jahre alt.
Tochter Margarete Firnbacher Foto: Familienbesitz der Familie Firnbacher

Im Jahr 1956 kehrten die Eheleute nach Deutschland zurück. Sie wohnten kurze Zeit in Augsburg, danach in München. Dr. Emanuel Firnbacher starb in Grub bei München. Seine Ehefrau war bereits 22 Jahre zuvor in München verstorben. eide fanden dort auf dem Neuen Israelitischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

Margarete Firnbacher wuchs in Palästina auf und verließ 1949 das junge Israel, um in Zürich Medizin zu studieren. Am 24. Dezember 1954 heiratete sie in der Schweizer Metropole den Volkswirtschaftler Franz Ritzmann. Die Eheleute hatten fünf Kinder. Dr. Margarete Ritzmann starb am 17. Juni 1999 in Zürich.

Stolpersteine in Chemnitz

Es ist ein Projekt gegen das Vergessen: in Chemnitz werden seit 2007 jährlich Stolpersteine verlegt.

Eingelassen in den Bürgersteig, erinnern die Gedenksteine an tragische Schicksale von Mitbürgern, die während des nationalsozialistischen Regimes verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

mehr