Am Samstag, dem 24. Januar, 14 Uhr sowie am Dienstag, dem 27. Januar, 19 Uhr lädt die Volkshochschule Chemnitz Interessierte zu zwei Veranstaltungen innerhalb der Reihe „Stempel“ & „Kissen“ ein, die den Umgang mit Andersdenkenden in der DDR aus persönlicher und aus historischer Sicht in den Mittelpunkt rücken.
Unter dem Titel „Das Nachstellen nach stellen“ organisiert der Künstler und Schriftsteller Joerg Waehner am Samstag, dem 24. Januar, 14 Uhr einen Rundgang durch die Chemnitzer Innenstadt. Der Parcours führt zu historischen Orten der Stasi-Überwachung und des Zeitgeschehens in Karl-Marx-Stadt. Anhand ausgewählter Stationen verbindet Joerg Waehner damalige Beobachtungspraktiken mit heutigen Formen von Sichtbarkeit, Kontrolle und öffentlichem Raum. Mit dem Blick auf Vergangenheit und Gegenwart lädt der Rundgang zu einem intensiven Gespräch ein.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung wird telefonisch unter 0371 488-4343 oder online unter dem Link zur Veranstaltung empfohlen.
Am Dienstag, dem 27. Januar, ab 19 Uhr untersucht die Historikerin PD Dr. Anke Silomon die Geschichte der Bausoldaten in der DDR. Die Forschung zu Andersdenkenden ermöglicht ein tieferes Verständnis für die begrenzten Gestaltungsmöglichkeiten und das Verhalten von Einzelnen und Gruppen in einer Diktatur. Die Bausoldaten, die den Dienst mit der Waffe in der Nationalen Volksarmee (NVA) verweigerten und die in ihrem Pflichtdienst unter anderem zum Bau von militärischen Anlagen eingesetzt wurden, haben für ihre Verweigerungshaltung einen hohen Preis bezahlt. Viele von ihnen wurden erst zum letztmöglichen Zeitpunkt, mit fast 25 Jahren eingezogen. Sie hatten oft schon einen Beruf und eine Familie. Einige von ihnen konnten ihr Studium nicht weiterführen oder nicht in ihren Beruf zurückkehren. Wie die Bausoldaten die Konsequenzen ihrer Verweigerungshaltung gegenüber dem System zu spüren bekamen, wird an diesem Abend diskutiert.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung wird telefonisch unter 0371 488-4343 oder unter dem Link zur Veranstaltung empfohlen.
Zum Hintergrund:
Mit „Stempel“ & „Kissen“ startet am 15. Januar eine Veranstaltungsreihe, die künstlerische Arbeiten, persönliche Erinnerungen und historische Dokumente zusammenführt, um neue Perspektiven auf Überwachung, Widerspruch und Alltag in der DDR zu eröffnen. Im Zusammenspiel von Kunst, Zeitgeschichte und individueller Erfahrung entsteht ein Raum für Reflexion über Formen von Kontrolle, Selbstbehauptung und gesellschaftlichem Wandel – damals wie heute.
Eine Übersicht aller Veranstaltungen ist unter diesem Link zu finden.