Die Stadt Chemnitz hat eine neue Broschüre über das Projekt Stolpersteine veröffentlicht. Das 16-seitige Heft ist ab sofort in gedruckter Form im Rathaus und als Download unter www.chemnitz.de/stolpersteine erhältlich.
Neben Informationen zu dem Kunstprojekt und der Arbeit der AG Stolpersteine in Chemnitz werden Lebenswege von fünf verschiedenen Opfergruppen vorgestellt. Jeweils ein Lebensbild beschreibt das Schicksal von jüdischen Familien, politisch Andersdenkenden, behinderten Menschen, Homosexuellen sowie Sinti und Roma. Sie erinnern damit stellvertretend an die vielen Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden.
Verfolgte und ihre Geschichten
So zeigt die Biografie der jüdische Familie Sander, die ein Möbelhaus in der Dresden Straße hatten, wie sie enteignet, ausgegrenzt, verhaftet und deportiert wurde. Sohn Herbert gilt nach seiner Deportation am 10. Mai 1942 ins Ghetto Belzyce als verschollen. Mutter Sophie und Sohn Ernst wurden nach Theresienstadt deportiert und kehrten am 9. Juni 1945 krank und gezeichnet nach Chemnitz zurück.
Weil Willy Lesser auf die Gefahren des Nationalsozialismus aufmerksam machte, wurde er 1935 wegen Hochverrats verurteilt und in das KZ Sachsenburg eingeliefert. Seine Erfahrungen schrieb er später in dem Buch „Bubu“ nieder.
Gerhard Rothe war eines von vielen Euthansieopfern. Nachdem er acht Jahre in einer Heil- und Pflegeanstalt lebte, wurde er im Zuge der Aktion T4 wie mehr als 70.000 andere Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen ermordet.
Adolf Wilhelmi war homosexuell, damit fiel er für die Nationalsozialisten in die Kategorie der „Volksschädlinge“. Wegen seiner Sexualität bereits vor 1933 mehrfach verurteilt, musste er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zwei Haftstrafen verbüßen. Statt freigelassen zu werden, wurde er 1942 ins KZ Dachau deportiert und dort ermordet.
Bei der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ (ASR) wurden Sinti und Roma verhaftet und in Konzentrationslager überführt. Auch Hugo und Martha Hoff aus dem Stadtteil Altendorf und ihre Kinder und Enkel ereilte dieses Schicksal. Nur ein Sohn überlebte die Auslöschung der Familie.
Hintergrund
In jedem Jahr werden in Chemnitz Stolpersteine verlegt, neue Lebenswege erforscht und den Menschen ein ehrendes Andenken gesetzt. Die Stadt Chemnitz sucht dafür Pat:innen, die die Kosten für die Herstellung und Verlegung übernehmen. Interessierte können sich per Mail an stolpersteine(at)stadt-chemnitz.de wenden.
www.chemnitz.de/stolpersteine