Am Dienstag, dem 5. Mai, 14 Uhr empfängt Oberbürgermeister Sven Schulze im Spiegelsaal des Hotels Chemnitzer Hof (Theaterplatz 4) die Nachfahren jüdischer Chemnitzer Familien. Sie werden sich anlässlich ihres Besuches in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz eintragen. Mehr als 60 Mitglieder ehemaliger Chemnitzer Familien werden anreisen.
Vertreter:innen der Medien sind zur Eintragung ins Goldene Buch eingeladen.
Die Nachfahren der 22 jüdischen Familien kommen aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Neuseeland, Australien, Kanada, Portugal, Schweden, den USA und Israel. Im landesweiten Themenjahr „TACHELES 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“ reisen sie für ein Begegnungstreffen jüdischer Familien nach Chemnitz. Organisiert wird dieses vom Buntmacher:innen e. V. in Kooperation mit der Stadt Chemnitz.
Zum Programm des Begegnungstreffens gehören neben nicht-öffentlichen Terminen und dem Treffen mit dem Oberbürgermeister auch Veranstaltungen, zu denen die interessierte Öffentlichkeit bei freiem Eintritt herzlich eingeladen ist:
Am Mittwoch, dem 6. Mai, ab 10.30 Uhr werden für sieben der anwesenden Familien Stolpersteine verlegt. Die Familien Sachs, Frank, Leder, Kellenberger, Ascher und Lachmann werden der Stolpersteinverlegung für ihre Familien beiwohnen (siehe auch Pressemitteilung 241).
Am Donnerstag, dem 7. Mai, 18 Uhr wird im smac, Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, die Ausstellung „Threads – Verflechtungen“ mit geladenen Gästen aus Kunst, Kultur und Politik eröffnet.
Die Ausstellung zeigt 25 ausgewählte Biographien einst in Chemnitz lebender jüdischer Familien. Die Chemnitzer Textilindustrie, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert maßgeblich von jüdischen Unternehmern geprägt wurde, bildet dabei die Folie, vor der die Geschichten und Lebenswege der Familien erzählt und zu einem assoziativen Geflecht vernetzt werden.
Jüdische Unternehmer waren es, die mit ihren Spinnereien und Möbelstoff-, Handschuh-, Strumpf- und Trikotagenfabriken und ihrem Geschick im Handel wesentlich zur Entwicklung von Chemnitz zu einer prosperierenden Fabrik- und Handelsstadt beitrugen. Ihr Innovationspotential, sowohl im wirtschaftlichen als auch im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich, war enorm. Sie agierten mäzenatisch, unterstützten großzügig den Aufbau von Kulturinstitutionen, engagierten aufstrebende Künstler:innen, trugen zur Modernisierung des Marketings bei und spannen so nachhaltig stilprägende Fäden weit über die Stadt hinaus.
Mit der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung dieser Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus verbindet sich eine Zäsur, die diese fruchtbaren Entwicklungen zu einem jähen Ende kommen ließen. Die Lebensgeschichten, so sie nicht Opfer der Shoah wurden, fanden ihre Fortsetzungen weit verstreut über den Globus. Auch Geschichte und Lebenswege der anwesenden Familien sind in der Ausstellung zu sehen.
Korrespondierend zeigen weitere Chemnitzer Museen Ausstellungen, so das Museum für Sächsische Fahrzeuge („Mobile Erinnerungen – Eine jüdische Familie blickt zurück“, vom 8. Mai bis 30. August 2026), die Kunstsammlungen am Theaterplatz („Eine unvollendete Geschichte. Die Kunstsammlung von Lola und David Leder in Chemnitz“, vom 29. Mai bis 4. Oktober 2026) und das Industriemuseum Chemnitz („Erfolgsspuren. Jüdische Unternehmer in Chemnitz“ vom 5. Juni 2026 bis 22. August 2027).
Am Freitag, dem 8. Mai, ab 15 Uhr wird es im smac ein Gespräch mit Tana Sachs und Uri Guttmann geben. 16 Uhr folgt eine Tanzperformance des israelischen Künstlers Nitsan Margaliot. Ab 20.45 Uhr präsentiert der Buntmacher:innen e. V. im Garagen-Campus eine Sondervorstellung des Dokumentarfilms „Irmi“ über das Leben der 1906 in Chemnitz geborenen Irmi Goeritz.
Anlässlich des Gedenkens an die Bücherverbrennungen des Jahres 1933 wird es am Sonntag, dem 10. Mai, 11 Uhr im Veranstaltungssaal im TIETZ eine Matinee mit der Autorin Jessica Durlacher geben, die ein Buch über die musikalischen Lebenswege ihrer Großeltern geschrieben hat. Der Pianist Jeffrey Goldberg reflektiert das Gespräch mit Zitaten und Improvisationen am Klavier.
Auch nach dem Eröffnungswochenende begleiten zahlreiche Veranstaltungen die Ausstellung „Threads“ im smac. Neben Führungen, Filmen, Gesprächen und Vorträgen im Archäologiemuseum wird Stella Maria Adorf, die Tochter von Mario Adorf, am 2. Juli in den Kunstsammlungen am Theaterplatz zu Gast sein und über ihre Großmutter Doris Kiesow sprechen.