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Pressestelle Stadt Chemnitz
Pressemitteilung: 753

Fütterung durch Besucher kann Tiere krankmachen

Tierpark Chemnitz: Fremdfütterung von Zoo- und Wildtieren ist untersagt

Das Team des Tierparks Chemnitz und des Wildgatters Oberrabenstein möchte aus gegebenen Anlass zum Thema Fremdfüttern aufklären und an die Besucher:innen appellieren.

Leider füttern viele Besucher:innen beider Einrichtungen immer wieder die Zoo- und Wildtiere vor Ort. Vielleicht weil sie den Tieren (und dem Tierpark) etwas Gutes zu tun wollen. Vielleicht auch, weil sie die Tiere aktivieren möchten. Oder weil sie der Meinung sind, durch das Entrichten des Eintrittes ein Anrecht darauf zu haben. Aber Füttern der Tiere ist den Besucher:innen generell untersagt.

In der Besucherordnung der jeweiligen Einrichtung wird auf das generelle Fütterungsverbot (mit Ausnahme der Pellets aus Futterautomaten an die entsprechenden Tiere) hingewiesen. Mit dem Kauf der Eintrittskarte und dem Betreten der Einrichtung erkennt jeder Besucher bzw. jede Besucherin dies an. Vielfältige Hinweise, auch mit Piktogrammen, finden sich zudem im Gelände. Bei Zuwiderhandeln wird gegen die Besucherordnung verstoßen, das kann einen Verweis aus dem Gelände bis hin zum Hausverbot nach sich ziehen.

Kommt bei einer Fremdfütterung ein Tier zu Schaden, kann der Verursacher bzw. die Verursacherin haftbar gemacht werden. Liegt eine versuchte oder fahrlässige Tierquälerei oder sonstige Tiermisshandlung vor, wird diese nach dem Tierschutzgesetz geahndet. Daher sollte sich jeder Besucher bzw. jede Besucherin bewusst sein, welche Konsequenzen dies haben könnte.

Das Füttern der Tiere sollte grundsätzlich den Tierpfleger:innen überlassen sein. Diese durchlaufen eine anspruchsvolle dreijährige Ausbildung. Sie wissen, was ihre Schützlinge fressen dürfen, wie viel davon gesund ist und ob vielleicht die Tierärztin eine Diät verordnet hat.

Hausesel besonders stark betroffen

Besonders stark sind die Hausesel im Tierpark von derartigen Fremdfütterungen betroffen, da sie für jeden Vorbeikommenden zu sehen sind. Ihr Gehege befindet sich von der Nevoigtstraße kommend, in Richtung Tierpark-Eingang auf der linken Seite, außerhalb des Tierparks. Die Hausesel stehen bereits seit längerer Zeit unter verstärkter veterinärmedizinischer Beobachtung, da sie auffällige Fettdepots am Körper aufweisen.

Solche Fettdepots sind Symptome einer Stoffwechselerkrankung – dem equinen metabolischen Syndrom (EMS). Es wird hervorgerufen, wenn über einen längeren Zeitraum dauerhaft zu viel oder falsch gefüttert wird. EMS kann zu Gewebeschädigungen führen, die sich bei Equiden (Pferdeartigen) besonders auf die Hufe auswirken. Durchblutungsstörungen und Entzündungen sind die Folgen, die extrem schmerzhaft für die Tiere sind. Im schlimmsten Fall können die Tiere kaum noch auf ihren Füßen stehen und sogar ihre Hufe verlieren.

Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist eine Diät, medikamentös kann den Tieren leider nicht geholfen werden. Es ist aber unmöglich, die Tiere auf eine kontrollierte Diät zu setzen, wenn sie weiterhin von außen gefüttert werden. Hier ist der Tierpark auf die Mithilfe und das Verständnis der Besucher:innen angewiesen. Nur so können die Tiere gesund und schmerzfrei gehalten werden.


Typfelhyänen ebenfalls betroffen

Auch die Tüpfelhyänen werden aktuell fremdgefüttert – wenn auch eher indirekt. Offenbar entsorgen einige Bürger:innen ihre (Garten-)Abfälle im Unritzbach, der wiederum durch die Außenanlage der Hyänen fließt. So gelangen die Tiere an Futter, das nicht auf ihrem Speiseplan steht. Obwohl Hyänen über ein unglaublich starkes Verdauungssystem verfügen, tritt bei ihnen momentan vermehrt Durchfall auf.

Hyäne am Unritzbach im Tierpark Chemnitz
Foto: Jan Klösters, Tierpark Chemnitz

Tierpatenschaften sind bessere Alternative

Auch wenn die meisten Besucher:innen, die die Tiere unerlaubterweise füttern, es vermutlich gut meinen oder nicht genau wissen, welchen Schaden sie damit anrichten können, bleibt es ein Fehlverhalten. Wer den Tieren im Tierpark oder Wildgatter wirklich etwas Gutes tun möchte, kann dies z. B. über Tierpatenschaften tun, die der Tierparkförderverein „Tierparkfreunde Chemnitz e. V.“ für Tiere beider Einrichtungen vergibt.


Gut zu wissen

Grundsätzlich sollte man keine fremden Tiere ohne Wissen und der Erlaubnis des Besitzers bzw. Halters füttern, egal ob im Zoo, im Wildpark, auf der Koppel des Bauern, auf dem Teich oder über den Gartenzaun des Nachbarn. Jedes Individuum hat seinen Speiseplan, der in Quantität und Qualität des Futters ausgewogen ist, und jede Abweichung kann schädlich sein. Verdauungsstörungen, Verfettung, Verhaltensabweichungen, Misslingen therapeutischer Fütterung etc. sowie auch die Irritation des Halters (Warum frisst mein Tier heute nicht?) sind die Folge. Im schlimmsten Fall werden die Tiere krank oder sterben gar durch das für sie falsche oder zu reichliche Futter.

Gerade jetzt im Herbst verlocken Eicheln und Kastanien zum Füttern. Aber auch hier gilt: für den Eigenbedarf sammeln, z. B. zum Basteln, aber nicht an die Tiere verfüttern, auch wenn die Früchte auf dem Weg vor dem Gehege liegen. Gerade für die exotischen Bewohner des Tierparks sind Eicheln und Kastanien nicht das richtige Futter. Bei dem großen Bestand an Eichen im Tierpark kann es natürlich nicht verhindert werden, dass Eicheln in die Gehege fallen. Aber jede zusätzliche Eichel von außen ist eine zu viel.

Wer nun aber schon viele Eicheln und Kastanien gesammelt hat, der kann den auf dem Parkplatz an der Burg Rabenstein stehenden Sammelcontainer nutzen. Dieser wird regelmäßig von den Mitarbeiter:innen des Wildgatters abgeholt, die die Früchte dann sachgerecht und wohldosiert über den Winter an die Tiere des Wildgatters verfüttern, die diese Nahrung gut vertragen.


Tierpark und Wildgatter – Öffnungszeiten im Oktober:

9 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16 Uhr

 

www.tierpark-chemnitz.de