Erstmals seit der Coronapandemie konnten im Schuljahr 2024/25 allen Kindern in Chemnitz durch das Amt für Gesundheit und Prävention wieder die gesetzlich geregelten Vorsorgeuntersuchungen angeboten werden (SächsKitaG, SächsSchulG, SächsSchulGesPflVO).
Anliegen der Untersuchungen ist es, mögliche Gesundheits- und Entwicklungsstörungen mit besonderer Bedeutung für einen erfolgreichen Schulbesuch frühzeitig zu erkennen und die Kinder, Schüler:innen und Eltern hinsichtlich notwendiger medizinischer und therapeutischer, sowie die Schule hinsichtlich schulischer Fördermaßnahmen zu informieren und allgemeine Hinweise zu geben. Die anonymisierten Daten dienen auch dazu, Präventionsangebote bedarfsgerecht zu entwickeln und betreuende Einrichtungen zu beraten.
Ergebnisse der Kita-Untersuchung Schuljahr 2024/2025: Gesundheits- und Entwicklungsstand der Kinder ca. 2 Jahre vor Einschulung
Bei den Kita-Untersuchungen, die ausschließlich mit Zustimmung der Sorgeberechtigten erfolgt, sind insgesamt 1.367 Kinder untersucht worden. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zum Gesundheits- und Entwicklungsstand der Kinder zwei Jahre vor Schulbeginn.
77 Prozent der teilnehmenden Kinder legten ein Vorsorgeheft vor, davon hatten 91 Prozent an der U7A-Untersuchung teilgenommen. Ein Impfausweis wurde von 79 Prozent der Kinder präsentiert. Von diesen Kindern waren 97 Prozent vollständig gegen Masern geimpft. 91 Prozent wiesen eine vollständige Grundimmunisierung auf.
Der Entwicklungsstand wird mittels einer Screening-Untersuchung erfasst. Zeigen sich dabei Auffälligkeiten, ist eine weiterführende diagnostische Abklärung erforderlich.
Das Screening selbst dient ausschließlich der ersten Einschätzung und ersetzt keine medizinische oder psychologische Diagnosestellung.
Die Untersuchungen zeigten bei 26 Prozent der Kinder Auffälligkeiten im Sehtest, die eine ärztliche Abklärung erforderlich machten. Beim Hörtest wurden bei 20 Prozent der Kinder Auffälligkeiten festgestellt. Sprachauffälligkeiten traten bei knapp 33 Prozent der Kinder auf: Rund 10 Prozent befanden sich bereits in Behandlung, bei 21 Prozent wurde eine weiterführende Abklärung empfohlen.
Darüber hinaus wurden feinmotorische Auffälligkeiten bei 10 Prozent der Kinder sowie grobmotorische Auffälligkeiten bei 6 Prozent festgestellt. In beiden Fällen erfolgte eine Überweisung zur ärztlichen Abklärung.
Bereits zum Zeitpunkt der Untersuchung erhielten 7 Prozent der Kinder eine Förderung (Integrativplatz, Frühförderung, Doppelförderung, heilpädagogische Gruppe) und etwa 10 Prozent befanden sich in ambulanter Therapie (Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie). Insgesamt wurde bei 15,5 Prozent der Kinder nach der Untersuchung ein Förderbedarf empfohlen.
Ein weiterer Aspekt der Erhebung zeigt, dass 21 Prozent der untersuchten Kinder keine deutschen Muttersprachler sind.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger, freiwilliger Vorsorgeuntersuchungen sowie gezielter Förder- und Unterstützungsangebote für Kinder und Familien.
Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen Schuljahr 2024/2025: Gesundheits- und Entwicklungsstand der Kinder im Vorschuljahr
Bei den Schuleingangsuntersuchungen wurden insgesamt 2.504 Kinder untersucht. Davon waren 328 Kinder Rücksteller:innen aus dem Vorjahr, bei 47 Kindern wurde eine vorzeitige Einschulungsuntersuchung durchgeführt. 105 Kinder wurden zum Zeitpunkt der Untersuchung zu Hause betreut, die anderen Kinder besuchten zum Untersuchungszeitpunkt eine Kindertageseinrichtung.
Ein Vorsorgeheft legten 86 Prozent der Kinder vor, davon hatten über 80 Prozent die relevanten Vorsorgeuntersuchungen U7A, U8 und U9 erhalten. Der Impfschutz zeigte insgesamt ein gutes Niveau: Knapp 95 Prozent der Kinder verfügten über einen vollständigen Masernschutz. Die vollständige Impfung gegen Windpocken und Meningokokken C lag bei rund 70 Prozent, gegen Meningokokken B bei 56 Prozent.
Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse wurde für 85 Prozent der Kinder der reguläre Besuch der Grundschule empfohlen. Bei 12 Prozent erfolgte eine Empfehlung zur Rückstellung, bei 3,5 Prozent eine Empfehlung zur Überprüfung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs.
Die gesundheitlichen Screenings ergaben bei 20 Prozent der Kinder Auffälligkeiten im Sehtest und bei 9 Prozent im Hörtest. Etwa 5 Prozent der Kinder waren übergewichtig, 4,4 Prozent wiesen eine Adipositas auf. Entwicklungsauffälligkeiten zeigten sich bei 11 Prozent der Kinder im Bereich der Visuomotorik, bei 10 Prozent im sprachlichen Bereich sowie bei 5 Prozent im visuellen Wahrnehmen. In diesen Fällen wurde jeweils eine ärztliche Abklärung empfohlen.
Sprachauffälligkeiten traten insgesamt bei mehr als 25 Prozent der Kinder auf. 17 Prozent befanden sich bereits in sprachtherapeutischer Behandlung, bei rund 10 Prozent wurden die Auffälligkeiten neu erkannt und entsprechende Überweisungen veranlasst. Auffälligkeiten der Körperkoordination wurden bei 3,6 Prozent der Kinder festgestellt, zusätzlich befanden sich 3,8 Prozent bereits in therapeutischer Behandlung.
Ein weiterer wichtiger Befund: 26 Prozent der untersuchten Kinder waren keine Deutsch-Muttersprachler. Dieser Anteil ist im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen.
Bezüglich der Schuleingangsuntersuchung liegen dem Amt für Gesundheit und Prävention der Stadt Chemnitz auch die Daten aus den vergangenen Schuljahren vor. Hier konnte im Verlauf kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den vergangenen Schuljahren und den einzelnen untersuchten Items festgestellt werden. Im Mittel bewegen sich die Ergebnisse auf einem ähnlichen Niveau. Nur im Bereich der Körperkoordination sieht man eine leicht rückläufige Tendenz der Auffälligkeiten ohne statistische Signifikanz.
Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz der Schuleingangsuntersuchungen als zentrales Instrument zur frühzeitigen Erkennung von Förder- und Unterstützungsbedarfen sowie zur gezielten Begleitung von Kindern und Familien.
Ergebnisse der Untersuchung der sechsten Klassen Schuljahr 2024/2025
Bei den Untersuchungen der sechsten Klassen wurden insgesamt 1.445 Kinder untersucht. Die Ergebnisse geben einen umfassenden Einblick in den Gesundheitszustand der Schüler:innen.
Zum Untersuchungstermin brachten 63 Prozent der Kinder ihren Impfausweis mit. Davon hatten 95 Prozent einen vollständigen Masern-Impfschutz. Eine vollständige Grundimmunisierung wiesen 60 Prozent der Kinder auf, 71 Prozent waren vollständig gegen Windpocken geimpft.
Deutlich niedriger lag die Impfquote bei der HPV-Impfung: Nur 24 Prozent der Kinder verfügten über einen vollständigen Impfschutz.
Die Sehüberprüfung ergab bei 20 Prozent der Kinder Auffälligkeiten, ebenfalls 20 Prozent befanden sich bereits in fachärztlicher augenärztlicher Behandlung. Hinsichtlich des Körpergewichts zeigten sich folgende Befunde: 15 Prozent der Kinder waren übergewichtig und weitere 12 Prozent wiesen eine Adipositas auf.
Bei 14 Prozent der untersuchten Kinder wurde ein erhöhter Blutdruck festgestellt, weshalb eine Überweisung zur weiteren ärztlichen Abklärung erfolgte. Auffälligkeiten des Bewegungsapparates traten ebenfalls bei einem relevanten Anteil der Kinder auf: Neun Prozent zeigten Auffälligkeiten an der Wirbelsäule, zusätzlich befanden sich 3 Prozent bereits in orthopädischer Behandlung. Haltungsprobleme wurden bei 8 Prozent festgestellt. Darüber hinaus wiesen 6,2 Prozent Auffälligkeiten an Extremitäten und Gelenken auf, zusätzlich wurden 5 Prozent bereits deswegen orthopädisch betreut.