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Pressestelle Stadt Chemnitz
Pressemitteilung: 51

Archive der Kulturhauptstädte intensivieren Zusammenarbeit

Stadtarchiv Chemnitz, Kreisarchiv Nova Gorica und Staatsarchiv Gorizia rufen internationales Projekt ins Leben

Der Titel der Kulturhauptstadt Europas 2025 verbindet nicht nur die Städte Chemnitz, Nova Gorica in Slowenien und Gorizia in Italien, sondern auch deren Archive. Sie haben – nicht zuletzt mit Blick auf 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn der europäischen Teilung sowie 45 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Beginn der Erweiterung der Europäischen Union um die östlichen Länder des Kontinents – gemeinsam ein langfristiges internationales und generationenübergreifendes Projekt ins Leben gerufen. Die Ergebnisse werden in diesem Jahr in den Kulturhauptstädten ausgestellt. 

Dazu trafen sich in der Vergangenheit Dr. Paolo Cecconi, Leiter des Stadtarchivs Chemnitz als Behörde für die dauerhafte Aufbewahrung stadthistorischer Dokumente und als Mitglied der Sektion Lokal-, Stadt- und Territorialarchive (SLMT) des Internationalen Archivrats (ICA), mit Dr. Tanja Martelanc vom Kreisarchiv Nova Gorica und Dr. Marco Plesnicar vom Staatsarchiv Gorizia zu einem konstruktiven Dialog, zunächst online und später persönlich vor Ort in den Schwesternstädten an der slowenisch-italienischen Grenze. 

Die Zusammenarbeit der drei Archive zielte und zielt darauf ab, Quellen und direkte Zeugnisse der Ereignisse der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu präsentieren und – dank des Dialogs zwischen den Generationen – zu dokumentieren und zu sichern. 

Das internationale Projekt, an dem auch die Zivilgesellschaft der drei Städte aktiv beteiligt ist, ist in zwei Themenblöcke gegliedert. Der erste Themenblock mit dem Titel „Archive jenseits der Grenzen: eine gemeinsame europäische Geschichte“ sieht vor, mit Unterstützung der Stiftung Cassa di Risparmio di Gorizia eine Auswahl historischer Dokumente aus den drei Archiven digital zu präsentieren. Die Dokumente offenbaren die Auswirkungen der europäischen Teilung nach 1945 sowohl im Gebiet der ehemaligen DDR als auch an der ehemaligen italienisch-jugoslawischen Grenze mit den daraus resultierenden Bevölkerungsbewegungen und nationalen Grenzen sowie Veränderungen lokaler Identitäten (beispielsweise die Umbenennung der Stadt Chemnitz in Karl-Marx-Stadt). Weiterhin zeigen die Dokumente die Veränderungen in den Bereichen Wiederaufbau, Gesundheitswesen, Kultur und Bildung, Wirtschaft sowie Gesellschaft.

Der zweite Themenblock mit dem Titel „Stadtbiografie – History of Citizens“ mit Unterstützung von und in Zusammenarbeit mit der „Kulturkirche 2025“ zielt darauf ab, den schwierigen Prozess der europäischen Wiedervereinigung und Versöhnung in den drei Städten durch eine Sammlung mündlicher Erinnerungsberichte von Zeitzeugen der Ereignisse ab 1989/1990 zu dokumentieren. In diesen Jahren endete der Ostblock mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Zerfall Jugoslawiens mit der Entstehung neuer Länder. Dr. Paolo Cecconi: „Ziel dieser Sammlung ist es, die Völkerverständigung insbesondere durch die aktive Beteiligung von Schulen und anderen lokalen Akteuren in den drei Städten zu fördern, die die Zeitzeugen befragen, die gesammelten Dokumente im Unterricht kontextualisieren und künstlerisch aufbereiten, um sie der Bürgerschaft zu präsentieren und schließlich das gesammelte Material an die drei zuständigen Archive zur dauerhaften Aufbewahrung und künftigen Nutzung zu übergeben.“

Die von den drei Archiven vorgeschlagene historische Reise wird im Jahr 2025 in den verschiedenen Kulturhauptstädten Europas tatsächlich für Bürger:innen sichtbar gemacht: Die gesammelten und ausgewählten Dokumente werden in Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen und Vereinen digital und in audiovisuellen Festivals bzw. Ausstellungen veröffentlicht. Zum Beispiel sollen die ausgewählten Dokumente aus den frühen Jahren des Ostblocks im Smart Space der Stiftung Cassa di Risparmio di Gorizia physisch präsentiert werden. Die Erinnerungen von Zeitzeugen aus der Zeit 1989/90 werden indes Ende November 2025 im restaurierten Garagen-Campus in Chemnitz präsentiert. Veröffentlichungen beider Teilprojekte sind ebenfalls angestrebt und derzeit in Planung.

Dr. Paolo Cecconi: „Zusammenfassend stellt das Projekt Kulturhauptstadt Europas 2025 eine einmalige Gelegenheit dar, nicht nur die Aufgaben des Archivs zu überprüfen und neu zu organisieren sowie die eigene Betriebsstrategie neu zu definieren, sondern auch die Dokumentationssammlungen auf internationale Ebene zu präsentieren und so einen einzigartigen Beitrag zur Schaffung des Gefühls der gemeinsamen Zugehörigkeit zur europäischen Familie zu leisten, sodass sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die lokalen kulturellen Spezifika der einzelnen Nationen, die durch eine jahrhundertealte gemeinsame Geschichte verbunden sind, verstärkt werden. Auf diese Weise wurden auch die aktive Beteiligung insbesondere (und nicht nur) der neuen Generationen am Lernen über die Entstehung der Europäischen Union sowie die Bedeutung der aktiven Zusammenarbeit aller Teile einer Gesellschaft für eine Zukunft des Friedens und des gegenseitigen Verständnisses zwischen verschiedenen Ländern bestmöglich gefördert.“