Superheldinnen und das Leben

Zwei neue Ausstellungen in den Kunstsammlungen am Theaterplatz
Gemälde eines Baumes in einem Garten, durch den eine kleine Treppe mit Geländer führt. An dem Baum hängt ein weißes langärmliges Hemd und ein weiß-rotes Tanktop. Der Himmel ist wolkenlos blau.
Wolfgang Mattheuer (1927–2004) Hemd im Wind II, 1991 Öl auf Leinwand Kunstsammlungen Chemnitz Schenkung Ursula Mattheuer-Neustädt © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Jürgen Seidel

Am Freitag um 18.30 Uhr eröffnen die Kunstsammlungen Chemnitz gleich zwei neue Ausstellungen am Theaterplatz: »Allegorien des Lebens. Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer« sowie »Mythos. Von Göttern zu Superheldinnen«.

Die Kunstsammlungen widmen der Künstlerin Ursula Mattheuer-Neustädt und dem Künstler Wolfgang Mattheuer, die 2026 bzw. 2027 ihren 100. Geburtstag feiern würden, eine gemeinsame Jubiläumsausstellung. »Allegorien des Lebens« versammelt über die gesamte Laufzeit 200 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken und folgt den großen Lebensfragen nach Individuum, Freiheit und Liebe – erzählt anhand einer gemeinsamen Geschichte, die 1946 an der Kunstgewerbeschule Leipzig begann. 

Das Projekt ist eine Kooperation der Kunstsammlungen Chemnitz, des Museums der bildenden Künste Leipzig und der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. »Allegorien des Lebens« betrachtet die Kunstwerke des Paares erstmals gemeinsam als Dialoge. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie beide Bilder als Botschaften nutzten: Während Wolfgang Mattheuer ab den 1970er Jahren verstärkt auf Figuren und Motive der antiken Mythologie zurückgriff, fand Ursula Mattheuer-Neustädt ihre Inspiration vor allem in Literatur und Poesie. Die Bildmotive bewegen sich zwischen alltäglichen Situationen, thematischer Setzung und geistiger Reflexion. Damit reihen sich die Werke der Ausstellung in eine größere Entwicklung der Kunst in der DDR ein: Ab den 1970er Jahren bedienten sich Künstlerinnen und Künstler verstärkt klassischer Mythen und literarischer Stoffe, um mithilfe heroischer Figuren Kritik zu formulieren und gesellschaftliche Fragen zu verhandeln.

Für Wolfgang Mattheuer galt »Die Flucht des Sisyphos« (1972) als Auftakt für eine Folge von Werken zu verschiedenen Mythen wie Ikarus, Prometheus und Sisyphos. Ursula Mattheuer-Neustädt setzte ihre literarischen Bezüge in eindringlichen, meist schwarzweißen Zeichnungen und Grafiken von nahezu symbolistischem Charakter um. Die Ausstellung »Allegorien des Lebens« ist ab dem 3. Oktober in den Kunstsammlungen am Theaterplatz zu sehen. Um beide Jubiläen zu würdigen, werden in der Ausstellung im Januar 2027 die grafischen Arbeiten gewechselt und weitere Werke auf Papier gezeigt. Die Ausstellung wird von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Chemnitz gefördert.

Ausstellung über Mythen

Parallel zeigen die Kunstsammlungen am Theaterplatz die Ausstellung »Mythos. Von Göttern zu Superheldinnen«. Sie untersucht die Bedeutung antiker Mythen von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart und zeigt, wie ihre Motive bis heute in Kunst, Film, Comic und digitalen Medien fortwirken. 
Die beiden Ausstellungen bauen aufeinander auf: Ausgehend von Wolfgang Mattheuers künstlerischer Auseinandersetzung mit antiken Mythen spannt die Ausstellung einen Bogen über drei Jahrhunderte Kunstgeschichte und fragt nach der Aktualität mythologi-scher Erzählungen in der Gegenwart. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Kunst in der DDR-Zeit. Die Ausstellung »Mythos« ist ebenfalls ab dem 3. Oktober zu sehen.