Bürgerfest Herzschlag – von Chemnitzern für Chemnitzer

Sebastian Thieswald

Macher der Woche vom 27. Dezember 2019

Das Chemnitzer Bürgerfest Herzschlag sorgte am letzten August-Wochenende für viele positive Schlagzeilen. Ein Fest, organisiert von Bürgerinnen und Bürger für die Chemnitzer. 67.000 Besucher honorierten das ehrenamtliche Engagement mit ihrer Anwesenheit. Nach der Premiere in diesem Jahr gibt es 2020 eine Neuauflage. Das haben die Organisatoren des Bürgerfest-Vereines beschlossen. Sebastian Thieswald, Pressesprecher des Vereins, erzählt stellvertretend für die Macher des Bürgerfestes, wie aufwendig es ist, ein solches Fest zu veranstalten.


Wie zufrieden sind Sie im Nachgang mit dem Bürgerfest?
Sebastian Thieswald:
Inhaltlich sind wir sehr zufrieden, weil wir das geschafft haben, was wir uns selbst fast nicht vorstellen konnten: ein komplettes Wochenende innerhalb von nur zehn Wochen zu organisieren. Die Zeit war sehr kurz, um zu erreichen, dass die Menschen in der Stadt über drei Tage lebendig, fröhlich, friedlich miteinander feiern und Chemnitz so als attraktive Stadt nach außen dargestellt haben.

Wie fiel das Feedback aus der Bevölkerung im Nachgang aus?
Egal wer uns angeschrieben, angerufen oder angesprochen hat, oder uns an dem Wochenende direkt begegnet ist: die Reaktionen der Menschen waren durchweg begeistert über das neue Format. Es wurde positiv aufgenommen, dass es weitläufig war, von den Kulturangeboten her etwas Neues und kein Abklatsch des Stadtfestes. Die Besucher haben es gewürdigt, dass sich wirklich jemand Gedanken gemacht hat, etwas von Chemnitzern für Chemnitz zu machen. Ich glaube, dieser Bürgerfestgedanke ist sehr positiv angekommen.

Hätte man sich mehr Besucher gewünscht?
Wir sind sehr zufrieden mit der Zahl. Zumal an dem Wochenende sehr viel in der Stadt los war: beispielsweise das Eisenbahnfest in Hilbersdorf und das Schönherr-Fest. Es war aber gar nicht unser Ziel, eine bestimmt Zahl X an Besuchern auf das Bürgerfest zu bekommen. Ziel war wirklich zu beweisen, dass wir es schaffen, an diesem Wochenende ein Fest von Bürgern für Bürger zu organisieren. Da ging es nicht um Quantität, sondern um Qualität.

Sie haben es schon angedeutet: So etwas innerhalb von 10 Wochen aus dem Boden zu stampfen, ist schwer. Haben Sie in dieser Zeit überhaupt geschlafen?
Wenig. Wir alle miteinander sind Ehrenamtler und haben noch einen Hauptberuf. Ich z.B. betreibe ein Pflegeeinrichtung bei Jena und bin selbständig mit meiner Beraterfirma tätig. So mussten die Termine nach der Arbeit stattfinden. Wir haben uns fast täglich abends getroffen, das ging oft bis 23 Uhr. Da steckt unheimlich viel Freizeit drin, was aber dann euphorisierend war. Ab einem gewissen Punkt haben wir gemerkt, dass wir es schaffen. Von Anfang an hat uns sehr beflügelt, dass wir so viel Rückenwind von Chemnitzern und von Chemnitzer Unternehmen bekommen haben.

Aufgrund der Geschehnisse am Rande des Stadtfestes im vergangenen und der Absage in diesem Jahr gründete sich der Verein Chemnitzer Bürgerfest, bestehend aus acht Mitgliedern. So trafen sich Gastronomen, Gewerbetreibende und interessierte Bürger. Letztendlich habe der Betreiber der Eventlocation „Oberdeck“, Chris Dittrich, die Initialzündung gegeben, beschreibt Thieswald.
Die Intention des Vereins: „Es darf nicht passieren, dass Chemnitz an diesem Wochenende still bleibt. Nicht nur die lokale Presse, sondern auch die internationale wird auf die Stadt schauen und fragen, was habt ihr daraus gemacht, was habt ihr gelernt, was hat sich geändert.“ Die Organisatoren wollten an dem Wochenende ein attraktives Chemnitz zeigen. „Wir haben wahnsinnig viele kulturellen Angebote und viele Vereine in der Stadt. Daher die Idee, dass beim Bürgerfest Chemnitzer Bands und Vereine auftreten und sich vorstellen. Dass war der Gedanke, von dem das Ganze lebt“.


Hatten Sie keine Befürchtung, dass dieses Wochenende instrumentalisiert wird?
Natürlich war die Angst da. Aber wir leben in einem demokratischen Staat und müssen akzeptieren, dass das höchste Gut einer Demokratie das Demonstrationsrecht ist. Wir haben alle darum gekämpft, dass das Fest so stattfindet. Der Mehrwert für die Stadt war unglaublich. Wir waren in fast allen großen lokalen Sendungen, wie Tagesspiegel, Tagesthemen, dem heute-journal, den Nachrichten auf ntv, RTL, usw.
Durch die Pressearbeit, das war mein Job, hatte ich mit den Journalisten, Redakteuren und Kamerateams das ganze Wochenende zu tun. Ich bin zwar nur ein Laie, aber ich habe zu den Journalisten gesagt: Bitte entlasst uns aus euren Klauen. Ihr habt es mit einem normalen und sauberen Journalismus in der Hand. Wenn nur wenige 100 Menschen auf der einen Seite demonstrieren, dann haben die auch nur fünf Sekunden Bild verdient. Und, wenn die große Mehrheit feiert, dann soll das Hauptaugenmerk des Beitrags auch darauf liegen. Als Bürger kann ich solche Ansagen machen. Im Prinzip hatte ich, hatte die Stadt nichts zu verlieren. Dass es jetzt so positiv geworden ist, darauf sind wir alle stolz, zufrieden und glücklich.

Was war Ihr persönliches Highlight an dem Wochenende?
Der Auftritt vom Mitbegründer der Loveparade, Dr. Motte, und dem Sänger der Band Die Prinzen, Sebastian Krumbiegel, na ja und natürlich das Udo Lindenberg Double ElPaniko, waren inhaltlich meine Highlights. Ansonsten war mein persönlicher Höhepunkt, dass es uns wirklich gelungen ist. Das macht uns so glücklich, auch noch Wochen danach.

Wie ist der Titel Herzschlag zustande gekommen?
Ursprünglich sollte es ein anderer Titel werden. Ich weiß gerade gar nicht mehr wie der lautete. Aber dann erzählten wir der Agentur, mit der wir zusammen gearbeitet haben, was wir mit dem Bürgerfest verbinden und wollen. Dann hatte das Team die Idee mit dem Herzschlag. Es hat den Nagel auf den Kopf getroffen: dieses Logo mit dem Puls und der Silhouette. Das war einfach schön gemacht. Der positive Herzschlag, das hab ich auch in jedem Interview so gesagt. Wenn wir es schaffen, an diesem Wochenende Glücksmomente zu zaubern und diese Zacken nach oben zu bringen, dann ist der positive Herzschlag in Chemnitz und darüber hinaus zu spüren. Das war die Philosophie.

Jetzt haben Sie für 2020 ein paar Monate mehr Zeit zum Organisieren. Wie läuft es denn aktuell?
Getreu nach dem Motto, nach dem Fest ist vor dem Fest, befinden wir uns in den Planungen. Wir sind jetzt schon parallel dabei, das Hauptkonzept zu schreiben, wie wir an konkrete Fördertöpfe herantreten werden.

Wohin können sich potentielle Unterstützer und Förderer wenden, die dem Bürgerfest helfen wollen?
Der einfachste Weg ist das Kontaktformular auf unserer Homepage: www.chemnitzer-buergerfest.de

Wie können Privatpersonen oder Unternehmen sich einbringen?
Für das nächste Jahr suchen wir Unternehmen, die uns finanziell unterstützen können. Wir hoffen, dass sich der größere Vorlauf, den wir haben, positiv auswirkt. Wir sind äußerst dankbar für das, was wir in diesem Jahr bekommen haben. Für nächstes Jahr rufen wir einfach auf, wenn das Format für gut befunden wurde, bitte meldet euch gleich bei uns. Ansonsten suchen wir bei allem, was inhaltlich beim Bürgerfest passiert Unterstützung: bei Bühnen, Bühnentechnik, Sicherheit, Erste Hilfe, das wäre sozusagen Sachsponsoring, oder einfach ganz viele helfende Hände für: Auf- und Abbau der einzelnen Flächen, Aufhängen von Wegweisern und Transparenten, Künstler- und Ehrenamtlichenverpflegung und alles was für ein sauberes Herzschlag nötig ist.
Wenn jemand eine Idee hat, sich am Programm beteiligen möchte oder sich anderweitig einbringt, kann er oder sie sich gern melden. Wir freuen uns über Vorschläge. Ich will mich da gar nicht festlegen, sondern einfach sagen: Leute, wenn ihr das Gefühl habt, ihr könnt etwas dafür tun, dann lasst es uns wissen und wir kommen ins Gespräch.

Was wünschen Sie sich für das Bürgerfest 2020?
Wir wünschen uns, dass wir an den Erfolg von 2019 anknüpfen können. Dass wir noch mehr Chemnitzer davon überzeugen können, in die Innenstadt zu kommen. Das einzige Problem, das wir dieses Jahre hatten, war, dass die 67.000 Besucher für die Gastronomen nicht ausgereicht haben. Ich wünsche mir also, dass ganze viele Chemnitzer hungrig und durstig in die Stadt kommen. Hungrig auf Essen, aber auch auf Kultur.

Wir wollen 2025 Kulturhauptstadt werden, wie denken Sie darüber?
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir das schaffen. Ich glaube, Chemnitz hat etwas sehr Schönes, etwas Urbanes. Die Stadt hat Potenzial, so viel Kultur und Subkultur, die es in vielen anderen Städten so gar nicht mehr gibt. Wir haben auch viele andere Kulturbereiche, die sich sehen lassen können. Unsere museale Welt ist wirklich vorzeigbar. Unsere Musikwelt: wir haben ein A-Orchester, eine tolle Oper. Sicherlich haben wir nicht alles fünfmal, aber was wir haben, hat Klasse. Und aus diesem Grund hat es Chemnitz einfach verdient. Dass ganz viele Menschen aus Deutschland und weit darüber hinaus sagen, ich fahr mal in diese friedliche, attraktive Stadt, in der wir wirklich auch 2025 fröhlich miteinander Kultur erleben können, auf allen Ebenen und mit allen Facetten.

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