Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek soll nach Chemnitz kommen


29.11.2018
Pressemitteilung 845

Die Stadt Chemnitz plant, ein Stefan-Heym-Zentrum, dessen Herzstück die Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek ist, in der Stadt zu errichten. Die Pläne hierfür hat heute Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zusammen mit Dr. Ulrike Uhlig, Vorsitzende der Stefan-Heym-Gesellschaft, und Ferenc Csák, Leiter des Kulturbetriebes der Stadt, vorgestellt. Der Grundsatzentscheid dafür steht auf der Tagesordnung des Stadtrates am 11. Dezember.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig: „Chemnitz erhält mit der Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek nicht nur einen Ort der Würdigung und des Gedenkens an einen der größten Söhne unserer Stadt. Die Stadt erhält einen Raum der Zeitgeschichte, in dem die Bürger, Schüler, Studierende, Wissenschaftler einen Einblick in das Leben und Wirken Stefan Heyms bekommen. Ich danke seiner Witwe Inge Heym für diese wertvolle Schenkung und freue darauf, diese historischen Räume bald im Tietz sehen zu dürfen.“

 

Inge Heym: „Bücher, die er selbst schrieb, Bücher, die ihn durch sein Leben begleitet haben, spiegeln die Zeit und die Lebensstationen von Stefan Heym. Die Bibliothek ermöglicht, Spuren zu finden und als Zeitdokument Auskunft zu geben über den Schriftsteller Stefan Heym, seine Überzeugungen, seine Haltungen in widerspruchsvollen Zeiten. Für mich sind es 30 Jahre gemeinsamen Lebens, gemeinsamer Arbeit, ein Teil meines Lebens. Mit der Bibliothek kehrt Stefan Heym zurück in seine Heimatstadt, die er als junger Mann verlassen musste, als es ums Leben ging. Die Schenkung ist sicher in unserer widersprüchlichen Zeit in seinem Sinne.“

 

Dr. Ulrike Uhlig, Vorsitzende der Stefan-Heym-Gesellschaft: „Als ich vor 8 Jahren das erste Mal in das Haus von Stefan und Inge Heym in Berlin-Grünau kam, war ich fasziniert und beeindruckt: Bücher vom Keller bis zum Dachboden. Der große Schriftsteller war zwar schon verstorben, aber in den Räumen war seine Anwesenheit noch fast körperlich spürbar. Erstausgaben seiner Werke, Bücher von Kollegen und Freunden, Gesamtausgaben von Shakespeare und Heine, den er verehrte. Niemals hätte ich mir damals träumen lassen, dass Inge Heym einmal die Arbeitsbibliothek ihres Mannes, eigene Bücher und viele persönliche Gegenstände so großzügig nach Chemnitz schenken würde. Dass das wahr geworden ist bedeutet der ISHG unendlich viel. Wir möchten, dass das zukünftige Stefan-Heym-Forum mit der Arbeitsbibliothek ein Ort der lebendigen Begegnung zwischen Leserinnen und Lesern, aber auch ein Ort der Heym-Forschung und des wissenschaftlichen Austausches wird.“

 

Mit den fast 2.000 Werke umfassenden Buchbeständen sowie dem Mobiliar sollen die Atmosphäre des Raumes spürbar werden. Die Arbeitsbibliothek soll im ehemaligen TIETZ-Café in der dritten Etage untergebracht und von Schülern, Studierenden, Forschern und Interessierten besucht werden können.

 

Die Idee dazu hatte die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft, die sich 2009 in Chemnitz gegründet hat. Bei ihren Besuchen im Haus der Witwe des Schriftstellers, Inge Heym, lernten die Mitglieder die Arbeitsbibliothek kennen. Gemeinsam mit der Stadt entstand das Vorhaben, die Arbeitsbibliothek in die Geburtsstad Stefan Heyms zu holen.

 

Die Arbeitsbibliothek soll im TIETZ attraktiv öffentlich präsentiert und durch ein gläsernes Raum-in-Raum-System gesichert werden. Neben der Präsentation der Arbeitsbibliothek und einer multifunkionalen Veranstaltungsfläche, sind folgende Themenschwerpunkte angedacht: Zone 1 umfasst Biographien im politischen Kontext – Stefan Heym der Literat, als Zeitzeuge und Publizist. Zone 2 befasst sich mit dem Leben und Werk Heyms, Forschung und Forschungsliteratur. Die Zone 3 ist den Preisträgern des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt gewidmet und in Zone 4 stellt sich die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft e.V. vor.

 

Innerhalb der Ausstellungsfläche soll ein Veranstaltungs- und Schulungsbereich mit ca. 30 Plätzen integriert werden. Dieser kann für den Schulunterricht, für Studienzwecke usw. genutzt werden.

 

Die Kosten für den Umbau und die Einrichtung der Bibliothek belaufen sich auf rund 250.000 Euro. Im Entwurf des Zwei-Jahres-Haushalt sind hierfür im Jahr 2019 zunächst 100.000 Euro vorgesehen. Für die restliche Summe sollen Förder- und andere Drittmittel akquiriert werden. Nach Zustimmung des Stadtrates und der Sicherung der Finanzierung ist das ehrgeizige Ziel, die Eröffnung zum Zeitpunkt der nächsten Preisverleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises im Frühjahr 2020 stattfinden zu lassen.

 

Das Stefan-Heym-Zentrum soll Anlaufstelle für Forscherinnen und Forscher werden. Ebenfalls ist eine Forschungsstelle an der Professur für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz geplant, die die Stadt noch stärker zu einem Zentrum der Heym-Forschung machen soll. Neben wissenschaftlichen, interdisziplinären Tagungen und Symposien sind eine Publikation von bisher noch nicht veröffentlichten Werken Heyms sowie die Herausgabe einer historisch-kritischen Ausgabe seines Gesamtwerks möglich.

 

Stefan Heym (1913 – 2001) zählt zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern des
20. Jahrhunderts. Mit seinen literarischen Werken, u.a. Romane, Essays, Erzählungen, und Reden, setzt er sich mit den großen gesellschaftlichen Konflikten seiner Zeit auseinander und hat Widerspruch provoziert.

 

Für die Umsetzung des Projekts arbeiten die Stadt, die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft und die TU Chemnitz zusammen.

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Herausgeber:
Pressestelle Stadt Chemnitz