1987 wurde in Ebeltoft/Dänemark die Europäische Nachtwächter- und Türmerzunft gegründet, mit dem Ziel, freundschaftlich über alle Grenzen hinweg die Traditionen der Türmer und Nachtwächter zu bewahren und zu pflegen. Ein Türmer oder Nachtwächter der in diese Zunft aufgenommen werden möchte, muss sich an deren Vorschriften halten und ihr zu einem guten Ruf verhelfen, darf durch persönliches Verhalten ihr keinen Schaden tun.
Wer Mitglied werden will muss nachweisen, dass er in seinem Heimatort mit mehreren Auftritten aktiv ist, auch die nötigen Fähigkeiten besitzt, dem Türmer- bzw. Nachtwächterstande in Kenntnis, Form und Gestalt gerecht zu werden, er sollte möglichst musizieren, singen, rufen oder ein unverwechselbares Signal geben können. Man muss natürlich auch über die Geschichte seines Heimatortes recht gut Bescheid wissen, muss nachweisen, ob es hier jemals Nachtwächter oder Türmer gab und darf sich letztlich nicht scheuen auch vor größeren Besuchergruppen aufzutreten.
Einmal im Jahr zu Christi Himmelfahrt treffen sich die meisten Zunftmitglieder in einer europäischen Stadt oder Ort zum Europäischen Zunfttreffen. Nur die Stadt oder der einen Ort, die selbst nachweisen einen aktiven Nachtwächter oder Türmer besitzen, können sich für dieses europäische Treffen bewerben und es letztlich ausrichten. Jährlich gibt es ein erlebnisreiches Treffen. Neben dem fröhlichen Beisammensein und dem Erfahrungsaustausch gibt es natürlich auch die alljährliche Zunftversammlung, zu welcher wichtige Interna zur Sprache kommen, Neuaufnahmen erfolgen und auch kritische Töne des Zunftmeisters nicht ausbleiben, wenn hier und da einmal ein Zunftmitglied nicht im Sinne der Gemeinschaft in Erscheinung getreten ist.
Empfänge bei Stadtoberhäuptern, Landräten und Sponsoren gehören ebenso in das weit gefächerte Programm des Treffens wie ein festlicher Umzug durch den Gastgeberort, Vorstellungen und Auftritte für alle die es interessiert, oft noch verbunden mit einem unterhaltsamen Rahmenprogramm an zentraler Stelle. Bis nach Mitternacht ziehen dann die Nachtwächter in altgewohnter Weise durch Gassen und Straßen, auch Restaurants und Kneipen werden dabei nicht ausgelassen, denn das Rufen und Singen macht die Kehlen trocken. Die Türmer suchen sich, wenn vorhanden, einen Turm von dem sie musizieren, signalisieren und rufen, jeder seinen Fähigkeiten, seiner heimatlichen Tradition entsprechend.
Weiterhin gibt es Fototermine zu denen sich alle Zunftmitglieder gern präsentieren und auch hierbei wie bei jedem gemeinsamen Auftritt, ihre Hymne singen. Der Höhepunkt eines jeden Treffens ist zum Abschluss der Festgottesdienst, unabhängig von der Konfession, der besonders gestaltet zumeist im größten Gotteshaus stattfindet. Danach verabschieden zuerst die weitangereisten Teilnehmer, die es weniger weit vor sich haben, lassen das Treffen noch gemütlich ausklingen.