Ćosić, 1932 in Zagreb geboren, lebte bis zu seiner Emigration 55 Jahre in Belgrad und seit 1992 im deutschen Exil in Berlin sowie in Rovinj (Kroatien).
Mit der Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz an Bora Ćosić hat sich die Jury für einen großen Erzähler, Satiriker und auch Kritiker Süd-Ost-Europas entschieden. Ćosić steht in der Tradition der serbischen Avantgarde der 60er und 70er Jahre und hat über 30 Werke publiziert. Zu den bekanntesten gehören der preisgekrönte Roman „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“, ein schon Ende der 60er Jahre entstandener Roman über die Vorhersage des Untergangs Jugoslawiens aus der Perspektive eines Kindes, „Das Land Null“ und "Die Reise nach Alaska ". Mit der Entscheidung würdigt das Kuratorium auch die aufklärende Rolle von Ćosić als einem politischen Schriftsteller.
Der Preisträger Bora Ćosić in seiner Dankesrede: „Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, die Verhältnisse im Osten und im Westen streng zu trennen. Dabei hilft mir heute der Dichter Adonis, der sagt, es gebe in jedem Westen mehrere Westen und in jedem Osten mehrere Osten. Sagen wir Osten und Westen, vereinfachen wir die Dinge. Wir können sagen, dass es im Westen Osten gibt, die viel östlicher sind als der Osten, so wie es im Osten Westen gibt, die viel westlicher sind als der Westen. Ich kannte Stefan Heym, dank dessen Werk wir alle heute hier versammelt sind, nur kurz. Aber mit ihm und seinem dramatischen Leben verbindet mich gerade das, mein eigenes Schicksal, das sich in einem Spagat, einem west-östlichen, befindet.“
Bora Ćosić wurde 1932 in Zagreb geboren und wuchs in Belgrad auf. Er studierte Philosophie und arbeitete unter anderem als Redakteur verschiedener Literaturzeitschriften. 1992 verließ er Serbien, weil er nicht unter dem Regime Miloševićs leben wollte. Er ging nach Rovinj (Kroatien), dann nach Berlin. Bora Ćosić wurde 2002 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet, 2008 mit dem Albatros-Preis der Günter-Grass-Stiftung.
Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der ersten Stefan-Heym-Konferenz, die vom 1. bis 3. Juli in Chemnitz stattfand. Die Konferenz, die sich mit Leben und Werk Stefan Heyms befasst, wird von der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Chemnitz im DAStietz organisiert.