Während das Wohnungsangebot seit 1990 durch Neubau und Rekonstruktion in der Anzahl und in der Qualität deutlich wuchs, nahm die Zahl der Wohnhaushalte infolge des Einwohnerrückgangs ab. Ende 2003 standen in Chemnitz 41.520 Wohnungen leer. Jede vierte Wohnung war damit von Leerstand betroffen. Dagegen erleben attraktive Gründerzeitgebiete wie auf dem Kaßberg Zuzug. Etwa die Hälfte der historisch wertvollen Bausubstanz der gesamten Stadt ist saniert. Die Investitionsbereitschaft für die verbleibende Hälfte ist jedoch gering. Dennoch soll es ein Ziel sein, dass stadtbildprägende Bereiche nicht ihre Struktur verlieren oder nachhaltig gestört werden.
Um den Stadtumbau so rasch wie möglich in Gang zu setzen, legte das am 15.05.2002 vom Stadtrat beschlossene Integrierte Stadtentwicklungsprogramm (InSEP) die ersten Haupthandlungsfelder für die Bedarfsanpassung des Geschosswohnungsbaus fest und schuf die entsprechenden Förderkulissen. In dieser ersten Phase des Stadtumbaus stand vorrangig der quantitative und zügige Abbau des gravierenden Wohnungsleerstandes im Vordergrund. Bisher wurden in Chemnitz 10.500 Wohnungen abgerissen. Mit dem künftigen Stadtumbau müssen qualitative Aspekte stärker Berücksichtigung finden, über die Anpassung des Wohnungsbestandes an die Nachfrage hinaus. Zu berücksichtigen sind die Auswirkungen auf die soziale und technische Infrastruktur, die Nachnutzung freiwerdender Flächen, die Stadtbildqualität sowie die nachhaltige und effiziente Stadtentwicklung generell. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund sich weiterhin abzeichnender demografischer Veränderungen und knapper werdender öffentlicher Mittel.
In einem kooperativen Werkstatt-Verfahren wurde deshalb die Stadtumbaukonzeption für Chemnitz über das Jahr 2010 hinaus strukturiert und im engen Kontext dazu acht ausgewählte Stadtteile nach städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Kriterien auf ihr Stadtumbaupotenzial näher untersucht.
Die Ergebnisse, die zwischenzeitlich bereits auf mehreren Bürgerforen der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sind vom 16. November bis 31. Dezember 2006 in einer Ausstellung im Foyer des Technischen Rathauses zusammengefasst dargestellt. Wichtig ist den Verfassern vor allem der Vergleich zwischen den Stadtteilen. Stadtumbau muss als gesamtstädtischer Prozess begriffen werden. Das Stadtumbaukonzept ist zum einen Grundlage dafür, in welchen Stadtbereichen weiter modernisiert oder neu gebaut werden soll, zum anderen aber auch dafür, wo dauerhaft leerstehende Häuser abgerissen werden müssen, um das Stadtbild aufzuwerten und das Wohnen in der Nachbarschaft nicht zu beeinträchtigen.
Auf der Grundlage des vorgestellten Stadtumbaukonzeptes hat der Stadtrat am 5. April 2006 erste notwendige Beschlüsse zur strategischen Neuorientierung des Fördermanagements in der Stadtentwicklung von Chemnitz getroffen. Gleichzeitig wurde die Stadtverwaltung beauftragt, anhand der vorliegenden Stadtteilkonzepte einen intensiven Diskussions- und Mitwirkungsprozess der Stadtbevölkerung zu organisieren und in dessen Ergebnis die Stadtumbaukonzepte gegebenenfalls zu präzisieren.