bisherige Ausstellungen 2011
Rückblick:
Max Slevogt - Malerei und Grafik -
11. Juni - 4. September 2011
Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentierten erstmals eine umfangreiche Max Slevogt-Ausstellung in Kooperation mit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarlandmuseum Saarbrücken.
Anhand zahlreicher Gemälde und Grafiken wurde das einzigartige OEuvre des deutschen Impressionisten in der Ausstellung MAX SLEVOGT. Malerei und Grafik vom 11. Juni bis 4. September 2011 in den Kunstsammlungen Chemnitz präsentiert. Die Ausstellung setzte sich aus einer Auswahl der über fünfhundert grafischen Arbeiten umfassenden Sammlung und der Gemälde aus dem Bestand der Kunstsammlungen Chemnitz, sowie exquisiten Leihgaben aus dem Saarlandmuseum Saarbrücken zusammen. Gezeigt wurden insgesamt einhundertdreißig Werke des bedeutenden Impressionisten aus den Jahren 1887 bis 1932. Es waren neben Slevogts hinreißenden Darstellungen von Tänzerinnen, Musikern oder Porträts aus dem gesellschaftlichen Leben, den Licht durchfluteten Landschaften und den Stillleben, auch seine Bühnenentwürfe für die Aufführung des „Don Giovanni“ 1924 in der Staatsoper Dresden und die Illustrationen zu James Coopers „Lederstrumpf“ zu sehen.
Max Slevogt (1868 - 1932) steht neben Max Liebermann und Lovis Corinth in engster Verbindung mit der großen Blütezeit des deutschen Impressionismus. Die 30 in der Ausstellung präsentierten Gemälde, davon 28 Leihgaben aus dem Saarlandmuseum Saarbrücken, entstanden zwischen 1887 und 1931. Sie zeigen Motive, die Slevogt immer wieder fesselten: Frauen- und Männerporträts, Landschaften, Tiere und Rollenporträts wie Tänzerinnen, Schauspieler oder Musiker, ebenso Stillleben, Stadtansichten, thematische Szenen und eines seiner wenigen Frauenakte. Seine Gemälde in dunkler Akademie-Malerei kontrastieren zu den Bildern in impressionistisch heller Leichtigkeit. Seit der Kindheit bestimmte Kultur das Leben von Max Slevogt. Geprägt von seiner musikalischen Mutter, nutzte er sowohl in München als auch in Berlin jede Gelegenheit, Kulturveranstaltungen zu besuchen.
Noch vor seinem bekanntesten Rollenporträt des portugiesischen Sängers Fransisco d`Andrade als „Don Giovanni“ schuf Slevogt drei Bildnisse der japanischen Tänzerin Sada Yakko. Bei dem in der Ausstellung gezeigten Gemälde von 1901 handelt es sich vermutlich um die erste Version. Der Künstler war von der exotischen Erscheinung Sadas fasziniert, als er sie 1901 bei einer Aufführung in Berlin sah. All dies ließ er in das Porträt der Schauspielerin einfließen, deren Bühnenpräsenz ganz von dem Blau, Rot und Gelb schimmernden Kleid und der langstieligen Orchidee bestimmt wird.
Die Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz verdeutlicht aber nicht nur Slevogts malerische Begabung, sondern zeigt auch, dass er ein begnadeter Zeichner und Grafiker war. Bereits zu Lebzeiten gehörte er zu den gefragtesten Porträtisten, Bühnenbildnern und Buchillustratoren. Slevogt hat von 1890 bis kurz vor seinem Tode ein beachtliches grafisches Werk geschaffen. Die Werkverzeichnisse der Druckgrafik beschreiben insgesamt 2100 Blätter, einschließlich der zahlreichen Illustrationen für Bücher, Mappen und Zeitschriften. Im Bestand der Kunstsammlungen Chemnitz überwiegen mit 504 druckgrafischen Arbeiten und 7 Büchern mit Originalgrafik die illustrierten Mappenwerke.
Die Ausstellung MAX SLEVOGT. Malerei und Grafik zeigte eine Auswahl von 100 Blättern. Seine Grafiken bewegen sich zwischen Illustrationen, die literarische Vorlagen kommentieren und von unmittelbarer Begeisterung getragen sind, zeigen aber auch eine Seite, die mit düsteren Visionen von Hexen, Dämonen und Teufeln seine Helden machtlos erscheinen lassen. Beide Facetten des Künstlers sind in den Kunstsammlungen Chemnitz im Bestand mit ausdrucksstarken Beispielen vertreten.
geschenkt - gestiftet - erworben
Kunstsammlungen Chemnitz 1997 - 2010
3. April - 29. Mai 2011
Die Ausstellung geschenkt – gestiftet – erworben. Kunstsammlungen Chemnitz 1997 – 2010 vom 3. April – 29. Mai 2011 gab einen umfassenden Einblick in die Schenkungs- und Ankaufsgeschichte der Kunstsammlungen Chemnitz seit 1997. Zwischen 1997 – 2010 wuchs der Bestand der Kunstsammlungen Chemnitz um mehr als 6000 Werke von 650 Künstlern. Es ist nicht möglich all diese Kunstwerke auf einmal zu zeigen, daher präsentierte die Ausstellung einen kleinen, aber bedeutenden Ausschnitt. Gezeigt wurden 80 Schenkungen, Stiftungen und Ankäufe aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Grafik, unter anderem von Max Beckmann, Honoré Daumier, Lyonel Feininger, Edvard Munch, Pablo Picasso und Karl Schmidt-Rottluff.
Die Kunstsammlungen Chemnitz verloren während der Zeit des Nationalsozialismus durch Verkauf, Tausch und Beschlagnahme fast 1000 Kunstwerke. Sie gehören damit zu den verlustreichsten deutschen Museen. Diese schmerzliche Sammlungslücke konnte während der DDR-Zeit aus politischen Gründen nicht geschlossen werden. Heute fehlen vor allem Ankaufsmittel. Gäbe es neben öffentlichen Geldern nicht auch noch private Mäzene, wäre die Fortführung einer Sammlungstätigkeit, eine der Hauptaufgaben von Museen, nicht möglich. Daher ist jedes Museum auf Unterstützung angewiesen. Besonders in den Jahren zwischen 1997 – 2010 konnten wichtige Werke für den Sammlungsbestand gesichert werden.
Dazu gehören zum Beispiel „Kopf eines Denkers“ von Wilhelm Lehmbruck, „Gartenstraße“ von Karl Schmidt-Rottluff oder „Ausblick aus der Villa Aurora“ von Max Beckmann. Hinzu kamen auch große Sammlungen wie das gesamte druckgrafische OEuvre von Wolfgang Mattheuer (859 Blätter/Schenkung Hartmut Koch) oder die Sammlung Flügge mit 600 zeitgenössischen Werken. Ein besonderer Zugewinn war der Nachlass von Carlfriedrich Claus mit allein 22 000 Briefen, der privaten Bibliothek des Künstlers und zahlreichen Kunstwerken. Zudem gelang es die Stiftung Gunzenhauser (2400 Arbeiten) an die Kunstsammlungen Chemnitz zu binden und Werke Henry van de Veldes als großzügige Schenkungen in die Sammlung zu integrieren.
Hinzu kamen außerdem 300 Holzschnitte, Radierungen und Aquarelle von Lyonel Feininger (Sammlung Harald Loebermann), ebenso 14 Lithografien von Pablo Picasso, 100 Künstlerplakate aus der DDR durch Margrit und Gert Becker oder 483 Plakate von Klaus Staeck.
Wichtige Werke von Georg Baselitz, Anthony Cragg, Günter Förg, Françoise Gilot, Jörg Immendorff, Ida Kerkovius, Markus Lüpertz, A.R. Penck, Richard Serra, Nina Sten-Knudsen, Norbert Tadeusz oder Andy Warhol kamen ebenfalls in die Sammlung.
Mit Hilfe der überaus großzügigen finanziellen Zuwendungen gelang es daher in den letzen Jahren, erhebliche Sammlungslücken zu schließen und damit den Rang des Museums zu stärken. Die generösen Schenkungen und Ankäufe ermöglichen den Kunstsammlungen Chemnitz nicht nur die umfassende Präsentation unterschiedlicher Künstlerpositionen, sie ergänzen darüber hinaus den Sammlungsbestand um zentrale Werke vornehmlich deutscher Kunst. Daher sind die Kunstsammlungen Chemnitz allen bisherigen Mäzenen zu größtem Dank verpflichtet.
Um dieses außergewöhnliche Engagement der Schenker, Stifter und Geldgeber zu würdigen, erschien ein umfangreicher Katalog.
Deutsche Impressionisten
18. Dezember 2010 - 25. April 2011
Von Frankreich ausgehend nahm der Impressionismus um 1850 entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Kunst. In Deutschland zeigten sich die Auswirkungen der neuen Malweise erst spät. Sie erstreckten sich auf einen Zeitraum zwischen 1890-1930. Bis 1905 blieb der Impressionismus die einflussreichste Kunstrichtung, die den Weg für nachfolgende stilistische Tendenzen bereitete.
Der deutsche Impressionismus unterscheidet sich von seinem französischen Vorbild durch eine territorial bedingte Motivwahl in Verbindung mit einer tonalen Farbigkeit. Das graphische Element der Zeichnung bleibt ein wichtiges Gestaltungsmittel. Entsprechend dem Anliegen des Impressionismus ist die Betonung des Lichtes in seinen unterschiedlichen Variationen und die Erfassung eines augenblicksgebundenen Momentes ein verbindendes Merkmal. Die skizzenhafte Darstellung und die Auswahl eines ausschnitthaft wirkenden Motivs kennzeichneten die moderne Auffassung. Eine neue Maltechnik, das direkte Auftragen der Farbe „alla prima“ auf den Bildträger gestattete das direkte Malen vor der Natur. Die industrielle Fertigung von Ölfarben in Tuben ab Mitte des 19. Jahrhunderts unterstützte diesen maltechnischen Entwicklungsschritt.
Die bedeutendsten Vertreter des Deutschen Impressionismus, wie Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt, Gotthardt Kuehl, Fritz von Uhde oder auch Robert Sterl sind in den Kunstsammlungen Chemnitz mit Werken vertreten. Mit der neuen Sonderausstellung Deutsche Impressionisten präsentierten die Kunstsammlungen Chemnitz eine Auswahl von Werken deutscher Impressionisten aus der Sammlung Malerei.
Michael Morgner - Bilder 1985 - 2008
30. Januar - 20. März 2011
Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentierten vom 30. Januar – 20. März 2011 die Ausstellung „MICHAEL MORGNER. Bilder 1985–2008“. Gezeigt wurde ein Überblick von mehrteiligen und großformigten Werkkomplexen des Chemnitzer Künstlers, die zwischen 1985 – 2008 entstanden sind. Neben zwei Einzelwerken, 3 Figuren im Raum und Studie zum Turiner Schweißtuch, umfasste die Ausstellung fünf mehrteilige Arbeiten: die Triptychen Jüdisches Requiem und die beiden Gletscher-Triptychen sowie den Vierteiler Einsiedel und das Pentaptychon Selbstporträt. Allgemein bedient sich die expressive Bildsprache seiner Werke verschiedener Mischtechniken auf Papier und vereint Tuschzeichnungen mit Prägedruck, Radierungen und Lavagen. Oftmals wird die Bildoberfläche nachträglich bearbeitet, beispielsweise werden einzelne Partien vom Maluntergrund abgeschält oder mit Hautabdrücken versehen.
Die Titel der Exponate lassen anklingen, dass es sich bei Morgners Arbeiten um existenzielle Fragestellungen handelt. Es liegt in der Natur künstlerischer Existenz, seinem Selbstverständnis als Künstler, den Arbeitsbedingungen und den Zeitläufen, in denen sein Werk seit Ende der 1960er Jahre entstanden ist, dass seine Bilder den Charakter von Botschaften haben und sich in monumentaler Gestalt Ausdruck verschaffen. Seine Bilder sind mit figurativen Metaphern menschlicher Erfahrungen durchsetzt: die Figuren „Angst“, „Schreitender“ und „Aufsteigender“, welcher auch in dem Werk 3 Figuren im Raum von 2008 als empor steigende Erscheinung auftaucht, durchziehen sein gesamtes OEuvre. Das fünfteilige Selbstporträt von 2006, welche alle drei Figuren vereint, ist ein programmatisches Manifest über das Selbstverständnis eines Künstlers in verschiedenen politischen Umbrüchen,
Morgner wurde während des 2. Weltkrieges geboren, wuchs in der DDR auf, erlebte die Wende 1989. Die drei Figuren − die „Angst”, der „Schreitende”, der „Aufsteigende” –, die er nach der Fertigstellung auf die drei inneren Tafeln aufgebracht hat, sind dabei keine Prägedrucke, er hat hier die Schablonen selbst verwendet.
Am 6. April 1942 wird Michael Morgner in Chemnitz geboren. Nach seinem Studium von 1961 – 66 in Leipzig arbeitete er mit grafischen Techniken und dadurch mit entsprechend limitierten Formaten, ab 1982 - im Zusammenhang mit seiner Hinwendung zu religiösen Themen – ging er in größere Formate und zur experimentellen Entwicklung neuer Techniken über. Ab 1984 entstand die Grafikmappe Ecce Homo, in der er sein Erlebtes in die christliche Leidensgeschichte einbrachte. Diese Mappe steht am Beginn einer existen-ziellen Thematik, in der die Passion Christi zum Symbol für das Leiden des Einzelnen und aller Entrechteten wird. Einsiedel ist für Michael Morgner eines seiner Schlüsselbilder, das noch zur DDR-Zeit geschaffen wurde. In der Ausstellung MICHAEL MORGNER. Werke 1985-2008 werden erstmalig alle vier Teile zusammen gezeigt. In Einsiedel, dem eingemeindeten Ort bei Chemnitz,
hat der Künstler die meiste Zeit seines Lebens verbracht. „Einsiedel 5.3.1945 ist noch nie zusammenhängend gezeigt worden und ist für mich die wichtigste Arbeit. […]Ich bin Einsiedler, habe seit 1942 nur kurz im Nachbarort gewohnt. 1945 haben sich meine Verwandten aus Angst vor den Russen erschossen. Ich habe Glück gehabt”, so Michael Morgner. Einsiedel entstand 1985/86, also 40 Jahre nach der Bombardierung, die sich dem damals Drei-jährigen für immer eingeprägt hatte. 1988, zwei Jahre danach, begann Morgner, am Deutschen Requiem zu arbeiten, das der kollektiven Erinnerung gewidmet ist. Im Jahre 2000 entstand das in der Ausstellung gezeigte klassische Triptychon Jüdisches Requiem als Teil und Fortführung des Deutschen Requiems. Für Morgner ist das Jüdische Requiem ein Manifest des Gedenkens, sowohl des persönlichen wie des kollektiven, und es ist eine Auseinandersetzung
mit der Verdrängung der Schuld am Holocaust durch den DDR-Staat, der Kriegsverbrechen und den Holocaust auf die Bundesrepublik als Nachfolgestaat des Dritten Reiches abschob. Durch den Mauerfall bedingt, gelang es 1989 dem Künstler an Arbeitsmaterialien für größere Formate heranzukommen. Von da an sind seine Arbeiten meist in komplexer Technik und mit spontaner Heftigkeit geschaffene Bilder.
In den beiden gezeigten monumentalen Gletscher-Triptychen von 2007 griff Morgner die „Klima“-Thematik, die er bereits 1990 mit seinen Radierungen zum Thema „Tauwetter“ als Symbol für den Kalten Krieg verwendete, wieder auf. Dieses Thema bildet neben dem Leidens- und Auferstehungsmotiv die zweite durchgehende Thematik seines künstlerischen Schaffens. In seiner Studie zum Turiner Schweißtuch von 2007 veranschaulicht Morgner die Spuren der physischen Verletzungen Christi durch Folterung und Kreuzigung. Für die katholische Kirche stellt das Tuch eine existenzielle Beziehung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten und somit indirekt zwischen dem Gläubigen und seinem Gott her. In Morgners Arbeit wird die Leinwand zum Träger von Verletzungsspuren. Morgner hat mit dieser Studie ein eindringliches Memento mori geschaffen, das schemenhaft den Übergang vom Leben zum Tod visualisiert und dennoch sprichwörtlich ‚unter die Haut’ geht.
Michael Morgner gehört zu den Künstlern, die nicht nur die Chemnitzer Kunstszene prägten, sondern dessen Werk auch überregional geachtet und anerkannt ist. Als Gründungsmitglied der Produzentengalerie Galerie Oben 1973 und der Chemnitzer Künstlergruppe „Clara Mosch“ 1977, Mitinitiator des Kunstvereins „Kunst für Chemnitz“, sowie zahlreichen öffentlichen Streitgesprächen entspricht er nicht dem zurückgezogenem Atelierkünstler, vielmehr bewegt er sich gerne und mit enormer Energie an der Schnittstelle zwischen Kunst und Gesellschaft.
Jan Dibbets - Horizons
30. Januar - 13. März 2011
Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentierten vom 30. Januar – 13. März 2011 den zeitgenössischen Konzeptkünstler Jan Dibbets. Zahlreiche internationale Ausstellungen belegen seine gestalterische Kraft. Die in der Ausstellung JAN DIBBETS. Horizons gezeigten Papierarbeiten stammen aus der Serie New Horizons/Land + Sea. Es sind hauptsächlich große Formate, die unterschiedlich angeordnet, ein Nebeneinander von Dünen- und Meerlandschaften zeigen und beim Betrachter tradierte Sehgewohnheiten entlarven. Nach 1997 war es die zweite Einzelausstellung von Jan Dibbets, die in den Räumen der Kunstsammlungen Chemnitz präsentiert wurde.
Jan Dibbets, der am 9. Mai diesen Jahres seinen 70. Geburtstag begehen wird, wurde 1941 in Weert (Niederlande) geboren. Von 1959-63 studierte er an der Kunstakademie in Tilburg, Niederlande und 1967 an der St. Martin's School of Art, London, wo er den englischen Land Art-Künstler Richard Long kennenlernte. Jan Dibbets zählt mit seinen Werken neben Mike Heizer, Dennis Oppenheim, Walter de Maria, Robert Morris und Robert Smithson zu den bedeutendsten Vertretern der Land Art. Einzelausstellungen in bedeutenden Museen hatte der renommierte Künstler u.a. im Stedelijk van Abbemuseum Eindhoven (1971), Museum of Modern Art Oxford (1977), Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris (1980), Guggenheim Museum New York (1987), Witte de With Rotterdam (1996) oder im Miami Art Museum (2007).
Dibbets war Teilnehmer der documenta 5 (1972), 6 (1977) und 7 (1982), sowie bei den Biennalen in Tokio (1970), Sydney (1979), Venedig (1972/88) und São Paolo (1983) vertreten. Von 1984 – 2004 hatte er zudem eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. Als Künstler beschäftigt er sich seit Ende der sechziger Jahre mit natürlichen Landschafträumen als künstlerisches Gestaltungsmittel, mit dem Problem der Wahrnehmung, der Sinnestäuschung und der bildlichen Illusion. Seit 1968 ist Dibbets in der Kunstwelt bekannt durch seine Land Art-Realisationen zum Thema „Korrektur der Perspektive“. Beispielsweise zeichnete er 1969 mit Hilfe eines Bulldozers eine trapezoide Form in den Küstensand der Nordsee, die dann in einer Foto- und Videoaufzeichnung als Quadrat erschien. Aus diesen ersten Erfahrungen
im Bereich der Land Art entwickelte Dibbets seine konzeptuellen Arbeiten – montierte Landschaftsfotos, in denen die künstlerische Auseinandersetzung mit Licht, Schatten und Perspektive im Mittelpunkt steht - heraus.
Die in den Kunstsammlungen Chemnitz gezeigten Arbeiten rufen zunächst einmal beim Betrachter eine Irritation hervor, denn der Horizont der abgebildeten Landschaften scheint aus dem Gleichgewicht zu geraten, da die auf Papier montierten Fotografien nicht wie gewohnt im rechten Winkel einen Wirklichkeitsausschnitt präsentieren. Obwohl die Fotografien auf dem Bildträger schräg aufgebracht sind, wird der Horizont seinem Namen gerecht und bildet eine Horizontale. Bereits 1974 betonte Dibbets in einem Gespräch: „Horizont ist die schönste Linie, die es gibt, zwei- und dreidimensional gleichzeitig; sie hat auch keine Perspektive.“ Jan Dibbets fragt in seinen Werken nach dem Blickwinkel, aus dem heraus wir heute die Wirklichkeit wahrnehmen, er möchte die Möglichkeiten der Wahrnehmung von Wirklichkeit beim Betrachter erweitern.
Die Serie New Horizons/Land + Sea von 2007 kombiniert in den gezeigten Arbeiten jeweils das Bild einer bis zum Horizont reichenden grünen Wiese mit dem eines tiefblauen, von Wellen aufgeschäumten Meeres. Beide zusammengefügten Landschaftsausschnitte haben einen in der Farbe ähnlichen wolkenlosen Himmel. Diese Fotos fügt Dibbets auf einem Blatt Papier so zusammen, dass die beiden Horizontlinien der Wiesen- und Meerlandschaft eine durchgehende Gerade ergeben. Mit Bleistift zeichnet er dann noch einen feinen Rahmen um die Arbeit. Die vordergründig dargstellte romantische Unendlichkeit der Landschaft verflüchtigen sich schnell. Denn diese Arbeiten sind als minimale Collagen von größtmöglicher Neutralität angelegt; Dibbets hat auf alles Störende und Schmückende verzichtet. Besonders das Werk Sectio Aurea C steht
im Gegensatz zu den anderen Arbeiten aus der Serie New Horizons/Land + Sea. Hier sind die zwei Bilder leicht geneigt und ohne direktes Aneinanderstoßen auf das Papier aufgebracht. Dennoch entsteht in der Vorstellung des Betrachters automatisch ein durchgängiger Horizont. Der Titel Sectio Aurea, Goldener Schnitt, ist in der Kunstgeschichte ein Inbegriff der Ästhetik und Harmonie. Aber um ideale Proportionen und mathematische Verhältnisse geht es nur vordergründig. Was Dibbets hier zeigen will, ist das Verhältnis von Abbild und Abstraktion.
Dibbets zeigt uns in seinen Werken einen neuen Weg, indem er die Gegenpole Realismus, also Realitätsabbildung und Abstraktion untrennbar ineinander verzahnt. Das Gegenständliche kann zur Abstraktion werden, und ungegenständliche Elemente können sich als Abbilder von Wirklichkeit entpuppen, so der Grundgedanke der Ausstellung JAN DIBBETS. Horizons. Mit seiner Kamera betreibt Dibbets ein Art Vermessung der Erde im ursprünglichsten Sinn des Wortes, wobei die herkömmliche, perspektivische Darstellungsweise immer in Frage gestellt wird und neu durchdekliniert ist. Implizit thematisieren alle Arbeiten von Dibbets den fotografisch festgehaltenen Gegensatz von Wirklichkeit und deren konzeptueller Interpretation.
Erste Bauhausmappe in Weimar 1921 - 12 Holzschnitte von Lyonel Feininger
18. Dezember 2010 - 27. Februar 2011
Ein Glücksfall für die Kunstsammlungen Chemnitz war, dass 2009 nach zehnjährigem Bemühen mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Chemnitz und des Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien ein Feininger - Konvolut mit 300 Arbeiten ange-kauft werden konnte. Dass dieses Konvolut hierher kam, passt gut zu Chemnitz: schon vor über 80 Jahren hatte Chemnitz eine erste Feininger-Ausstellung gezeigt, es folgten Ausstellungen 1996 und 2006; darüber hinaus war Feininger mit dem in Chemnitz geborenen Karl Schmidt-Rottluff befreundet, der 1915 ein Porträt von ihm schuf.
Die Sammlung Harald Loebermann gibt einen umfassenden Einblick in alle Facetten des grafischen Werkes Feiningers innerhalb eines Zeitraumes von 1910–1955, von der Karikatur bis zum amerikanischen Spätwerk. Besonders wertvolle Teile des Feininger-Konvolutes sind die zwischen 1918 und 1920 entstandenen zahlreichen Holzschnitte und die zwischen 1937 und 1955 entstandenen Aquarelle aus seiner Zeit in den Vereinigten Staaten. Harald Loebermann, der 1996 verstorbene Nürnberger Architekt, trug in über 30 Jahren zwei Drittel von Feiningers umfangreichem Holzschnitt-OEuvre und je ein Drittel seiner Radierungen und Lithografien zusammen. Somit übertrifft die weltweit größte Privatsammlung des grafischen Werkes von Lyonel Feininger selbst die musealen amerikanischen Kollektionen.
In der Ausstellung Erste Bauhausmappe in Weimar 1921 - 12 Holzschnitte von Lyonel Feininger wurde – nach der großen Sammlungspräsentation 2009 - ein weiterer Auszug aus dem Feininger-Bestand in den Kunstsammlungen Chemnitz gezeigt. Zu sehen war die komplette Grafikmappe des Künstlers, die am Bauhaus Weimar herausgegeben wurde. Lyonel Feininger wurde von Walter Gropius als einer der ersten Lehrer an das im April 1919 eröffnete Bauhaus berufen. Feiningers erste Arbeit für das Bauhaus war der Holzschnitt Kathedrale für das Deckblatt des Bauhaus-Manifestes im Jahr 1919. 1921 erschien dann seine erste Bauhausmappe mit 12 kleinformatigen Holzschnitten, die teilweise bereits vor der Bauhauszeit entstanden Arbeiten enthielt. Diese Mappe war übrigens die erste Editionsmappe am Bauhaus Weimar überhaupt.
ars viva 2010/11 - Labor / Laboratory
17. Oktober 2010 – 16. Januar 2011
Eine Ausstellung der PreisträgerInnen Bildende Kunst des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V., in Kooperation mit den Kunstsammlungen Chemnitz, dem SALT Beyoğlu, Istanbul und dem Kunstmuseum Stuttgart
Die Kunstsammlungen Chemnitz konnten in diesem Jahr die Ausstellung des renommierten ars viva-Preises zum Thema Labor / Laboratory präsentieren. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. vergab den mit je 5.000 Euro dotierten ars viva-Preis im Bereich Bildende Kunst an Nina Canell, Klara Hobza, Markus Zimmermann und Andreas
Zybach. Mit dem Preis sind drei Ausstellungen der Reihe ars viva, ein begleitender zweisprachiger Katalog sowie eine Künstleredition verbunden. Die vier Preisträger wurden aus 39 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt, in deren Werken die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Praxis des Kunstschaffens, insbesondere nach Experimentierformen und der
Rolle des Zufalls für die Kunstproduktion steht. Dazu der Vorsitzende des Gremiums Bildende Kunst im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, Dr. Arend Oetker: „Die Preisträger zeichnen sich durch sehr unterschiedliche und einfallsreiche Herangehens- und Arbeitsweisen in Zusammenhang mit dem Thema aus. Die mitunter vom Zufall gelenkte Erforschung von Materialien
und Situationen sowie den damit verbundenen biologischen, physikalischen und gesellschaftlichen Fragestellungen faszinierten mich bei der diesjährigen Auswahl besonders.“
Der Jury unter Vorsitz von Dr. Arend Oetker gehörten in diesem Jahr die Kuratoren Dr. Ulrike Groos und Dr. Daniel Spanke (Kunstmuseum Stuttgart), Ingrid Mössinger und Anja Richter (Kunstsammlungen Chemnitz), Vasıf Kortun und November Paynter (SALT Beyoğlu, Istanbul) sowie Dr. Christane Schneider (westlondonprojects, London) und sechs Mitglieder des Gremiums Bildende Kunst des Kulturkreises an.
Ebenso unterschiedlich wie das, was in Laboren erarbeitet wird, ist die Bandbreite der vier ausgezeichneten Künstler. Ihre Arbeiten werden an den drei Präsentationsorten höchst eindruckvoll zu erkunden sein. Bewusst wenden sich Canell, Hobza, Zimmermann und Zybach Methoden zu, die auch die empirischen Wissenschaf-ten kennzeichnen: dass Erkenntnisse mit einem Rückgriff auf direkte Beobachtung und sinnliche Erfahrung gewonnen werden und dass
Experimente und Feldbeobachtung die Mittel dafür sind. Die Künstler wenden mitunter eine dem wissenschaftlichen Vorgehen entsprechende Systematik an, die einer Versuchsanordnung ähneln kann. Bei Nina Canell und Andreas Zybach überzeugte vor allem der ephemerexperimentelle Charakter ihrer sowohl poetischen als auch humorvollen Installationen. Die Unbedingtheite ihrer performativen und vorallem prozessorientierten Versuchsanordnungen
war bei Klara Hobza ausschlaggebend. Die sinnlich-ästhetische Erforschung unserer räumlichen Wahrnehmung in Form von „Guckkästen“ beeindruckte die Jury bei Markus Zimmermann.
Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentierten neben bedeutenden Ausstellungen zur Klassischen Moderne regelmäßig auch zeitgenössische Kunst. Labor / Laboratory war die zweite Ausstellungdes Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. in Chemnitz. Bereits 1995 fand hier die ars viva 94/95 zum Thema „Zeichnung und Raum“ statt. „Dass Museen in Chemnitz, Istanbul und Stuttgart für die diesjährige Präsentation ausgewählt wurden, ist nicht nur höchst erfreulich,
vielmehr äußerst ermutigend, sich nicht nur mit bereits etablierter, sondern auch mit junger, zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen“, so Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V., die vom 15. bis 17. Oktober 2010 in Chemnitz stattfindet, werden am Samstag, den 16. Oktober 2010, um 20.00 Uhr die „ars viva“-Kunstpreise an die vier
Künstler überreicht, sowie die erste „ars viva 2010/11“-Ausstellungsstation in den KUNSTSAMMLUNGEN CHEMNITZ eröffnet.