Tag des offenen Denkmals 2009 am 13. September in Chemnitz
Thema: "Historische Orte des Genusses"
Der Tag des offenen Denkmals 2009 stellt Historische Orte des Genusses in den Mittelpunkt.
Historische Orte des Genusses, der Freude, Entspannung und Erholung gibt es überall. Sie sind ebenso vielfältig wie individuell. Viele denken an historische Wirtshäuser, an Essen und Trinken, Festsäle in Schlössern oder Ausflugslokale. Andere verbinden historische Orte des Genusses mit blühenden alten Gärten und Parks, mit Bädern und Wellness-Oasen oder mit Orten im breiten Spektrum der kulturell-musischen Genüsse.
Als historische Gebäude und Anlagen entsprechen diese Orte damit einer breiten Denkmallandschaft, und aus den reichlich vorhandenen historischen Orten des Genusses in Chemnitz haben die Veranstalter zum Tag des offenen Denkmals eine repräsentative Auswahl getroffen und laden zum Besuch ein.
Das historische Filmtheater „Metropol“
Zwickauer Straße 11
Im historischen Filmtheater "Metropol" an der Zwickauer Straße 11 findet die Eröffnung des diesjährigen Tages des offenen Denkmals statt.
Kinos erfreuen sich seit der Erfindung der „bewegten Bilder“ im 19. Jahrhundert bis heute größter Beliebtheit. Während die frühe Kinomatografie noch mobil in Gasthöfen und Festsälen statt fand, wurden nach 1900 die so genannten „Wanderkinos“ durch feste Spielstätten abgelöst. Neben dem Clubkino „Capitol“ in Siegmar ist das „Metropol“ das letzte noch betriebene historische Kino in Chemnitz.
Das Gebäude wurde 1911 bis 1913 nach Plänen des Chemnitzer Architekten Wenzel Bürger als „Variete-Theater Metropol“ erbaut. Angeschlossen war eine Hotelpension modernster Ausstattung mit 34 Zimmern.
Es war ein Bauwerk von monumentaler Erscheinung, reich gegliedert mit Reliefs, Plastiken und unterschiedlichen Turmaufbauten. Die Architektur trägt Elemente des Historismus und des Jugendstils.
Bei den Bombenangriffen im März 1945 erlitt das Gebäude einige Schäden an den Dächern und Turmaufbauten. Nach dem Wiederaufbau, wenn auch im Dachbereich vereinfacht, stellt sich der Gebäudekomplex noch in der ursprünglichen Kubatur dar und die Fassade zeigt Elemente aus der Entstehungszeit.
Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude weiter als Filmtheater genutzt. 1987 erhielt die Fassade einen verfälschenden dunkelgrünen neuen Außenputz. Nach der politischen Wende übernahm die „Universum Film AG“ das Objekt, ab 1998 die Hamburger Firma „KKE“. Von dieser stammt das Konzept mit den niedrigen Preisen, welches die heutigen Eigentümer, Evelin und Detlef Paulat, weiterführen. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Sanierung etappenweise stetig voran geht, teilweise unterstützt mit Fördergeldern des Denkmalschutzes.
Im Inneren wurde z.B. die Eingangshalle mit den prunkvollen Mosaiken restauriert und auch das äußere Erscheinungsbild veränderte sich sichtbar durch die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbfassung.
Am 13. September 2009 besteht zwischen 12 und 14 Uhr die Möglichkeit, sich auch im Inneren des Kinos umzuschauen. Die Eigentümer Frau und Herr Paulat sowie Frau Hartung von der Denkmalschutzbehörde erläutern die Geschichte des Gebäudes und die Probleme und Erfolge bei der Sanierung des Denkmals.
Das historische Ausflugslokal „Zeisigwaldschänke“
Forststraße 100, im Zeisigwald
Wald- und Parkschänken zeichnen sich durch eine idyllische Lage, rustikal-gemütliche Gasträume, großzügige Biergärten oder Sommerterrassen und Wintergärten aus. Die Zeisigwaldschänke ist die letzte original erhaltene denkmalgeschützte Waldschänke in Chemnitz.
1898 pachtete die Aktien-Lagerbierbrauerei Schloßchemnitz ein Grundstück im Zeisigwald von der Stadt und ließ 1899 von Baumeister A. Trübenbach eine Waldschänke in traditioneller Fachwerkkonstruktion des Heimatstils errichten.
Nach 1905 befand sich diese im Eigentum der Stadt, erste Erweiterungen unter Stadtbaurat Richard Möbius folgten, große Sommerterrassen wurden angelegt. In den Jahren 1910 und 1913 kamen noch weitere Um- und Anbauten durch die Stadt mit den jeweiligen Pächtern hinzu, 1927 der Anbau des Wirtschaftsgebäudes und die Überformung des Festsaales und des Cafes in spätexpressionistischer Gestaltung. Von Kriegseinwirkungen verschont, erlebte sie ab 1947 wieder großen Zuspruch.
Später gab es keine Investitionen mehr und sie wurde als HO-Gaststätte abgewirtschaftet.
Aus Sichherheitsgründen musste sie Ende der 1980er Jahre geschlossen werden bis sich 2002 ein Investor fand. Besonders die Beseitigung des Hausschwammes und Maßnahmen zum Holzschutz, sowie die Dachsanierung machten einen großen Teil des Sanierungsaufwandes aus. Originale Fenster, Türen sowie Raumausstattungen wurden liebevoll aufgearbeitet. 2007 konnte noch ein ehemaliges Gartenhaus in Form einer kleinen Kapelle vom Grundstück Zeisigwaldstraße 76 zur Waldschänke umgesetzt und restauriert werden.
Die Zeisigwaldschänke Projektentwicklungs GmbH, Frau Ute Giloj und Herr Tilmann Krieger, unterstützt von Frau Bettina Schülke von der Denkmalschutzbehörde werden am Sonntag 12, 14 und 16 Uhr durch das Objekt führen und viele Details erläutern. Ab 12 Uhr gibt es Handwerksvorführungen und gastronomische Genüsse.
Die Villa Zimmermann: ein neogotischer Wohnpalast
Carolastraße 9 / Bahnhofsvorplatz
Nach dem Bau des Hauptbahnhofes entstand an dessen Vorplatz eine Reihe exklusiver Villen von Industriellen. Den Anfang machte 1865 der Maschinenbaukönig Johann von Zimmermann mit seinem neogotischen Wohnpalast.
Eine Chemnitzer Besonderheit: Johann von Zimmermann begründete seine Standortwahl mit seinem Fortschrittsglauben an die Modernität der Eisenbahn - dort wollte er hin! Die Pläne für den 1866-67 erbauten Wohnpalast erstellte 1865 der Architekt Otto Goetze aus Hannover. Goetze war ein Meisterschüler von Prof. Hase, welcher Mitte des 19. Jahrhunderts eine Speziallehranstalt für neogotische Architektur in Hannover aufgebaut hatte. Die Villa wurde von 1867 bis 1884 vom Bauherrn und dessen Familie als Wohnsitz genutzt.
Die städtebauliche Bedeutung erhält die Zimmermannsche Villa durch die markante Ecklage am Bahnhofsvorplatz zur Einmündung in die Carolastraße, der direkten Achse zum Theaterplatz mit Oper und Kunstsammlungen.
Die denkmalgerechte Sanierung und der Innenausbau mit teilweiser Restaurierung originaler Raumfassungen wurde Ende 2008 abgeschlossen. Es erfolgte die Umnutzung zu verschiedenartiger Gastronomie mit Tanz- und Musikveranstaltungen. Leider musste das Haus 2009 wieder schließen– soll aber bald neu eröffnen.
Zum Tag des offenen Denkmals 2009 besteht die Möglichkeit, sich um 15 Uhr einer Führung durch das Gebäude anzuschließen und sich die Architekturdetails und malerischen Innenräume von den Eigentümern und Herrn Thomas Morgenstern, Leiter der Denkmalschutzbehörde, erläutern zu lassen.
Die Stadthalle Chemnitz
Die Stadthalle Chemnitz ist fester Bestandteil der Chemnitzer Kulturszene aufgrund ihrer stadtbildprägenden, baukünstlerischen und stadtgeschichtlichen Bedeutung ein Kulturdenkmal.
Der Gebäudekomplex wurde zwischen 1969-74 erbaut und zählt zu den wichtigsten Beispielen der späten Moderne in der DDR-Architektur.
Der Architekt Rudolf Weißer mit seinem Kollektiv entwarf einen markanten Baukörper aus Sichtbetonelementen, Rochlitzer Porphyr und Glas und setzte das Dreiecksraster als einheitliches konstruktives und gestalterisches Ordnungsprinzip ein. Auch im Inneren ist der Komplex der Stadthalle mit kleinem und großem Saal noch heute von der DDR-Architektur gekennzeichnet: man denke dabei an die Lamellendecke in den Foyers oder die Betonstrukturwand von H. Schiefelbein im großen Saal.
Bildende Kunst vervollständigt die Gestaltung, im Inneren z. B die Plastik „… und sie bewegt sich doch“ von Fritz Cremer und das Wandbild von H. Zickelbein. Der durch Gartenarchitekt Karl Wienke geplante kleine Park mit Wasserspielen und Kunstobjekten zählt heute auch zum denkmalgeschützten Ensemble.
Zum Tag des offenen Denkmals 2009 besteht die Möglichkeit, sich 14 Uhr einer Führung durch das Gebäude mit Herrn Dr. Schulze und Mitarbeitern anzuschließen und sich die Architekturdetails und bildkünstlerischen Elemente, aber auch die funktionell-technischen Besonderheiten erläutern zu lassen.
Theaterplatz mit Opernhaus und Petrikirche
Ein Zentrum der historischen Orte des Genusses in Chemnitz ist der Theaterplatz mit dem König-Albert-Museum, dem Opernhaus, der Petrikirche und nicht zuletzt dem Hotel „Chemnitzer Hof“.
Unter Leitung von Stadtbaurat Richard Möbius entstand auf dem „Neustädter Markt“ der repräsentative „Königsplatz“, der heutige Theaterplatz. Von 1906 bis 1909 erbaute er das Neue Stadttheater (seit 1925 Opernhaus) und das König-Albert-Museum (Städtische Kunstsammlungen). Die festliche Einweihung beider Gebäude fand am 1. September 1909 im Beisein des sächsischen Königs statt.
Die Petrikirche wurde zwischen 1885-1888 erbaut, der Architekt war Hans Enger aus Leipzig. Es ist ein stattlicher neugotischer Kirchenbau von städtebaulicher Bedeutung, errichtet aus roten Klinkern und Sandstein. Der Turm hat eine Höhe von 82 m. Angeschlossen sind kleinere Treppentürme. Das Innere der Kirche ist prächtig ausgestattet und bietet 1200 Plätze.
1987 musste die Kirche jedoch bautechnisch bedingt schließen. Ab 1992 wurde die umfangreiche Sanierung der Kirche etappenweise begonnen: angefangen bei Turm und Dächern, Arbeiten an der Außenfassade bis hin zur kompletten Innensanierung inklusive der historischen Orgel, eine der größten Kirchenorgeln aus der Zeit der Neogotik in Chemnitz und Umgebung.
Im Jahre 2008 wurde die Fertigstellung der Arbeiten in der Petrikirche inklusive der Restaurierung der großen Orgel feierlich gewürdigt.
Auch zum Tag des offenen Denkmals 2009 besteht die Möglichkeit, sich 12 und 14 Uhr von Mitgliedern des Fördervereins „Sakralbau Petri e.V.“ die Baugeschichte und Sanierungsphasen, insbesondere auch die große Orgel erläutern zu lassen. Die Kirche selbst ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Das neue Stadttheater, heute Opernhaus, wurde zwischen 1906 und 1909 gebaut. Der Architekt war Richard Möbius, der eine repräsentative Theaterarchitektur im Stile des Späthistorismus und Jugendstil schuf. Das Gebäude brannte 1945 völlig aus und zwischen 1949 und 1951 erfolgte der Wiederaufbau unter Leitung der Architekten Prof. Ochs und Henn. Dieses wurde 1989-92 im Inneren völlig neu gestaltet.
Das König-Albert-Museum wurde etwa zeitgleich zum Opernhaus 1906/07 gebaut, ebenfalls geplant von Richard Möbius. Der ebenfalls späthistoristische Bau bildete den südlichen Abschluss des Theaterplatzes. Abgeschlossen wurde die Gestaltung des Theaterplatzes 1928-30 durch den Bau des Hotels „Chemnitzer Hof“ des Architekten Heinrich Straumer. Mit Errichtung des Hotels musste die am Standort befindliche Figurengruppe der „ 4 Tageszeiten“, geschaffen 1860-71 von Johannes Schilling, umgesetzt werden. Erst 1938 fanden die Figuren ihren neuen Standort in den Neuen Schloßteichnlagen, wo sie noch heute zu finden sind.
Orte des Genusses am Schlossberg
Der historisch bedeutsame Schloßberg ist seit vielen Jahren ein lokales Interessengebiet der Denkmalpflege in der Stadt Chemnitz.
Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an der Schloßkirche und an den Gebäuden des ehemaligen Klosters (heute Schloßbergmuseum) wurden in den letzten Jahren ebenso durchgeführt, wie die Sanierung der Fachwerkhäuser am Fuße des Schlossbergs durch Privateigentümer. Hier hat sich seit dem Jahre 2001 ein beliebtes „Kneipenviertel“ etabliert. Speziell diese Gaststätten im historischen Gewand der denkmalgeschützten Fachwerkhäuser Schlossberg 1, 2, 3, 4 und 8 sollen als Orte des kulinarischen Genusses auch 2009 wieder vorgestellt werden.
Eine Führungunter dem Motto „Genuss für Leib und Seele“ durch den Verein der Gästeführer Chemnitz ist ab 14.30 Uhr vorgesehen. Beginn der Führung an der Schloßkirche; weiter zu den Fachwerkhäusern am Schloßberg und dem Schlossteichpark. Die Schloßkirche selbst ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Die Stadtkirche St. Jakobi
Auch in altehrwürdigen Sakralbauten kann man den Genuss auf unterschiedliche Weise erfahren. Die meist sehr kostbare und schöne Ausstattung schmeichelt dem Auge des Besuchers. Die Ruhe und die Atmosphäre erlauben es zu meditieren. Ein besonderer Genuss kann auch ein Konzert im Kirchenraum sein.
St. Jakobi gehört zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten der Stadt Chemnitz und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Alten und Neuen Rathaus.
Vorgängerbauten sind für das 13. Jahrhundert nachgewiesen.
St. Jakobi nimmt in der gotischen Fassung als dreischiffige Hallenkirche mit dem doppelten Chorumgang eine besondere Stellung unter den mittelsächsischen Hallenkirchen ein. Der Hohe Turm des Rathauses war gleichzeitig Glockenturm von St. Jakobi. Zahlreiche Restaurierungen, Renovierungen und Umbauten veränderten die Gestalt der Kirche zwischen 1555 und 1912. Teil der historischen Ausstattung von St. Jakobi war das Heilige Grab (um 1490), heute als Leihgabe im Schloßbergmuseum zu bewundern.
Im Zuge eines um 1911/12 erfolgten Umbaus gestalteten die Dresdner Architekten Schilling & Graebner die Westfassade in der Formensprache des Jugendstils neu. Als die Chemnitzer Innenstadt im März 1945 im Bombenhagel versank, bot auch St. Jakobi ein trostloses Bild. Mit großer Kraftaufwendung gelang in schwerer Nachkriegszeit die Wiederherstellung des wertvollen Chores und 1960-61 der Aufbau des stattlichen Kirchendaches mit nachfolgender Rekonstruktion des Dachreiters (1962).
Für die Rekonstruktion der Hauptschiffe fehlten jedoch in der folgenden Zeit die Gelder. So fanden wir bis 2005 hier noch ruinenhafte Nachkriegszustände vor.
Die Außensanierung der Kirche wurde in den Jahren 1997-99 gänzlich aus Mitteln des Stadtsanierungsprogramms durch Bund und Freistaat gefördert, die dafür erforderlichen Eigenmittel vollständig aus dem Haushalt der Stadt finanziert.
Seit 1949 diente der gotische Hallenchor, der den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden hatte, ersatzweise als Kirchenraum, abgetrennt durch eine Querwand. Die städtebaulich zentrale Lage der Jakobi-Kirche im Herzen der Stadt, eingebettet in das reizvolle Ensemble der Rathäuser und im Mittelpunkt der neuen City, unterstreicht die Wichtigkeit der mehrfunktionalen Nutzung und der dafür notwendigen Innenraumsanierung.
Seit 2004 wurde die dreischiffige Halle für 2,4 Millionen Euro aus dem Programm Stadterneuerung saniert und teilweise rekonstruiert. Mit dem Einbau eines neuen Kreuzrippengewölbes wurde das Raumbild einer gotischen Hallenkirche wiederhergestellt. Am 19. Juli 2009 erfolgte die feierliche Weihe.
Zum Tag des offenen Denkmals 2009 besteht die Möglichkeit, sich 13 und 15 Uhr von Mitgliedern der Kirchgemeinde und des Fördervereins die Baugeschichte und Sanierungsphasen im Rahmen einer Führung erläutern zu lassen.