Die Entscheidung für ein Thema, welches durchaus ein Reizwort sein kann und so zu Reflektion und Positionierung auffordert, war ein Wagnis, welches wir gerne getragen haben und was uns schon im Vorfeld Skepsis, aber auch viel Lob eingebracht hat.
HEIMAT mit Hilfe verschiedener Kunstgenres zu beleuchten und aus vielen unterschiedlichen Aspekten zu betrachten, ist gut angenommen worden und hat insbesondere eine Tendenz verstärkt, die bei dem Chemnitzer Kulturfestival BEGEGNUNGEN seit Jahren zu beobachten ist: die Herausbildung unterschiedlicher Besuchergruppen.
Der Freund des experimentellen Theaters fand seine Neugierde befriedigt in der Uraufführung von "Masse und Macht", eines "Gesellschaftsspiels" mit Tanz, Schauspiel, Video und Musik in der Innenstadt-Shoppingmall. Teens und Twens wiegten sich zu Axl Makanas deutschen Songs im Reggae-Rhythmus, während die Liebhaber des Tangos – die Concertina wurde vom Chemnitzer Uhlig erfunden - über das Parkett im Chemnitzer Hof glitten. Der Cineast war beglückt, "Heimat – eine Chronik in 11 Teilen" von Edgar Reitz an drei langen Kinosonntagen auf der Leinwand zu sehen und dann der spannungsreichen Diskussionsrunde, "Heimat – Comeback eines Lebensgefühls", folgen zu können, zu der der inzwischen auch mit dem Konrad-Wolf-Preis 2007 ausgestattete Regisseur Reitz eigens nach Chemnitz gekommen war. Die Liebhaber exotischer Klänge und ferner Tänze kamen bei dem multikulturellen Konzert des "Bremer Stadtimmigranten" Konzertes und bei "Tres - Unter Göttern" voll auf ihre Kosten, und "Senor Coconut" bewies, dass man heim atliche Titel der Gruppe Kraftwerk auch als Samba interpretieren kann. Die Uraufführung des Erik Neutsch-Romans "Spur der Steine", die Lesung der Tagebücher der Autorin Brigitte Reimann durch die Schauspielerin Jutta Hoffmann und nicht zuletzt die Erinnerungen von Hilmar Thate und Angelica Domröse ließen eine vergangene HEIMAT wiederaufleben, ohne die Gegenwart zu vernachlässigen.
Die 35 Veranstaltungen in den Genres Musik, Theater, Tanz mit 8 durch das Festivals ermöglichten Uraufführungen erlebten 13.400 Besucher.
Ulrike Kölgen, Festivalintendantin