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Villa Esche (Parkstrasse 58)

Villa Esche (Parkstrasse 58)

Dieses Gebäude wurde 1902/03 nach Entwürfen von Henry van de Velde für den Unternehmer Herbert Esche gebaut.

Das Gesamtkunstwerk im Jugendstil war die erste größere Arbeit des Künstlers in Deutschland, die in die Kunstgeschichtsschreibung einging. Zentralstück des zweigeschossigen Gebäudes ist die Lichthalle.

Um die Jahrtausendwende wurde das stark sanierungsbedürftige Gebäude umfassend rekonstruiert. Am 13. Dezember 2001 erfolgte die offizielle Eröffnung durch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und den damaligen Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen Kurt Biedenkopf. Die originale Inneneinrichtung befindet sich zum Teil in den Städtischen Kunstsammlungen.

Die Villa Esche beherbert heute das erste Henry van de Velde Museum Deutschlands und dient als Kommunikations- und Begegnungsstätte für Wirtschaft, Kunst und Kultur.

Seit einigen Jahren kann man sich im ehemaligen Arbeitszimmer und im Salon mit Parkblick trauen lassen.

Trausäle in Chemnitz

 

 
 

Villa Esche - Ein Gesamtkunstwerk von Henry van de Velde

Herbert EscheHerbert Eugen Esche (rechts), Henry van de Velde (links)
Im Hintergrund das industrielle Chemnitztal
Foto: Kunstsammlungen Chemnitz

Die Villa Esche in Chemnitz ist der erste Bau, den der belgische Künstler Henry van de Velde (1863-1957) auf deutschem Boden errichtete.

Der Industrielle Herbert Eugen Esche (1874-1962) erteilte ihm 1902 den Auftrag, für sich und seine junge Familie ein Haus und ein ideales Lebensumfeld zu entwerfen. Gemeinsam wählten sie das Grundstück in dem damals neuen Villenviertel Kappel aus.

Der Zeit des Jugendstils entsprechend, entwarf der Architektur-Autodidakt Henry van de Velde nicht nur das Haus sondern auch den Park, die Inneneinrichtung, die Möbel, das Geschirr und andere Gebrauchsgegenstände bis hin zur Pfeife des Bauherrn. Die 1903/04 errichtete Villa wurde so zum exemplarischen Gesamtkunstwerk. Schon 1906 wurden verschiedene Innenansichten in der namhaften Zeitschrift "Kunst und Künstler" veröffentlicht.

In einer zweiten Bauphase (1911) wurde das Haus unter der Leitung seines Entwerfers erweitert. Das Ausfüllen einer ursprünglich im Volumen des Bauköpers ausgesparten Terrasse gab der Villa eine vollkommenere Wirkung und verdeutlichte Henry van de Veldes künstlerische Entwicklung in Richtung der Moderne.

Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind zwar Änderungen an dem Gebäude vorgenommen worden, im Wesentlichen blieb es aber erhalten. Zunächst diente es den Sowjets als Kommandantur, wurde dann von der DDR-Staatssicherheit genutzt und war ab den sechziger Jahren Schulungsstätte der Handwerkskammer. Nach der Wiedervereinigung wurde die Villa Esche 1990 auf die Bundesdenkmalschutzliste gesetzt. Die Stadt Chemnitz hat die leerstehende Villa Esche 1998 erworben und hat sie bis zum Mai 2001 einschließlich der Gartenanlage so weit wie möglich in den Originalzustand zurückversetzt.

 

Henry van de Velde in Chemnitz, 1902 bis 1914

Der belgische Künstler und Architekt Henry van de Velde (1864-1957) kam 1902 zum ersten Mal nach Chemnitz. Der erste Kontakt ist aber schon 1898 belegt. Der Textilfabrikant Herbert Eugen Esche (1874-1962) und seine Verlobte Johanna Luise Koerner (1879-1911) hatten sich für die in Julius Meier-Graefes Münchener Zeitschrift "Dekorative Kunst" veröffentlichten Entwürfe des Brüsselers begeistert und beauftragten ihn mit der Einrichtung ihrer ersten ehelichen Wohnung auf dem Kaßberg. Der Auftrag erfolgte brieflich und die Möbel wurden im April 1899 aus Brüssel geliefert.

Nachdem das Ehepaar Esche 1900 die Familie van de Velde in dem von dem Künstler errichteten Haus bei Brüssel besucht hatte, bekamen die Beziehungen freundschaftlichen Charakter. 1902 kam der Auftrag für die Villa Esche. Herbert Esche wünschte sich einen Rahmen, der im Einklang mit seinen modernen Möbel stünde.

Zu dieser Zeit war van de Velde nach Weimar berufen worden und der Kontakt zwischen den Familien verstärkte sich. Van de Velde wurde mehr oder weniger der künstlerische Berater von Herbert Esche, der sich bald zum Kunstmäzen entwickelte. Auf Empfehlungen van de Veldes ließ Esche den norwegischen Maler Edvard Munch seine Familie porträtieren. Der Künstler verbrachte 1905 mehrere Wochen in der Villa Esche. Der verlängerte Aufenthalt wird in den Memoiren des Malers Ivo Hauptmann (1886-1973), Sohn des Schriftstellers Gerhart Hauptmann, geschildert, der später Erica von Scheel (1881-1966), eine Schülerin von Henry van de Velde, heiratete.

Henry van de Velde wurde zum Hausarchitekten der Familie Esche. Fritz Eugen Esche (1876-1953), der Bruder von Herbert Eugen, erteilte van de Velde 1906 seinen nächsten Bauauftrag in Chemnitz: das Clubhaus des Lawn-Tennis-Klubs. Der 1908 fertiggestellte Bau wurde eines der architektonisch interessantesten Werke van de Veldes. Am 05. März 1945 wurde das Gebäude ein Opfer der Bombenangriffe auf Chemnitz und danach teilweise wiederaufgebaut. Im Zuge der Neubebauung des Gebietes um den Goetheplatz erfolgte aber 1960 der Abriss und der Tennisklub verschwand völlig aus dem Stadtbild.

Gleichzeitig modernisierte van de Velde für einen anderen Bruder, Arnold Esche (1880-1967), die Inneneinrichtung des 1884 im Stil der Neorenaissance errichteten Ritterguts Lauterbach bei Crimmitschau, Landhaus der Familie.

Einen ähnlichen Auftrag führte van de Velde ebenfalls um 1908 für Herrn Heinrich Theodor Koerner (1855-1921), Schwiegervater von Herbert und Fritz Esche und Besitzer der Tintenfabrik Eduard Beyer, aus, der die Halle seiner Historismus-Villa "Quisisana" in der Beyerstrasse 28 neu gestalten ließ.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ließ sich sein Sohn Dr. Theodor Koerner (1882-1958, Schwager von Herbert Esche) 1913 eine moderne Villa errichten. Die 1914 fertiggestellte "Villa Koerner" war Henry van de Veldes letzter Auftrag in Chemnitz. Sie wurde 1945 von Bomben stark beschädigt und in den Folgejahren verändert wiederhergestellt. 2001/2002 erfolgte die aufwändige Sanierung des Gebäudes.  
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste der belgische Künstler seiner Tätigkeit in Deutschland beenden und in die Schweiz ins Exil flüchten. Der Kontakt mit Herbert Eugen Esche blieb jedoch erhalten, nachdem Herbert Eugen Esche selbst 1945 nach Küsnacht (bei Zürich) zu seiner Tochter Erdmute Luchsinger gezogen war.
 

Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.
 


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Ansprechpartner

Villa Esche
Parkstraße 58
09120 Chemnitz
Tel.: 0371 5331088
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Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e.V.
Popowstraße 9 A
09116 Chemnitz
Tel.: 0371 3350196
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