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Preisträger 2011: Bora Ćosić

2011stefan-heym-preisverleihung 01Bora Ćosić mit Laudator Fritz Pleitgen und Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig.

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wurde im Rahmen der Internationalen Stefan-Heym-Konferenz am 1. Juli 2011 an den Schriftsteller und Publizisten Bora Ćosić vergeben. Bora Ćosić nahm den mit 40.000 Euro dotierten Preis persönlich zum Festakt in der Stadthalle Chemnitz entgegen.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig: „Stefan Heym ist ein großer Sohn unserer Stadt. Die Ansprüche an den Träger des Stefan-Heym-Preises müssen ihm gerecht werden. Die Jury leistet mit ihrer Aufgabe Interpretationsarbeit: Wie begegnet uns Stefan Heym heute? Und wie soll er uns begegnen? Die Entscheidung für Bora Ćosić beantwortet diese Fragen und ehrt den Preisträger ebenso wie den Preis selbst und den Namensstifter. Ćosić scheut den schmalen Grat zwischen Kunst und Politik nicht, übt offen Kritik und lehrt uns, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen."

Die Laudatio auf Bora Ćosić hielt der langjährige WDR-Intendant und frühere Vorsitzende der ARD, Fritz Pleitgen, der zugleich Schirmherr der ersten Konferenz der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft ist. „Stefan Heym wäre mit dem diesjährigen Preisträger höchst einverstanden gewesen“, so Fritz Pleitgen. „Bora Ćosić ist ein Schriftsteller, der sich mit unserer Zeit auseinandersetzt, der Türen aufstößt, der aus engem Denken herausführt, der neue, überraschende Blickwinkel eröffnet, der all dies mit Esprit und feinem oder – wenn nötig – bösen Witz brillant zu formulieren versteht, der vor allem niemals für ein bequemes Leben sein Recht veräußern würde, zu sagen und zu schreiben, was er denkt und fühlt; mögen dafür noch so unangenehme Repressalien drohen oder verhängt werden. Das sind die Grundeigenschaften, die Bora Ćosić mit Stefan Heym verbinden."

Der Festakt fand eine musikalische Umrahmung mit Beethoven und Mahler, den musikalischen Präferenzen von Stefan Heym und Bora Ćosić. Innerhalb der Veranstaltung trug sich Bora Ćosić außerdem in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz ein.

 
 

Der Autor

2011stefan-heym-preisverleihung 02 Bora CosicBora Ćosić zur Preisverleihung.

Ćosić, 1932 in Zagreb geboren, lebte bis zu seiner Emigration 55 Jahre in Belgrad und seit 1992 im deutschen Exil in Berlin sowie in Rovinj (Kroatien).

Mit der Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz an Bora Ćosić hat sich die Jury für einen großen Erzähler, Satiriker und auch Kritiker Süd-Ost-Europas entschieden. Ćosić steht in der Tradition der serbischen Avantgarde der 60er und 70er Jahre und hat über 30 Werke publiziert. Zu den bekanntesten gehören der preisgekrönte Roman „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“, ein schon Ende der 60er Jahre entstandener Roman über die Vorhersage des Untergangs Jugoslawiens aus der Perspektive eines Kindes, „Das Land Null“ und "Die Reise nach Alaska ". Mit der Entscheidung würdigt das Kuratorium auch die aufklärende Rolle von Ćosić als einem politischen Schriftsteller.

Der Preisträger Bora Ćosić in seiner Dankesrede: „Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, die Verhältnisse im Osten und im Westen streng zu trennen. Dabei hilft mir heute der Dichter Adonis, der sagt, es gebe in jedem Westen mehrere Westen und in jedem Osten mehrere Osten. Sagen wir Osten und Westen, vereinfachen wir die Dinge. Wir können sagen, dass es im Westen Osten gibt, die viel östlicher sind als der Osten, so wie es im Osten Westen gibt, die viel westlicher sind als der Westen. Ich kannte Stefan Heym, dank dessen Werk wir alle heute hier versammelt sind, nur kurz. Aber mit ihm und seinem dramatischen Leben verbindet mich gerade das, mein eigenes Schicksal, das sich in einem Spagat, einem west-östlichen, befindet.“

Bora Ćosić wurde 1932 in Zagreb geboren und wuchs in Belgrad auf. Er studierte Philosophie und arbeitete unter anderem als Redakteur verschiedener Literaturzeitschriften. 1992 verließ er Serbien, weil er nicht unter dem Regime Miloševićs leben wollte. Er ging nach Rovinj (Kroatien), dann nach Berlin. Bora Ćosić wurde 2002 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet, 2008 mit dem Albatros-Preis der Günter-Grass-Stiftung.

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der ersten Stefan-Heym-Konferenz, die vom 1. bis 3. Juli in Chemnitz stattfand. Die Konferenz, die sich mit Leben und Werk Stefan Heyms befasst, wird von der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Chemnitz im DAStietz organisiert.

 

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